Firma Lippert und der Brexit
Sorgenvoller Blick zur Insel

"Die psychologischen Auswirkungen sehe ich mindestens so kritisch wie die realwirtschaftlichen, da die Idee eines gemeinsamen Europa möglicherweise verloren gehen würde." Zitat: Daniel Sper, kaufmännischer Leiter der Firma Lippert
Wirtschaft
Pressath
22.06.2016
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Brexit oder nicht? Auch fürs Städtedreieck hat die Entscheidung in Großbritannien Auswirkungen. Für den Anlagenbauer Lippert könnte ein britischer EU-Austritt langfristig Auswirkungen haben - wenn auch nicht am Tag der Abstimmung, erklärt Daniel Sper. Der kaufmännische Verantwortliche der Traditionsfirma war selbst kürzlich auf der Insel. Aber auch wenn er die Stimmung gegenüber der EU dort aktuell als befremdlich empfindet, glaubt er nach den Ereignissen der letzten Tage nicht an einen Brexit.

Herr Sper, beschäftigt sie das Thema Brexit beruflich?

Daniel Sper : Ja, die Firma Lippert ist weltweit tätig, und hat auch in Großbritannien Kunden. Ich war vor einigen Wochen auf der Insel und habe die Skepsis gegenüber der EU bemerkt. Man hört sie in Gesprächen und spürt sie an der allgemeinen Stimmung. Viele Briten zweifeln an der Zukunftsfähigkeit der EU und des Euro, auch wenn die Briten selbst nicht direkt an der Währung hängen.

Hätte ein Austritt aus der EU Konsequenzen für die Firma Lippert?

Ich bin sicher, dass ein solcher Austritt Folgen für uns und die deutsche Wirtschaft insgesamt hätte. Die tatsächlichen Auswirkungen würden aber wohl erst in einigen Jahren voll zum Tragen kommen.

Wie meinen Sie das?

Laufende Projekte sehe ich weniger gefährdet, auch nicht die bestehenden Verträge und Verbindungen zur Insel.

Wo liegt dann das Problem?

Ein Austritt würde die EU insgesamt schwächen, sowohl den Binnenmarkt als auch im globalen Wettbewerb mit anderen Wirtschaftsräumen. Die psychologischen Auswirkungen sehe ich mindestens so kritisch wie die realwirtschaftlichen, da die Idee eines gemeinsamen Europa möglicherweise verloren gehen würde. Diese möglichen langfristigen Folgen in zwei bis fünf Jahren sind aber heute noch nicht abzuschätzen.

Wie würde sich das konkret auf die Firma Lippert auswirken?

Auch wir sind, wenn auch indirekt, abhängig vom Konsum und der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage. Und wenn es dort zu einer Eintrübung käme, würde das zwangsweise auch auf uns durchschlagen.

Welche Bedeutung hat der Außenhandel für ihre Firma?

Der Anteil des Exports an unserem Geschäft liegt bei circa 50 Prozent, ein Großteil davon geht in Länder der EU.

Die psychologischen Auswirkungen sehe ich mindestens so kritisch wie die realwirtschaftlichen, da die Idee eines gemeinsamen Europa möglicherweise verloren gehen würde.Daniel Sper, kaufmännischer Leiter der Firma Lippert
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