Solidarität mit den Kollegen

Jürgen Kürzinger. Bild: lep
Wirtschaft
Pressath
28.04.2016
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Pressath/Kirchenthumbach. Das nahe Aus für den Faurecia Standort Trabitz trifft auch Konrad Merkl und Jürgen Kürzinger. Die beiden SPD-Politiker haben ihr Berufsleben in dem Werk in Trabitz verbracht, waren beide im Betriebsrat aktiv, bevor sie in ihren Heimatgemeinden zu Bürgermeistern gewählt wurden. Der Kontakt zu Belegschaft und Betriebsrat ist auch danach nicht abgerissen.

"Natürlich habe ich die Nachricht nicht nur mit einem weinenden Auge aufgenommen", sagt Kürzinger. 26 Jahre war er als Industriemechaniker am Standort, bevor er 2014 das Bürgermeisteramt in Kirchenthumbach übernahm. Bei Merkl waren es sogar 35 Jahre, 2008 gab er den Betriebsratsvorsitz auf, um für eine Periode ins Pressather Rathaus einzuziehen. Aus heutiger Sicht war der Abstieg schon damals am laufen, erinnert sich Merkl. "Der Niedergang dauert schon mindestens 15 Jahre", sagt der 58-Jährige.

Schon in seiner Amtszeit habe er schwierige Verhandlungen zur Standortsicherung führen müssen. "Die Kollegen haben immer wieder auf Geld verzichtet, um das Werk zu sichern", sagt Merkl. Dass dies nun wohl umsonst war, ärgere ihn natürlich. "Damals haben wir auf eine Zukunft für unser Werk gehofft und waren bereit Opfer zu bringen."

Die beiden einstigen Faurecianer haben Betriebsratschef Karl Boemmel bereits ihre Unterstützung zugesagt. "Es geht um ein Zeichen, dass die Region hinter dem Werk und den Arbeitnehmern steht", sagt Merkl. Gemeinsam soll Druck auf Faurecia aufgebaut werden. Schließlich geht es um die Zukunft der Beschäftigten, denen Arbeitslosigkeit droht. "Die Kollegen sind hervorragende Fachkräfte, aber eben auch extrem auf die Anforderungen bei Faurecia spezialisiert", erklärt Kürzinger. Ohne zusätzliche Qualifizierung ist es für sie schwer, eine Alternative zu finden. Hier müsse der Konzern nachbessern, um den Menschen neue Chancen zu eröffnen, wenn er ihnen schon den Arbeitsplatz wegnimmt.

Ersmtals wird sich Kürzinger am Mittwoch, 4. Mai, an die Seite seiner früheren Kollegen stellen. In Trabitz gibt es ab "5 vor 12" eine Aktion des Betriebsrats. "Als Bürgermeister ist es mir ein Anliegen zu zeigen, dass wir die Beschäftigten nicht alleine lassen." Es sei nicht sein Job, seine Amtskollegen einzuladen. Aber er gehe davon aus, dass die selbst Interesse haben, Flagge zu zeigen.
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