Wer ist die Schönste im Tannenland?

Seit 18 Jahren betreibt Gerhard Hösl das Pressather Tannenland an der B299 zwischen Pressath und Grafenwöhr. In der Hochsaison kurz vor Weihnachten ist er täglich bei seinen Bäumen. Bild: spi
Wirtschaft
Pressath
06.12.2014
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Tausende Baumspitzen mit duftenden Nadeln ragen hinter den Holzhäuschen von Gerhard Hösl empor. Die ersten Schneeflocken schimmern auf den Tannenzweigen. Das Geschäft mit den Weihnachtsbäumen brummt.

Nordmanntanne, Douglasie oder Coloradotanne: Ein Christbaum, geschmückt mit glänzenden Kugeln, Lametta und bunten Holzfiguren, darf an Weihnachten nicht fehlen. 78 Prozent der Deutschen verbinden laut Statistischem Bundesamt in erster Linie den Christbaum mit Weihnachten. Nur 41 Prozent denken beim "Fest der Liebe" sofort an die Geburt Jesu.

Der Lieblingsweihnachtsbaum der Deutschen muss gleichmäßig gewachsen und kegelförmig sein. Die Nadeln sitzen fest, sind weich und piksen nicht - klingt nach der Nordmanntanne. "75 Prozent der Deutschen bevorzugen diesen Baum für Weihnachten", weiß Gerhard Hösl, Förster und Betreiber des Pressather Tannenlandes. "Aber es werden überwiegend nur Nordmanntannen angeboten." Ein Grund dafür sei vor allem, dass die Nordmanntannen sehr robust sind und dadurch die Ausbeute größer ist. "Es ist ein risikoreiches Geschäft. Man weiß nie, wie viele Bäume aufgrund von Witterungsbedingungen als Christbäume verkauft werden können", meint Hösl. Einige Arten seien auch anfälliger für Krankheiten.

"Von den angepflanzten Nordmanntannen kann ich rund 80 Prozent als Weihnachtsbäume verkaufen. Bei Coloradotannen fällt die Ausbeute um 30 Prozent geringer aus", erklärt Hösl. Auf einen Hektar passen rund 6000 Bäume. "Davon kann ich nur rund 3000 als Christbäume anbieten", sagt der Förster. Der Rest habe keine schöne Wuchsform, könne jedoch noch als Schnittgrün verwendet werden. Schon kurz nach dem Einpflanzen würden einige vierjährige Bäumchen kaputt gehen. "Die, die anwachsen, bleiben acht Jahre in der Erde. Zentimeter für Zentimeter schieben sie sich in die Höhe, bis sie mit rund zwei Metern die richtige Größe zum Absägen haben", betont Hösl.

24 Millionen Bäume

Laut Hans-Georg Dreßler, Pressesprecher des Bundesverbandes der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger, werden jährlich in Deutschland rund 24 Millionen Weihnachtsbäume verkauft - 21 Millionen an Privathaushalte. Der Rest gehe an öffentliche Einrichtungen. Ein großes Problem beim Christbaumanbau sei der Spätfrost im Mai. "Die frischen Triebe erfrieren. Man kann versuchen, mit einer Frostschutzberegnungsanlage dagegen anzukommen", meint Hösl. "Schon oft bin ich nachts aus dem Bett gesprungen, zum Tannenland gefahren und habe die Bäume mit Wasser besprüht."

Auf den Zweigen bilde sich eine Eisschicht, welche die Triebe vor dem Frost schützt. Aber so eine Anlage kostet Geld. Und auch die Netze, in welche die Bäume verpackt werden, sind laut Hösl teuer - 25 Euro pro Stück. "Darin kann ich rund 25 Bäume einwickeln", sagt er und zieht den Baum mit dem Stamm voran durch die Einnetzmaschine. Ein Gerät aus Metall, das aussieht wie ein überdimensionaler Blecheimer ohne Boden - auf der einen Seite mit einem grobmaschigen Netz bespannt. Der Anbau von Tannenbäumen und der Handel damit sei zeitaufwendig. "Man muss die Bäume pflanzen, ab und zu mit Stickstoff düngen, sie vom Unkraut befreien und die Seitentriebe zurückschneiden", weiß Hösl aus seiner 18-jährigen Erfahrung als Christbaumerzeuger.

Ökologischer Anbau

Der Bund Naturschutz Bayern appelliert an die Christbaumproduzenten, die Bäume regional und ökologisch anzubauen: "Wir kritisieren den Einsatz von Pestiziden", sagt Ralf Straußberger, Wald- und Jagdreferent beim Bund Naturschutz Bayern. Bei stichprobenartigen Untersuchungen im Jahr 2011 in Deutschland habe jeder dritte Weihnachtsbaum Rückstände von Insekten- oder Unkrautvernichtungsmitteln enthalten.

"Es waren sogar verbotene Stoffe wie Atrazin dabei." Im Internet können die Kunden unter bayerische-christbaumanbauer.de regionale Anbieter finden. Für den Kauf eines Öko-Baumes könne man sich an die bayerischen Öko-Anbauverbände, wie naturland.de oder bioland.de wenden. Und auch im Pressather Tannenland gibt es Öko-Bäume. Hösl setzt Shropshire Schafe als Unkrautfresser ein und verwendet keine Pflanzenschutzmittel.

Grundsätzlich habe der Bund Naturschutz nichts gegen den Anbau von Weihnachtsbäumen. "Es ist halt eine Tradition. Wenn man einen Baum für so einen kurzen Zeitraum absägen will, dann einen ökologisch und regional gewachsenen", erklärt Straußberger.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.pressather-tannenland.de http://www.bvwe.de www.bund-naturschutz.de
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