"Arcis Saxophon Quartett" spielt im Historischen Pfarrhof in Wurz
Mit Leichtigkeit durch die Klassik

Das "Arcis Saxophon Quartett" hat musikalisch noch viel vor. Im Herbst soll ihre erste CD erscheinen. Bild: gag
Kultur
Püchersreuth
10.08.2016
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Kammermusik mit Saxofon ist ungewöhnlich und kaum bekannt. Umso mehr überrascht das "Arcis Saxophon Quartett" das Publikum im Historischen Pfarrhof in Wurz.

Wurz. Ungewöhnlich. Dieses Wort fällt öfter. Ungewöhnlich die Besetzung mit vier Saxofonen für ein Kammerorchester. Ungewöhnlich auch die Musikauswahl. Insofern passt es zu dem ungewöhnlichen Auftrittsort: Die steinerne Naturbühne im Historischen Pfarrhof, zwischen Haus und Marstallgebäude. Davor das Publikum, im Halbkreis unter dem mächtigen Nussbaum versammelt.

"Ich habe sie zufällig in Berlin entdeckt und wusste, dieses Ensemble muss unbedingt in Wurz auftreten". Bewegt kündigt Dr. Rita Kielhorn das junge Quartett an, das erst vor Kurzem das Studium an den Hochschulen in Berlin und München abgeschlossen hat. Was sie damals nicht wusste: Die vier ausgezeichneten Musiker, Preisträger mehrerer Musikwettbewerbe, erhielten im Januar eine Einladung in den "Olymp der Kammermusiksäle": die Wigmore Hall in London.

Musikalischer Querschnitt


Voller Tatendrang wollen Ricarda Fuss (Altsaxophon), Claudia Jope (Tenorsaxophon), Claus Hierluksch (Sopran) und Jure Knez (Bariton) nicht nur die klassische Originalliteratur ergründen, sondern vielmehr mit modernen Werken und Arrangements Akzente setzen. Somit darf man den Auftritt in Wurz auch als Querschnitt ihres Repertoires sehen. Präzise setzen sie die "Sechs Bagatellen" des neuzeitlichen Komponisten György Ligeti um, eigentlich komponiert für fünf Bläser. Nach dem schnellen Ecksatz des "Allegro con spirito" klingt das "Rubato-Lamentoso" sphärisch. Flimmernde Akkorde wechseln mit lauten und leisen Passagen. Angelehnt an bartóksche Prinzipien, nannte Ligeti (1923-2006) das Adagio-Mesto auch "Béla Bartók in memoriam".

Klassischer dagegen das "Quartett für vier Saxophone" von Alexander Glasunow. Mit Fantasie kann sich der Besucher wie in einem mittelalterlichen, italienischen Burghof fühlen, mit den Stufen, Fenster- und Türlaibungen aus Granit im Hintergrund, dem wilden Wein an der Fassade des Marstalls, der zurückhaltenden Dekoration mit Rosen und Lavendel. Die Zuhörer bewundern die absolute Genauigkeit der Darbietung, die exakte Ausführung auch schwieriger Akkorde und die Leichtigkeit und Präsenz der Musiker. Triller auf dem Baritonsaxophon wie bei einer Klarinette, die langen Sätze erfordern besonders von Jure Knez eine spezielle Atemtechnik auf seinem Baritonsax.

Leidenschaftlich gehen Claudia Jope und Ricarda Fuss mit dem Klang und Rhythmus der Melodien mit, besonders bei den "alten ungarischen Tänzen" von Ferenc Farkas. Natürlich und mit jugendlichem Elan erzählt und moderiert Claus Hierluksch zwischen den Stücken. Und dann gibt es überraschend eine Programmänderung. Statt des traurig-schwermütigen "Lamentatio" von Erkki-Sven Tüür schwenken sie um auf das "Italienische Konzert" von J.S. Bach. Die Begründung - für alle nachvollziehbar.

Keine Totenklage


"Wir waren sofort verzaubert von diesem Auftrittsort, diesem tollen Ambiente". Da könne man keine Totenklage spielen. Das empfinden auch die Gäste so und genießen die Dynamik und Leichtigkeit des Bach'schen Werks. Den Part des Cembalos arrangieren die Vier dabei um für Saxophon, "weil wir denken, dass es unglaublich gut für Saxophon passt" begründet Hierluksch.

Um die Abwechslung abschließend nochmals zu steigern, präsentiert das "Arcis Saxophon Quartett" eine Adaption aus der Oper "Porgy and Bess" von George Gershwin. Gefühlvoll stimmt Hierluksch auf dem Tenorsaxophon "Summertime" an. Wäscheklammern hindern den Wind daran, die Blätter von den Notenständern zu blasen. Die Interpretation von "It ain't necessarily so" und die sehnsüchtig-sachten Schlussakkorde beim "Final" lösen begeisterten Beifall aus, so dass Ricarda Fuss charmant noch zwei Zugaben verspricht. Wieder ungewöhnlich: der Sprechgesang in "Patchwork" von Philippe Geiss.

Das Quartett hat musikalisch noch viel vor. Im Herbst soll ihre erste CD erscheinen. Per Crowdfunding suchen die vier Musiker nach Sponsoren, was sie auch in Wurz verkünden und Karten verteilen. Erfolgreich, wie der Blick in die Spendenbox am Ende bestätigt.
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