Argentinische Klassik im Landgut
„Duo Fracanapa“ begeistert beim "Oberpfälzer Tangofestival" im "Federkiel"

Susanne Hofmann und Matias González begeisterten im Café "Federkiel" als "Duo Fracanapa" das Publikum. Bild: gag
Kultur
Püchersreuth
22.06.2016
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Tangoliebhaber und Kunstkenner trafen sich im Landgut "Federkiel". Zum neunten Mal hatte Susanne Hofmann das "Oberpfälzer Tangofestival" organisiert, mit stets wachsender Teilnehmerzahl an den Workshops und einem gemeinsamen Konzert des Tango-Festival-Orchesters.

Ganz still wurde es unter den Zuhörern im Café "Federkiel", als Matias González ein Solo auf dem Bandoneon spielte. "Mi Refugio" und "Loca Bohemia", zwei kammermusikalische Leckerbissen, ließen das Publikum andächtig lauschen. Stücke der bekanntesten Tangokomponisten hatten Susanne Hofmann (Violine), stellvertretende Konzertmeisterin der zweiten Violinen in der Magdeburgischen Philharmonie, und Matias González, bekannt als "Duo Fracanapa", mitgebracht. "El Esquinazo" von Angel Villoldo, Pionier des argentinischen Tangos, von dem auch das bekannte "El Choclo" stammt, machte den Anfang. Virtuos und mit besonderen Effekten auf der Violine folgte Hofmann der Melodie des Bandoneon.

Einfühlsam und präzise


Zwei eher unbekannte Stücke argentinischer Folklore, einer Chacarera von Eduardo Lagos (Buenaventura) sowie einer Chamame ("La Caù"), die, wie Hofmann erzählte, "ähnlich wie Tango eng und romantisch getanzt wird", lockerten das Programm auf. Die Präzision der beiden Musiker, der Gleichklang der oft komplizierten Melodien, erhielt besonderen Beifall.

Ein melancholischer Anfang leitete über zu "Gorrion", einem langsamen Tango von Dino Saluzzi. Spätestens jetzt konnte man die Wehmut spüren, die Sehnsucht der Porteños, der Menschen am Hafen von Buenos Aires, die diesen Musikstil prägte. Abstrakte und schwierige Passagen meisterte Gonzáles meisterhaft. Bereits seit seinem 13. Lebensjahr spielt er das Bandoneon. Sein Großvater war mit dem berühmten Astor Piazzolla befreundet, der Klang des Instruments hatte ihn sofort fasziniert.

"Es ist ein Privileg für Argentinien, einen so großen Komponisten zu haben", betonte er über den noch lebenden, inzwischen 100-jährigen Horacio Salgán. Einen seiner Klassiker, "A Don Agustin Bardi", präsentierte das Duo. Hofmanns einfühlsames und präzises Geigenspiel durfte man auch beim Tango "Comme il faut" bewundern.

Im zweiten Teil kamen immer mehr die Stücke von Astor Piazzolla zum Klingen, mit ihrer unnachahmlichen Intensität. Typische Harmonien und Akkorde bewegten nicht nur die Tangotänzer im Publikum. "Meditango", "La Mufa", oder die Komposition über den Hai "Esqualo", umgeschrieben und arrangiert von Gonzales zu "Esqualazo", abstrakt, ruhig und dramatisch im Wechsel, entlockten dem Publikum "Bravo"-Rufe. Doch auch die kraftvolle Melodie von "Eramos tan Jóvenes" von Leopoldo Federico begeisterte, so dass die beiden Künstler nicht ohne mehrere Zugaben davonkamen.

Lustiger Ausklang


Mit einem eher lustigen Stück (Argentinier in Europa), einer Variation von "Buenaventura" und schließlich "Decarisimo" von Piazzolla, bei dem Gonzáles wie mit dem Bandoneon verwachsen schien, verabschiedete sich Fracanapa.
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