Christian Brunner und Henri Bonamy spielen in Wurz alle vier Cellosonaten von Max Reger
Maximum Reger

Pianist Henri Bonamy (links) und Cellist Christian Brunner bescherten den Besuchern der Wurzer Sommerkonzerte einen bemerkenswerten Sommerabend. Bild: dok
Kultur
Püchersreuth
29.08.2016
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Wurz. Die im 29. Lebensjahr verwurzelten Sommerkonzerte können es sich schon erlauben, ihre Hörerschaft einmal so richtig zu fordern. Zum Reger-Jahr 2016 dürfen es also alle vier Cellosonaten des Oberpfälzers am Stück sein. Mit Christian Brunner am Cello und Henri Bonamy am Klavier haben sich Musiker gefunden, die sich mehr als achtbar auf dieses seltene Wagnis einlassen.

Gänsehaut und volles Herz


Die Sonaten umspannen fast 20 Jahre reges Reger-Leben ab 1892. Das Opus 5 erlebt seine Uraufführung durch Reger selbst zusammen mit dem Widmungsträger Oskar Brückner in Wiesbaden. Beim Adagio laufen dem 20-Jährigen "Gänsehäute über den Rücken", sein Herz ist voll der Brahms-Verehrung. Die Notenköpfe bersten fast davon, was Reger sich von der Seele singen will. Später wird er sagen: "Mit der ersten Sonate ist es gar nichts. Das ist ein arg verfehltes Jugendwerk!" Man möchte dem Meister ungern widersprechen.

Zur Sonate op. 28 meinte der Cellist Hugo Becker, dass "die Cellostimme oft harmonisch nicht zum Klavier passt". Reger wirft ihm daraufhin "vormärzliche Begriffe von Harmonik" an den Kopf, auch hier assistiert man gerne. Zum Glanzpunkt in Wurz gerät das Scherzo mit seinem handfesten sarkastischen Humor, typisch Reger. Später stempelt er das Werk als "veraltet". Eine andere Klasse spiegelt die oft impressionistisch wirkende Sonate op. 78, entstanden in der Münchener Zeit um 1904. Ein Schmankerl ist der erstmalig verwendete Variationensatz, genussvoll ausgekostet von beiden Musikern.

Den Hut darf man ziehen vor der Sonate a-Moll op. 116 aus dem Jahr 1911, einem "Herzblutwerk" Regers. Sie nimmt eingangs wie auch mit der Rhythmik des Scherzos Bezug auf Beethovens A-Dur-Cellosonate. "Ich glaube, dass dieses so klare Werk jedem einleuchten wird", meint Reger. Wohl wahr! Bestechend gut gelingt den Musikern das Largo, das "Zweifel und Hoffnung, menschliche Unzulänglichkeit und Glaube" (Julius Berger) widerspiegelt und Regers Lebensthema "Tod und Erlösung" touchiert: Es zitiert zum Satzende Johann Sebastian Bachs Choral "Wenn ich einmal soll scheiden".

Überbordender Klaviersatz


Die beachtliche Leistung der Musiker wurde schon angesprochen. Der überbordende Klaviersatz will immer möglichst viele Finger in Brot und Arbeit halten, mehr als es Kollege Brahms schaffte. Da heißt es, straffe, sehr straffe Klangregie zu führen, nicht von der Hitze der Musik einen überhitzten Kopf und aufgepumpte Muskeln zu bekommen. Vom Garten aus geht das oft in Ordnung, im Marstall dominiert das Klavier doch sehr.

Hier wie dort ereignen sich manche Details der ausziselierten Dynamik Regers nur auf dem Notenpapier. Bonamy treibt seinen Kollegen gern zum Forcieren. Brunner hat die vielen ausgesprochen unangenehmen Cellopassagen ganz gut in den Fingern, setzt aber zu oft auf Glissando-Seelenbalsam. Sein charakteristisches, weit ausholendes Vibrato erinnert in hohen Lagen schier an Bockstriller. Doch das sind lediglich Schleierwolken an einem bemerkenswerten Sommerabend.
1 Kommentar
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Harduin Reeg aus Weiden in der Oberpfalz | 08.09.2016 | 11:36  
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