Drei Brüder und eine Bratschistin unterhalten als "Schumann-Quartett" im Wurzer Pfarrhof
Streichmusik von Mozart bis Schnittke

Erik und Ken Schumann, Liisa Randalu und Mark Schumann (von links). Bild: Tietz
Kultur
Püchersreuth
05.09.2016
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Wurz. Drei Brüder und eine Bratschistin, sie bilden seit 2011 das Schumann-Quartett. So familiär, wie Erik (Violine 1), Ken (Violine 2) und Mark Schumann (Violoncello) zusammengehören, so gemeinsam gehen sie auch die von ihnen gespielten Werke an. Liisa Randalu (Viola) fügt sich in dieses Familienband musikalisch tadellos ergänzend ein.

Gut besetzt


Das Programm im Garten des Historischen Pfarrhofs in Wurz beginnt vor sehr gut besetzten Stuhlreihen mit dem "Streichquartett F-Dur" KV 590 von Wolfgang Amadeus Mozart. Diese letzte Quartettschöpfung des Komponisten lebt wie die zwei vorangegangenen von der damals völlig neuen Kompositionsweise, die den vier Streichinstrumenten absolute Gleichwertigkeit zuerkennt.

Das passt natürlich wunderbar zum Zusammenspiel des Schumann-Quartetts, das umso durchsichtiger Themen und Begleitung gestaltet sowie Piano und Forte fein abgestimmt zu Gehör bringt. Dass Mark Schumann auf dem Cello etliche wohlklingende Soli vorträgt, liegt daran, dass Mozart die drei "Preußischen Quartette" KV 575, 589, 590 dem König von Preußen, der selbst Cello spielte, zudachte. Ein musizierseliges Werk ist KV 590. Schwungvoll werden die Themen des beginnenden "Allegro moderato" im jeweils stimmführenden Instrument vorgetragen. Das gilt auch für das zierliche "Allegretto" und das tänzerische "Menuetto con Trio".Stürmisch schnell dagegen das Finale, das von den Interpreten virtuose Gestaltung verlangt. Den Musikern gelingt eine überzeugende Darbietung eines späten Meisterwerks der kammermusikalischen Schöpfungen Mozarts.

Es folgt das 1983 komponierte "Streichquartett Nr.3" von Alfred Schnittke. Einerseits arbeitet der Komponist mit melodischen Themen, die aber andererseits immer mehr von modern gestalteten Tonfolgen durchsetzt werden. Glissandi, Tremolo-Ausbrüche und Akkorde an der Grenze der Tonalität prägen die divergierenden Ansätze zu neuer Melodie-Gestaltung.

Erweiterte Tonalität


So zieht der beginnende "Andante"- Satz in stimmungsvollen Variationen vorbei. Das "Agitato" beginnt tänzerisch und setzt sich fort mit beeindruckenden Erweiterungen der Tonalität. Man merkt, dass der Komponist Stimmungen erzeugen wollte, nicht aber um des modernen Klangs willen neue Tonfolgen setzte. Im "Pesante" erklingen druckvoll die vielen Trillerpassagen, das aussagekräftige Pizzikato, mit denen die Verknüpfung von Melodien und Tonmöglichkeiten zum großen Schluss geführt wird.

Nach der Pause erklingt das "Streichquartett Nr. 13 B-Dur" op 130 von Ludwig van Beethoven. Ein riesiges sechssätziges Werk mit kompliziertem Aufbau und nicht immer einfacher Verständlichkeit. Es meditiert in allen Sätzen: Das beginnt schon im ersten Satz, der von Abwechslungen zwischen "Adagio ma non troppo" und "Allegro" immer wieder abrupt geprägt wird. Ein rasendes "Presto" schließt sich an. Ein die Melodien kompliziert darbietendes "Andante" folgt.

Tänzerisch gleitet dann das "Allegro assai" als "deutscher Tanz" dahin. Eine "Cavatine" setzt melodienselig fort, muss aber eine Passage mit der Anweisung "beklemmt" überwinden. Das lebhafte "Allegro" des Finales zeigt beschwingte Klänge.

Aufgrund des rauschenden Beifalls gibt das Quartett noch eine Zugabe: Von Joseph Haydn ertönt das "Scherzando" aus dem "Streichquartett C- Dur" op 33/3, dem "Vogelquartett". Aus dem Melodiereichtum ragt das filigrane Trio hervor, das durchaus wie Vogelstimmen klingt.
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