Konstantin Manaev und Kateryna Titova begeistern mit musikalischer Virtuosität
Feurige Sonaten und leise Töne

Große Gefühle in Wurz: Konstantin Manaev (Cello) und Kateryna Titova (Piano) verzaubern mit vielseitigen Melodien und Klängen. Bild: dok
Kultur
Püchersreuth
24.08.2016
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Wurz. Ein Gipfeltreffen romantischer Musik präsentiert sich mit den Musikern Konstantin Manaev (Cello) und die Kateryna Titova (Klavier). Die Pianistin präsentiert sich solistisch mit der leidenschaftlich und mit Pranke gespielten Fantasie fis-Moll op. 28 von Mendelssohn und dem Opus 20 von Jan Vorísek (1791-1825). Dessen feurig dargebotene Sonate in b-Moll steht Beethoven näher als Schubert. Ihre gestalterische Reifezeit war noch nicht ganz erreicht. Die im Notentext vorgegebenen schroffen Lautstärke-Kontraste werden geebnet, die atemlose Stille von Pausen übergangen, in manchen der schnellen Läufe trüben Nebelschleier die Deutlichkeit.

Manaevs Herzensanliegen


Bei den drei Marksteinen der Celloliteratur offenbart Konstantin Manaev sein Herzensanliegen: Cremig-weiche Sanglichkeit stellt er über rhetorisch inspirierte Artikulation. Emotionale Wärme und bebende spannungsgeladene Leidenschaft stellt er über kühle Sachlichkeit. Nie ist sein Spiel distanziert oder gar unverbindlich, über die ausgeprägte Mimik und Gestik mag man geteilter Meinung sein. Bei den an den Anfang umgestellten drei Fantasiestücken Robert Schumanns op. 73 ist er beim Schlusssatz "Rasch und mit Feuer" geradezu in seinem Element. Die anderen Sätze deutet er mehr als dessen Vorahnung denn Kontrast.

Hohe Lagen und Sprünge


Schuberts Sonate a-Moll D 821 ist das gewichtigste Werk für das Arpeggione, eine 6-saitige Streichgitarre. Auf dem 4-saitigen Cello verlangt sie ausgesprochen unangenehme hohe Lagen und Sprünge, die für Manaev aber keine Hürden darstellen, selten klingt sein Spiel nach handwerklicher Schwerarbeit. Eine interpretatorische Herausforderung:

Die harmlos und liedartig daher kommenden Themen lösen urplötzlich dramatische, erschütternde Konflikte aus. Manaev spielt die liedartigen Passagen dunkel und unheildrohend aufgeladen, die Ausbrüche scheinen so unausweichlich. Der Eingangssatz der e-Moll-Sonate op. 38 von Johannes Brahms ist von grüblerisch-romantischer Grundstimmung durchzogen, sein langsam-verträumter Schluss ersetzt den fehlenden langsamen Satz - in diesem Teil bebt noch recht viel an Aktivität nach. Das folgende Menuetto ist von überraschender Melancholie, geradezu Fatalismus geprägt. Diese wollen nicht weichen, Manaev hält die kecken Momente des a-Moll-Themas dagegen.

Der Schlusssatz ist ein Novum in der Musikgeschichte: In Verneigung vor Bach wählte Brahms als Vorlage ein Thema aus der "Kunst der Fuge", er komponierte eine solche mit beibehaltenen Kontrapunkten, das würde man natürlich gerne allzeit durchhören wollen. Manaev und Titova setzen auf musikantischen Impetus, auf schier Säle füllende Klavierklänge.

Bei zwei umjubelten Zugaben bringen der Cellist und die Pianistin a ihre Stärken noch einmal auf den Punkt: Blitzende Virtuosität bei Paganinis "Moses-Variationen", gespielt nur auf der Cello-A-Saite; große Gefühle bei Tschaikowsky Chanson.
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