Parfenov-Duo begeistert
Tugenden des Jazz für die Klassik

André Parfenov (Klavier) und Juliana Münch (Violine) haben ihrem gemeinsamen Spiel den Titel "Jazz in Klassik" verliehen. Bild: Tietz
Kultur
Püchersreuth
22.08.2016
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Wurz. Wie oft in diesem Sommer: Es regnet leicht. So ist eben der Marstall im Historischen Pfarrhof in Wurz gut mit erwartungsvollen Zuhörern gefüllt, als das Parfenov-Duo bei den 29. Wurzer Sommerkonzerten auftritt. André Parfenov (Klavier) und Juliana Münch (Violine) haben ihrem gemeinsamen Spiel den Titel "Jazz in Klassik" verliehen.

Dass damit nicht gemeint ist, die klassischen Stücke nach Art des Jazz vorzutragen, ist nach wenigen Takten klar. Vielmehr legen die beiden es darauf an, eine Spielweise zu offerieren, die nicht zurückhaltend agiert, sondern die Möglichkeiten von Tempo und Lautstärke voll ausschöpft. Natürlich innerhalb der Vorstellungen, die sich aus den Ideen des Komponisten ergeben könnten. Das schließt auch erhöhten körperlichen Einsatz ein.

Aus Jahreszeit und Wetterlage resultiert deshalb das erste Stück: Der "Sommersturm", der 3. Satz aus dem Concerto "L'estate" op 8/2 von Antonio Vivaldi, erklingt in der Violine sehr virtuos und äußerst stürmisch, auf dem Flügel kraftvoll und vorwärts treibend, weil beide Musiker ein starkes Forte in schnellen Tönen als Grundlage gewählt haben. Von Manuel de Falla folgt ein "Spanischer Tanz" in ähnlich stürmischer Spielweise. Die "Melodie für Violine und Klavier" op 42/3 von Peter Tschaikowsky schließt sich an. Hier zeigen beide Ausführenden, dass sie auch eine getragene Melodie spielen können. Der "Blues" aus der Violinsonate von Maurice Ravel dagegen vermittelt Anklänge an damalige amerikanische Kompositionen. Juliana Münch spielt mitreißend, André Parfenov begleitet intensiv auf seine Partnerin achtend. Der Pianist trägt das Finale der 1. Sinfonie C-Dur op 21 von Ludwig van Beethoven auf dem Klavier in eigener Fassung vor. Dass er ein fulminanter Pianist ist, wird bei den vielen technischen Herausforderungen sehr deutlich.

Auch das folgende Stück ist von Parfenov. Es heißt "Erfolg und Blamage eines Installateurs". Trotz des Titels ist es gut anzuhören in seinen ungebremsten virtuosen Passagen. Dann erklingt noch als Hommage an den Monat aus dem Zyklus "Die Jahreszeiten" op 37 von Peter Tschaikowsky in einer Fassung für Violine und Klavier, die von Parfenov stammt, der "August". Zu Recht folgt großer Beifall.

Der zweite Teil des Konzerts wird eingeleitet mit der "Sonate für Violine und Klavier e-moll" KV 304 von Wolfgang Amadeus Mozart. Man merkt sofort, dass der einzigen Moll- Sonate Mozarts für diese Besetzung die besondere Liebe Juliana Münchs gilt. Leidenschaftlich gestaltet sie das beginnende "Allegro", zart das folgende "Tempo di Menuetto" mit dem feinsinnigen Trio in E-Dur. André Parfenov gibt dem anschließenden "Prelude cis-moll" op 3/2 von Sergej Rachmaninoff die machtvolle Tonfülle, die es auszeichnet.

Dann spielt er ein "Nocturne" von Frederic Chopin. Das "Nocturne" op 51/3 von Jean Sibelius wird wieder von beiden Musikern dargeboten. Jetzt folgen vier Stücke von Parfenov. Zuerst spielen beide den "Pilotentango" aus dem Ballett "Verlorene Kinder". Darin wird der Opfer des Flugzeugabsturzes 2002 bei Überlingen gedacht.

Die "Hommage an Sergei Sergejewitsch" ist dem Gedenken an Prokofieff gewidmet. In Ehrerbietung hat Parfenov das Thema aus dem Ballett "Cinderella" in seine musikalischen Aussagen eingebaut. Das nächste Stück heißt "Zahnarzt-Polka" und dauert 1 Minute, 40 Sekunden. In rasender Geschwindigkeit müssen Geige und Klavier jede Menge Noten bewältigen. Als Uraufführung erklingt schließlich "Frühlingsreise", eine klangvolle Hommage an die Wurzer Konzerte. Nach einer Zugabe endet ein solches unter großem Beifall.
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