Start der 29. Wurzer Sommerkonzerte
„Menuetto“ entführt in andere Welt

Das Prager Bläseroktett verzauberte das Wurzer Publikum beim Auftakt der Sommerkonzerte mit Werken von Rossini, Mozart, Hybler und Triebensee. Bild: gag
Kultur
Püchersreuth
01.08.2016
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Eine Symbiose aus Musik und Poesie, aus Leidenschaft und Harmonie. So sollen die diesjährigen Konzertwochen sein. In traumhaftem Ambiente und bei angenehmen Temperaturen, das Publikum im Halbkreis um die Naturbühne zwischen Marstall und Pfarrhof versammelt, starteten am Samstag die 29. Wurzer Sommerkonzerte.

Wurz. Angelehnt an den 700. Geburtstag Kaiser Karls IV. hat die Initiatorin der Wurzer Sommerkonzerte, Dr. Rita Kielhorn, ein Programm zusammengestellt, das besonders das Verhältnis Prag-Böhmen-Bayern thematisiert. Als aktuellen Bezug bringt sie in ihrer Begrüßung die Begriffe "Flucht und Auswanderung" in Relation zu dem Fotografen der Ausstellung, Stanislav Túma. Dieser war während der Flucht seiner Eltern aus Prag geboren worden. Der Ruf des Festivals hat zudem Kulturfreunde aus ganz Deutschland angelockt, aus München, Düsseldorf, Berlin, Hamburg oder Baden-Württemberg.

Große Hoffnung


"Der Mensch braucht Musik wie Essen und Trinken, und ich freue mich, dass die Politiker das inzwischen ebenso sehen", wendet sie sich an den Neustädter Landrat Andreas Meier. Der Verein "Freundeskreis Wurzer Sommerkonzerte." sei zuletzt finanziell an seine Grenzen gestoßen. Durch die Unterstützung des Landrats, aber auch zahlreicher Sponsoren, sei die Hoffnung groß, das 30. Jubiläum dieser besonderen Kulturwochen feiern zu können. Mit Goethes Worten "Was wäre ich ohne Dich, mein Publikum" verspricht sie den Kunstfreunden im begrünten Innenhof vierfachen Genuss: "Für die Ohren die Musik, für die Augen die Ausstellung der Fotografien Túmas, für die Seele die Poesie von Maria Hammerich-Maier, und für den Leib das Buffet im Anschluss". Meier sagt der Klassikreihe seine Unterstützung zu, dass "nicht nur das 30., sondern auch das 31. oder 32. Wurzer Sommerkonzert gesichert ist."

Gegen Gewalt und Hass


Berührende Worte findet auch die Autorin der poetischen Texte in der angrenzenden Ausstellung, Maria Hammerich-Maier. Ihre Werke korrespondieren dort mit den Schwarz-Weiß-Fotos von Stanislaw Túma, die das alte Prag stilisieren. "Die Poesie, der Bilder, Sprache und Musik sind ein Programm gegen Gewalt und Hass" betont Hammerich-Maier.

Das Motto "Poesie und Leidenschaft" soll in diesem Jahr mit zwölf Konzerten aus verschiedenen Perspektiven erfahrbar werden. Den Anfang macht das "Prager Bläseroktett" mit einer spannenden Musikzusammenstellung. Lebendig und anregend klingt die Ouvertüre aus "Die Italienerin in Algier" von Gioacchino Rossini. Die Musiker sitzen im Licht- und Schattenspiel der Bäume im Pfarrhof, umrahmt von blühenden Rosen, wildem Wein und dem Publikum.

Im Gegensatz zu Rossinis eingängigen Melodien fordert das Oktett mit "Geistesumnachtung" des jungen Komponisten Martin Hybler das Publikum. Schwierige Passagen und Sequenzen meistert das technisch virtuose Ensemble mühelos. Die Sonne zeichnet dabei mit den Schatten der Bäume an der Hauswand eine eigene, seltene Stimmung. Ein "Menuetto con variazioni" des Komponisten Joseph Triebensee über ein Thema aus Mozarts Oper "Don Giovanni" lockert die Spannung wieder.

Feinfühliges Publikum


Rechtzeitig mit den letzten Sonnenstrahlen, die gerade noch das Dach des Pfarrhofs streifen, stimmen die Künstler die "Serenade Nr. 11 Es-Dur" von Mozart an. Das feinfühlige Publikum lauscht konzentriert und entspannt der weich-melodiösen Interpretation der Hornisten Jirí Spacek und Jan Musil und der dominanten Klarinette von Katerina Váchová, die zusammen mit Vladislav Borovka und Lukás Pavlícek (Oboe), Pavel Langpaul und Libor Soukal (Fagott) sowie Ales Hustoles (Klarinette) das "Allegretto maestoso" anstimmen.

Pünktlich vor Beginn des "Menuetto II", als würde es zum Programm gehören, schlägt die Kirchturmuhr der Pfarrkirche. Wie in einer anderen Welt, den Alltag ausgeblendet, genießen die Kunstfreunde den Ohrenschmaus. Dem begeisterten Beifall folgt die Zugabe "Tanz der Ritter" aus Romeo und Julia von Prokofiev.
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