"Was würden Tiere beten?"

"Joschi" ist vollkommen ergriffen. Der brave sechsjährige Mops und sein Frauchen kommen regelmäßig nach St. Quirin. Bilder: Schönberger (5)
Lokales
Püchersreuth
04.10.2014
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Lautes Hunde-Gebell, schüchternes Katzen-Miauen. Und das in einem Gotteshaus. Der heilige Franziskus hätte seine helle Freude gehabt an diesem quirligen Zoo, zu dem auch ein paar ganz stille Exoten gehörten.

Seit vielen Jahren ist St. Quirin immer am 3. Oktober Schauplatz eines ganz besonderen Ereignisses - der Tiersegnung. So voll wie heuer war die Wallfahrtskirche zu diesem Anlass noch nie. Weit über 100 Menschen kamen mit ihren vierbeinigen Freunden sehr unterschiedlicher Größenordnungen und Rassen. Und auch zahlreiche Reiter waren da, um nach dem Wortgottesdienst ein bisschen Weihwasser für ihre Pferde zu bekommen.

Pfarrer Winfried Larisch segnet sie alle, vom kleinen Mops "Joschi" bis zur zotteligen Neufundländer-Dame "Xara". Kater "Rudi" schaut andächtig in die Runde, Terrier-Mix "Berry" ist entspannt. Dackeldame "Aika" macht sich's auf dem Arm von Frauchen Irmgard bequem. In einem Körbchen relaxen die 80-jährige "Fenia", die 60-jährige "Coca" und "Pauli", der am 13. August 2013 das Licht der Welt erblickt hat. Die Schildkröten gehören Familie Fuchs aus Klobenreuth, die für ihre gepanzerten Lieblinge und für Stallhäsin "Maja" den Beistand Gottes erbittet.

Vertreter voll Freude

Pfarrer Larisch strahlt, als er beim "Sonnengesang" von Franz von Assisi in die Runde blickt. Der Geistliche aus Wenzenbach ist ein würdiger Vertreter für seinen Amtsbruder Manfred Wundlechner, der die Pilger zur 25. Wallfahrt nach Maria Kulm begleiten und die Tiersegnung schweren Herzens in andere Hände geben musste.

"Ich freue mich sehr, dass Sie alle mit Ihren Begleitern gekommen sind", sagt Larisch. "Eigentlich hätte das Eingangslied etwas länger dauern sollen, aber ich habe die Signale verstanden." In der Tat war es während des lauten Gesangs etwas unruhig geworden in der tierischen Gemeinde. Für die Lesung und die Fürbitten hatte sich Pfarrer Larisch vor dem Gottesdienst Gläubige ausgeguckt, die sich spontan bereiterklärten, vorbereitete Texte zu sprechen.

"Was würden Tiere beten, wenn sie sprechen könnten?", fragt Larisch. Drei Buben - Patrick, Vinzenz und Moritz - formulieren Gedanken einer Schildkröte, eines Eichhörnchens und eines Hasens, die allzu verständliche Daseins-Ängste haben.

"Zu welchem Hund ich nicht näher hingehen soll, das müsst ihr mir halt sagen", bittet der Priester, bevor er durch die Reihen geht und alle mit Weihwasser besprengt. Wer will, darf anschließend zur Einzelsegnung in die Sakristei kommen. Die Kollekte geht an das Tierheim in Weiden.

Nach knapp 40 Minuten ist sie um, die Tiersegnung. Alle gehen nach Hause oder drehen noch eine kleine Gassi-Runde. Und auf einmal ist es wieder ganz ruhig.

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Bildergalerie im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de\\\\tiersegnung-quirin....
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