Interview mit Uli Reber in Island
Island steht kopf

Uli Reber aus Wurz feuert am Montag in Island die Wikinger-Elf an. "Die Jubelbilder sind alle verwackelt", schreibt er entschuldigend dazu. Wen wundert's - bei so einem Spiel. Bild: privat
Vermischtes
Püchersreuth
28.06.2016
1621
0

Island im Fußballrausch: Am Montag schickten die Wikinger England nach Hause. Die Insel wackelt, das Eismeer brodelt. Mittendrin: Uli Reber (56) aus Wurz.

Sie halten sich derzeit in Hólar, einem Kaff im Norden von Island, auf. Warum um Himmels willen?

Uli Reber: Hier läuft momentan das Landsmót, also das Landestreffen, alle zwei Jahre die wichtigste Veranstaltung für Islandpferdereiter weltweit. Als Chef des Lipperthofes in Wurz ist ein Besuch für mich seit vielen Jahren Pflicht.

Wie haben Sie den gestrigen Fußballabend erlebt?

Abend ist gut. Hier ist es ja rund um die Uhr glöckerhell: Die Sonne geht um 24 Uhr unter und um 0 Uhr wieder auf (lacht); außerdem sind wir zwei Stunden früher dran, Anstoß war also um 19 Uhr. Die Veranstalter des Landsmót haben eine große Leinwand in der Reithalle aufgebaut. Die Halle war proppenvoll.

Auf dem Bild, das Sie in der Halle zeigt, tragen Sie aber einen dicken Pullover ...

Hier ist es bei 12 Grad doch recht frisch.

Dennoch dürfte Ihnen im Laufe des Spiels warm geworden sein.

Das war der absolute Wahnsinn! Die Isländer sind total fußballbegeistert. Die haben von der ersten Minute an getobt, und als der Ausgleich und später das 2:1 fiel, waren sie nicht mehr zu halten.

Das heißt?

Jede Balleroberung, jeder Spielzug wurde euphorisch bejubelt, und nach dem Spiel wurde schwer gefeiert.

Obwohl Alkohol ja unglaublich teuer ist.

Das war allen egal.

Wie ist der isländische TV-Kommentator, der ja im Netz bereits Kultstatus besitzt, durch den Abend gekommen?

Der ist wieder total ausgeflippt. Ich habe kein Wort verstanden.

Island ist ein kleines Land. Kennt man da auch die Spieler persönlich?

Ja klar, hier kennt jeder jeden. Die Eltern von Ragnar Sigurðsson, der das 1:0 geschossen hat, sind selbst Pferdehalter.

Und Sigthorsson machte dann das Siegtor. Nomen est omen.

Eigentlich Kolbeinn, denn hier spricht man sich nur mit dem Vornamen an. Auch im Telefonbuch stehen die Leute zuerst mit dem Vornamen. Eigentlich müsste auch auf den Trikots der Vorname stehen. Dann wäre der Gag ganz weg.

Was sagen Ihre Freunde und Bekannten? War's das jetzt mit der EM, oder wird Frankreich auch noch erledigt?

Denen ist alles zuzutrauen. Isländer haben einen unbändigen Siegeswillen und einen extremen Nationalstolz. Die werden sich wieder für ihr Land zerreißen.

Wird das Landsmót zur Nebensache?

Ein wenig schon. Am Montag liefen ja während des Spiels noch Reitwettbewerbe. Die Punktrichter hatten kaum Augen für die Pferde. Sie haben das Spiel per Livestream auf dem I-Phone gekuckt. Und heute gibt es nur eine Frage: "Hast du das Spiel gesehen?"

Die Isländer sind total fußballbegeistert. Die haben von der ersten Minute an getobt.Uli Reber


Isländer haben einen unbändigen Siegeswillen und einen extremen Nationalstolz.Uli Reber
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.