Kilopreis auf niedrigem Niveau
Magere Zeiten für Schweinebauern

Vermischtes
Püchersreuth
06.03.2016
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Seit über einem Jahr verharrt der Kilopreis für Schweinefleisch auf niedrigstem Niveau. Ein Lösungsansatz für das finanzielle Problem der Schweinewirte lässt auf sich warten.

Im Pfaffenreuther Schweinestall von Martin Meiler warten etwa 400 Borstentiere auf ihn. Der gelernte Metzger und Landwirt hat den Betrieb 2002 vom Onkel übernommen. Seitdem wurde ausgebaut, die Schweinezucht aufgestockt und der Bestand verdoppelt. Trotz Nebenerwerb bereiten ihm die niedrigen Preise Sorgen.

Herr Meiler, was bekommen Sie für ihr Schweinefleisch?

Martin Meiler: Für ein Kilo bekomme ich vom Metzger einen Basispreis von 1,26 Euro. Das ist wenig. Es gibt noch preisliche Abstufungen: Wenn das Fleisch magerer ist, gibt es mehr, und wenn das Fleisch fetter ist, gibt es weniger. Aber egal, was ich für das Schwein bekomme, es wird genauso geschlachtet und zerteilt und zum gleichen Preis verkauft. Pro Schwein bleibt da nicht mehr viel übrig.

Welche Kosten kommen auf Sie zu?

Meiler: Meine Schweinezucht ist ein geschlossenes System, das bedeutet die Ferkel werden hier geboren und großgezogen. Bis das Schwein ein Schlachtgewicht von 125 Kilogramm erreicht hat, braucht es ein halbes Jahr. Einen großen Anteil der Ausgaben nehmen die Futtermittel ein. Dazu kommen fixe Kosten für den Stall, wie Energie, Wasser und Versicherungen.

Ist die Schweinezucht zu solchen Konditionen noch rentabel für Familienbetriebe wie Ihren?

Meiler: Ich halte die Schweine als Nebenerwerb und bin hauptberuflich Metzger. Dadurch hält sich meine Landwirtschaft hoch. Wirklich rentabel ist das nicht. Ich muss an vielen Stellschrauben drehen: Wie kann ich Mineralfutter einsparen, das Sojafutter günstig kaufen oder Getreide? Die Fruchtbarkeit des Mutterschweins spielt eine Rolle, damit es möglichst viele Ferkel gebärt. Das wird beobachtet, damit ich die Effizienz des Betriebs verbessern kann. Aber kleine Betriebe haben da wenig Möglichkeiten. In Bayern gibt es sehr viele Familienbetriebe, in Norddeutschland konzentriert man sich eher auf die Schweinemast. Die großen Betriebe können etwas kostengünstiger arbeiten, weil sie durch die Masse eine bessere Auslastung haben.

Woran liegt es, dass der Preis für Schweinefleisch schon seit etwa einem Jahr stagniert?

Meiler: Es sind viele verschiedene Faktoren. Ein Grund sind unsere Nachbarländer. Viele Ferkel kommen aus Dänemark und Holland, und die Spanier stocken unheimlich mit Mastschweinen auf. Dort geht es um die Masse, nicht ums Tier. Auch die Richtlinien sind weniger streng und ausgeprägt als in Deutschland. Somit kann Schweinefleisch im Ausland günstiger produziert und billiger weiterverkauft werden. Ein weiterer Faktor sind die großen Schlachtereien und Discounter, die den Preis diktieren.

Wie kommt das?

Meiler: Alle wollen Geld einstreichen. Ich denke 10 Cent mehr pro Kilo Fleisch würde der Verbraucher auch zahlen. Wichtig dabei ist nur, dass diese 10 Cent beim Bauern ankommen. Das Geld stecken aber die Discounter und Zwischenhändler ein. Das schmerzt den Schweinebauern. Und irgendwann heißt es: "Wachse oder weiche!"

Was sind die Konsequenzen?

Meiler: Durch den niedrigen Preis ist es für kleine Höfe nicht mehr rentabel. Gerade Betriebe, die von der Schweinemast leben, bemerken den niedrigen Schweinepreis gewaltig. Auf günstigeres Futtermittel umzusteigen, wäre auch Unsinn. Dann wachsen meine Ferkel nicht richtig oder langsamer, was dem Betrieb auch schaden würde. Ausweichmöglichkeiten wie Bio gibt es kaum, weil diese Marktnischen ebenfalls überfüllt sind.

An was müssen Sie sparen?

Meiler: Ich würde gerne in meinen Betrieb investieren: in ein neues Beheizungssystem für den Ferkelstand oder in neue Belüftungssysteme. Das sind zunächst Ausgaben, die sich erst mit der Zeit als profitabel erweisen. Aber das geht nicht. Es ist nicht Sinn und Zweck der Landwirtschaft, an solchen Investitionen zu sparen. Und trotzdem herrscht eine Übersättigung von Schweinefleisch am Markt. Warum? Weil das Fleisch aus den Nachbarländern kommt.

Welche Lösungsansätze gibt es für diesen Tiefstpreis?

Meiler: Hierzulande sind die Standarts der Schweinehaltung und dadurch auch die Qualität des Fleisches hochwertig. Das Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten startet derzeit in ganz Bayern die Kampagne für das "GQ" (Geprüfte Qualität). Das GQ ist ein Stempel in Form der Bayernrauten. Fleisch mit diesem Siegel bedeutet, dass das Ferkel in Bayern geboren und aufgewachsen ist. Für dieses Fleisch bekommt der Erzeuger zwei Cent mehr. Das ist ein kleiner Lichtblick. In Deutschland könnte sich der Markt selbst regulieren, wenn alle Deutschen nur noch im eigenen Land produziertes Schweinefleisch kaufen würden. Der Verbraucher muss sich bewusst sein, was er kauft.

Wie sehen Sie die Zukunft?

Meiler: Wir Schweinebauern sind durch den sogenannten Schweinezyklus auf ein Auf und Ab beim Preis eingestellt. Je nach Angebot und Nachfrage bekommt der Erzeuger für sein Schwein weniger oder mehr. Nur diese Ebbe dauert schon über ein Jahr an und will sich nicht recht erholen. Man muss damit rechnen, dass der Preis für Schweinefleisch erst mal niedrig bleibt. Ich fände es gut, wenn man das GQ-Siegel auf ganz Deutschland ausweiten würde. Momentan gibt es das nur in Bayern. Ich hab' sehr viel Spaß an meiner Landwirtschaft. Es ist schön, wenn man die Ferkel munter aufwachsen sieht und die Schweine betreut und begleitet.
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