Störnsteiner Schlossbergtheater
Happy End dank Fleischsalat

Vermischtes
Püchersreuth
14.02.2016
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Man nehme Fleischwurst in Streifen geschnitten, Gewürzgurken, Mayonnaise, Salz und Pfeffer und fertig ist Gretls Fleischsalat. Dieser wurde nicht nur als Rezept auf den Eintrittskarten der Premierengäste abgedruckt, sondern auch in deftiger und humorvoller Theaterkost auf der Bühne von den Laiendarstellern des Störnsteiner Schlossbergtheaters serviert.

Wurz. Am Freitag öffnete sich für die acht Darsteller der Vorhang bereits im 25. Bühnenjahr. Am Ende des Dreiakters "D'Tante mag koan Fleischsalat" aus der Feder von Toni Lauerer waren sich wohl alle einig: Es war eine gelungene Premiere mit einem Stück, das nicht von turbulenten Szenen oder Handlungen lebte, sondern vom Wortwitz und trockenen Humor des Autors sowie den Interpretationen der Darsteller mit einer umwerfenden Ulla Kick in der Hauptrolle der Tante Gretl.

Gretl, zwar getrennt lebend von ihren Zähnen, aß leidenschaftlich gerne, vor allem Fleischsalat. In der Obhut ihrer resoluten Schwägerin Helma (Andrea Holweg) fehlte es ihr an nichts, aber mit 76 Jahren blickte sie, deren TÜV schon abgelaufen ist, auf ihr "aschichtiges" (einsames) Leben als ungeöffnete Jungfrau zurück. In ihr wuchs der Wunsch auf Pseudo-Enkel, für die ihr Neffe Basti (Benjamin Nastvogel) sorgen sollte.

Humorvolle Traueranzeige


Der hatte mit Sabine (Anita Nastvogel), der Stieftochter seines Onkels und Nachbarn Alois (Josef Schieder), die Richtige für dieses Vorhaben im Auge. Die Sache hatte nur einen Haken: Seine und die Familie des Onkels waren verfeindet. Und das seit 26 Jahren. Der Grund dafür war eine humorvolle Traueranzeige, die Alois damals einen Tag vor der Hochzeit seiner Schwester Helma mit Erich (Erich Nickl) widmete. "Freunde sind Geschmacksache, Geschwister Schicksal" hieß das Lebensmotto in ihrem weiteren Leben.

Um die Schwägerin milde zu stimmen, ersann Tante Gretl eine List: Die Tante spielte plötzlich die psychisch und physisch Kranke, machte auf Appetitlosigkeit und täuschte ihr nahes Ende vor. Ihr Trauma: Basti sollte nicht "plattert, wampert und aschichtig" (ohne Haupthaar, füllig und einsam) enden. Heimlich wurde sie dabei jedoch von ihren Helfern mit Fleischsalat versorgt, der ihr nach dreitägiger Komödie jedoch eine gewisse Übelkeit bereitete. Zu Hilfe kam bei der Finte noch Dr. Meiler (Rudi Förster). Und als die Tante zu kollabieren drohte, löste sich aller Familientwist in Wohlgefallen auf, und es kam zum großen Happy End über das sich auch die Dorftratsche Rosa (Elisabeth Nasz) freute.

Professionelle Gretl


Gewohnt routiniert und mit großem Engagement gaben die acht Laiendarsteller unter der Regie von Herbert Mittelmeier (als Souffleur wirkte wieder Markus Schubert) auf der Bühne ihr Bestes. Dafür gab es vom Publikum immer wieder Szenenapplaus, den sich alle und im Besonderen die Hauptprotagonisten Ulla Kick, Andrea Holweg, Erich Nickl und Benjamin Nastvogel verdient hatten. Die Verkörperung der Gretl war professionell, was Textsicherheit, Mimik und Ausdruck anbelangte.

Das Stück wird noch weitere elf Mal aufgeführt. Alle Vorstellungen sind ausverkauft. Am Ende werden rund 1300 Besucher ihre helle Freude am Lustspiel um den Fleischsalat gehabt haben.

Anekdoten aus 25 Jahren SchlossbergtheaterVor 25 Jahren begann das Schlossbergtheater in Störnstein, und vor drei Jahren fand es im Wurzer Gemeindesaal eine neue Heimat. Darüber freute sich Bürgermeister Rudolf Schopper, der vor 35 Jahren als 14-Jähriger selbst auf der Bühne ältere Frauen küssen sollte. Er zeigte sich stolz, dass die Gruppe zur Gemeindehausfamilie zählt. Ihre Handschrift sei mittlerweile auch in der Saalausstattung zu merken.

Ein Buch könnte Herbert Mittelmeier über Vorkommnisse und Missgeschicke in 25 Jahren vor und hinter der Bühne schreiben. So schlief einmal ein Darsteller in seinem Auto ein und verpasste den Beginn der Vorstellung. Mit halbstündiger Verspätung musste diese beginnen, und Erich Nickl war darauf eingestellt, dass der Part des Abwesenden entfällt, als dieser plötzlich doch noch auf der Bühne auftauchte und tat, als sei nichts geschehen.

Ein anderes Mal schlief eine Darstellerin in ihrer Pause hinter dem Rücken ihres Mannes, der als Souffleur wirkte, ein. Als ihr Einsatz kam, weckte er sie auf und sie stolperte verschlafen und mit wirrem Haar auf die Bühne. "Da gab es Tränen", verriet Mittelmeier. Beim "Weißblauen Himmelbett" fiel das Liebespaar gemeinsam in selbiges. Beim Fallen verletzte sie ihren Schatz unbeabsichtigt an dessen empfindlichster Stelle, so dass diesem die Luft weg blieb. (prh)
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