Streit um Vergrämungsanlage auf dem Plattenweiher
Auf dem Weiher knallt es

Betrachtet man dieses Bild, hört man vielleicht Bäume rauschen und Vögel zwitschern. Die Idylle am Plattenweiher ist im Frühjahr und Herbst allerdings trügerisch. Ein Schießanlage verscheucht Kormorane. Das finden längst nicht alle gut. Bild: tok
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Püchersreuth
09.08.2016
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Der Plattenweiher ist ein kleines Gewässer zwischen Wäldern und Wiesen bei Püchersreuth. Auf dem Gewässer offenbart sich ein Grundsatzkonflikt zwischen Teichwirten und Jägern. Denn dort steht eine Vergrämungsanlage für Kormorane.

Eppenreuth. Der kleine See zwischen Wurmsgefäll, Rotzendorf und Eppenreuth nahe der B 15 ist ein beliebtes Ausflugsziel. Um den Weiher führt ein Rundwanderweg. Im Herbst werden von dort wieder in unregelmäßigen Abständen Schüsse zu hören sein. Jedoch ohne, dass ein Jäger unterwegs ist.

"Das ist einfach eine Gasdruckflasche, die knallt. Davon geht keine Gefahr aus", beruhigt die Pressesprecherin des Bezirks Oberpfalz Martina Hirmer. Der Weiher gehört zum Teichwirtschaftlichen Beispielbetrieb Wöllershof. Dort können Teichwirte praktische Methoden zur Bewirtschaftung ihrer Gewässer kennenlernen. Die Vergrämungsanlage soll Fischräuber vertreiben, die nach Aussage Hirmers in den letzten Jahren "brutalst" zugenommen haben: Kormorane.

Im Frühjahr und Herbst überqueren sie die Oberpfalz auf ihrem Weg zwischen Sommer- und Winterquartier. In dieser Zeit ist die Vergrämungsanlage zweimal im Jahr etwa vier Wochen in Betrieb. Denn auf ihrer langen Reisen benötigen die schwer gebauten, bis zu ein Meter langen Wasservögel reichlich Nahrung.

Ein Schwarm kann den Bestand eines ganzen Weihers in kürzester Zeit leerfischen. "Vor 20 Jahren war das noch kein Problem", erzählt Hirmer. Doch der Vogel hat sich bereits an den Klimawandel angepasst. Teiche frieren nicht mehr zu. Deshalb besteht die Gefahr, dass der Kormoran heimisch wird. Die Tiere sind Kulturfolger. Hirmer: "Sie gehen da hin, wo es was zu fressen gibt. Sie suchen sich schnell neue Reviere und passen sich sehr gut an."

Teure Gefräßigkeit


Die Vergrämungsanlage verjagt die Kormorane erfolgreich - doch zum Ärger der Jäger auch alle anderen Wildtiere. Hans Leipold aus Rotzendorf ist Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Eppenreuth. Dem Verein gehört der Jagdgrund um den Plattenweiher. "Wir wurden nicht gefragt, als sie die Anlage aufgestellt haben", stellt Leipold fest. Die Pächter des umliegenden Grundes beschwerten sich, dass die Anlage das Wild verscheucht. "Außerdem verschrecken die Schüsse auch die vielen Leute, die dort spazieren gehen."

Der Vorsitzende fragte beim Landratsamt an. "Da kann man nichts machen", ist sein Resumee. Gegen das Emmissionsschutzgesetz verstoße die Anlage aus Lärmschutzgründen nicht. Derzeit ist sie nicht aufgestellt, doch im September oder Oktober wird es wieder so weit sein. "Man muss Prioritäten setzen", argumentiert Hans Bergler, Leiter des Teichwirtschaftlichen Beispielsbetriebs in Wöllershof, der den Plattenweiher nutzt. Für ihn ist klar, was wichtiger ist. Die Kormorane hätten schon Fisch im Wert von bis zu 30 000 Euro aus den Teichen herausgefressen. "Die Vögel veröden eine Kulturlandschaft, die die mittlere und nördliche Oberpfalz ausmacht."

Rehe gewöhnen sich daran


Schon viele Teichwirte hätten deshalb aufgegeben. Er kann die Beschwerden nicht verstehen. "Die Jäger sind dafür verantwortlich, das gesamte Gleichgewicht der Natur zu erhalten." Die Kormorane jedoch zerstörten dieses Gleichgewicht. Außerdem werde die Anlage abgestellt, wenn die Dämmerung einsetzt und die Rehe aktiv sind. "Die Wildtiere stehen allzu oft auf Feldern direkt neben einer stark befahrenen Straße. Sie gewöhnen sich an die Schüsse der Anlage, genauso wie sie sich auch an den Autolärm gewöhnt haben", fügt Pressesprecherin Hirmer hinzu.
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