Estl gegen den Energieriesen

Die Pullenreutherin Maria Estl (Zweite von links) mit dem Trassengegner Matthias Grobleben von der Bürgerinitiative Altdorf/Burgthann (links) und den "Kritischen Aktionären" vor der RWE-Hauptversammlung. Bild: privat
Archiv
Pullenreuth
08.05.2015
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Nicht, dass der Riese beeindruckt gewesen wäre. Dennoch: Für Maria Estl, Mitglied im Aktionsbündnis der Trassengegner gegen die Gleichstrompassage Süd-Ost, war es ein beeindruckendes Erlebnis: Die Pullenreutherin wollte den RWE-Aktionären den Kopf waschen. Die aber stünden mehr auf "Greenwashing".

Das Vertrauen vieler Bürger in die Politik hält sich in Grenzen. Zwar mimen Ministerpräsident Horst Seehofer und Finanzminister Markus Söder die Vorkämpfer gegen die geplanten Stromtrassen im Freistaat. Doch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und die Bundesnetzagentur geben sich siegessicher: "Die Trassen kommen." Das Aktionsbündnis der Trassengegner möchte nicht abwarten, wer sich durchsetzt. Maria Estl aus Pullenreuth (Kreis Tirschenreuth) und ihr Mitkämpfer Matthias Grobleben von der Bürgerinitiative Altdorf-Burgthann setzen auf die Kraft der eigenen Argumente - und die trugen sie bei einer RWE-Hauptversammlung vor. "Ich durfte auf Einladung des Dachverbands der 'Kritischen Aktionäre' sprechen", sagt Estl. "Nervös war ich schon." Davon ließ sich aber die Oberpfälzerin nicht bremsen. Den Vorstand konfrontierte sie mit diesen Thesen:

RWE, so Estl, betreibe mit immensem Aufwand "Greenwashing" und Imagepflege für das Auslaufmodell Braunkohle, mit dem immer weniger Geld verdient wird.

RWE unterstütze Institute, die den Zweck verfolgen, Politik und Öffentlichkeit von der Wirtschaftlichkeit der Kohleverstromung zu überzeugen - wie das Energiewirtschaftliche Institut Köln (EWI).

RWE sei über Matthias Hartung, Vorstandsvorsitzender der RWE Generation SE und RWE Power AG, im Deutschen Braunkohle-Industrie-Vereins (DEBRIV) vertreten.

Amprion stelle den Bedarf der Gleichstrompassage Süd-Ost fest und baue sie auch noch selbst: Der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Amprion, der die Trasse bauen soll, befinde sich noch zu 25,1 Prozent in RWE-Besitz.

Über diese Trasse werde ganz überwiegend Braunkohlestrom aus der Lausitz und aus Sachsen-Anhalt transportiert, denn vom Start bei Wolmirstedt seien diese Anlagen hervorragend mit vorhandener Infrastruktur zu erreichen.

Die EU plane mit ihrer geplanten Energie-Union und dem Bekenntnis zur Atomtechnologie ein europaweites Netz. Wenn Güstrow an der Ostsee an die Trasse angebunden und das Tiefseekabel verlegt sei, werde auch Atomstrom aus Skandinavien, Russland oder England fließen.

Von wegen krisenfeste Jobs

Besonders ärgerlich findet Estl die Anti-Energiewende-Koalition aus Stromkonzernen und der Gewerkschaft IG BCE: "Man organisiert gemeinsam Proteste und gaukelt der Jugend vor, für krisenfeste Jobs zu kämpfen." Eine "Instrumentalisierung der Auszubildenden" nennt sie die von der RWE spendierte Freifahrt zur Kundgebung am 25. April in Berlin. "Das ist doch eine Verarsche", ärgert sich die Pullenreutherin, "alle ernstzunehmenden Wissenschaftler sagen, dass die konventionellen Energieträger inklusive der Atomenergie immer teuerer werden - und trotzdem tut man so, als ob das die Zukunft wäre."

Standbein Netzausbau

Apropos Zukunft: Auffällig sei, wie penetrant Politik und Konzerne behaupteten, die Trassen seien für die Erneuerbaren unverzichtbar, weil sie Strom von den Offshore-Windanlagen in den Süden transportierten. Estl und ihre Verbündeten halten dagegen die Trassenplanung für den letzten großen Angriff auf die Energiewende: "Wenn das so kommt, bekommen wir teuren Atom- und Kohlestrom aus ganz Europa, und keiner wird mehr in die Speichertechnologie investieren."

Eine Antwort hat die Oberpfälzerin von RWE auch bekommen: "Die Kohle sei ein sicherer, heimischer, bezahlbarer Energieträger hat Ralf Martin Schmitz, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, gesagt", schildert Estl die Reaktionen. Und: "Der Netzausbau ist unerlässlich." Interessant sei dabei vor allem das Argument, für wen: "Der Netzausbau ist eines unserer Standbeine."
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