Motorsägenkurs für Frauen
An die Motorsäge, fertig, los

Mutig greift Frau zur Motorsäge und legt selbst Hand an.
Freizeit
Pullenreuth
15.10.2016
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Die Brotzeit in der Mittagspause können sich die Kursteilnehmerinnen schon auf den ersten selbst gefällten Bäumen schmecken lassen.

Der Geruch von frisch gesägtem Holz liegt in der Luft, die herbstlich kühl und klar ist. Der Ruf "Achtung" tönt durch die Ruhe, Motorsägengeheul, ein Rauschen. Dann der dumpfe Aufprall eines abgesägten Baumes auf dem Waldboden, Stille.

Lochau. Eine alltägliche Geschichte in den Wäldern rund um den Steinwald, ob bei Privatwaldbesitzern oder im Staatsforst. Und doch geht es hier im "Dobner-Wald" nahe Riglasreuth nicht ganz alltäglich zu.

Der Bayerische Bauernverband hatte zum Motorsägenkurs für Frauen eingeladen. Ortsbäuerin Anni König aus Neuweiher organisierte den Kurs. Sieben Frauen haben sich angemeldet und sich beherzt dem Thema gestellt. Doch warum greifen Frauen zur Motorsäge? Um selbstständig und unabhängig zu sein. "Da sind drei Männer mit Motorsägenkurs auf dem Hof und wenn du als Frau jemanden brauchst, der etwas absägt, haben sie keine Zeit", erklärt eine Teilnehmerin. Die Frauen möchten ein Verständnis für die Maschine und die Technik bekommen, sowie die Angst vor dem Umgang mit der Motorsäge verlieren.

Die Gruppe arbeitete sich einen ganzen Tag durch die Theorie. Im Feuerwehrhaus in Lochau erläuterte Bernhard Zintl, Sicherheitsberater der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft, die Arbeitssicherheit. Er legte großen Wert auf Unfall-Vermeidung und verdeutlichte die Gefahren des Baumfällen. Forstwirtschaftsmeister Ernst Müller vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Amberg referierte über Motorsägenkunde, Pflege der Arbeitsmaschine sowie über Fäll- und Schneidetechniken. "Frauen bleiben besser auf der Linie, und nehmen das Gelernte gut an, bleiben dabei", lobt der Kursleiter.

Ab in den Forst


Im Wald angekommen, muss die Frauengruppe das theoretische Wissen umzusetzen. "Da kann ich selber einen Baum wegsägen, der stört", sagt eine junge Frau. Der Kursleiter erläutert geduldig und humorvoll Müller die sachlichen Inhalte. "Wenn das Vater oder Ehemann machen, heißt es: Das musst du doch wissen", erklärt eine Teilnehmerin. Im eigenen Wald waren alle schon bei Fällarbeite dabei.

Ausgerüstet mit Helm, Gehör- und Gesichtsschutz greifen sie mutig zur Motorsäge und lassen sie an. Sie bestimmen mit Müller die Fallrichtung, begutachten den Baum von der Wurzel bis zum Wipfel. Danach sägen sie Rückweiche und Arbeitsumfeld frei und beschneiden die Wurzelanläufe. Derweil diskutieren die anderen mit Sicherheitsabstand die Lage, Schneidetechniken, Umkeilen oder Ausasten. Der Forstexperte achtet besonders auf ein sauberes Arbeitsumfeld.

Nicht zimperlich


Fröhlich geht es zu bei den Damen, aber auch zielgerichtet und wenig zimperlich. Sie spenden Applaus, wenn eine Teilnehmerin "ihren" Baum fachgerecht gefällt hat. Die Kursteilnehmerinnen schlagen sich durch die am gefällten Baum hochstehenden Äste und entfernen diese. Das Gelände ist abschüssig, hochgewachsenes Heidelbeerkraut, tief hängende Äste stehender Bäume erschweren den Zugang. Genau beschreibt Müller, wie man die Hölzer absägt, die Spannung jedes einzelnen Astes im Blick.

Positive Resonanz


"Ich weiß jetzt besser, wie ich mit anpacken kann", so eine Teilnehmerin. Die Frauengruppe versteht nun besser, warum ein zu fällender Baum in eine bestimmte Richtung fällt. Sie haben die "Baumansprache" gelernt. Ob nun Fichte, Kiefer oder Buche, jeder Baum hat seine Eigenart und verlangt besondere Überlegungen.

Voll des Lobes sind die Frauen über den Forstwirtschaftsmeister als Kursleiter, der auch die wirtschaftlichen Aspekte der Holzarbeit erklärt - von Vermessung und Rauminhalt bis zum Verkauf des Baums an Sägewerke. Ortsbäuerin Anni König dankte Müller mit einem Präsent für seine geduldige Arbeit.
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