Friseurin Ute Hochmuth bietet in Pullenreuth Haarschnitte im Wirtshaus an
"A Halbe und an Hoarschnitt, bitte"

Die Kunden von Ute Hochmuth schätzen vor allem die angenehme, lockere Atmosphäre, wenn sie sich im Wirtshaus die Haare schneiden lassen. Bilder: spi/juh
Kultur
Pullenreuth
01.06.2015
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Wirt Karl Maschauer freut sich über seine Gäste, die bei ihm nicht nur einen gepflegten Haarschnitt bekommen, sondern auch noch ein kühles Bier.

So wünschen sich Männer ihren Friseurbesuch: Seit knapp einem halben Jahr holt Friseurin Ute Hochmuth die Pullenreuther Männerwelt da ab, wo sie am liebsten ist - im Wirtshaus.

(spi/juh) Behutsam hält Karl Maschauer das Weizenglas unter den Zapfhahn. Die Männer in der Wirtsstub'n lachen und prosten sich zu. Aus dem Nebenraum dringt das dumpfe Summen eines Rasierers. Schwarze Locken fallen zu Boden. Eigentlich sieht ein Besuch beim Friseur so aus: Man macht einen Termin und wartet vielleicht sogar zwei Wochen darauf. Im Friseursalon riecht es nach Haarspray, Tönungen und Haarkur-Mitteln. Durch den Raum dröhnt das monotone Brummen eines Föhns. Das Geräusch vermischt sich mit dem Rascheln der Zeitschriften, mit denen sich die Kunden die Wartezeit verkürzen. In Pullenreuth sieht der Besuch beim Friseur anders aus.

Idee wurde beim Stammtisch entwickelt

Ausgerüstet mit Frisierkoffer, Spiegel, Schere, Pinsel und Rasierer kommt Ute Hochmuth alle sieben bis acht Wochen ins Wirtshaus von Karl Maschauer, um den Gästen die Haare zu schneiden. "Die Idee ist bei einem Stammtischabend entstanden. Früher, in den 1960er Jahren war es üblich, sich im Wirtshaus die Haare schneiden zu lassen. Da haben wir gedacht, wir könnten das auch heute ausprobieren", sagte Maschauer. Zuerst sei es nur eine Idee gewesen, er habe den Gedanken eine Zeit vor sich hergeschoben. Ein Anruf beim Landratsamt genügte schließlich, um den Nebenraum im Wirtshaus kurzzeitig in einen Friseursalon zu verwandeln. "Es mussten einige Lebensmittelhygiene-Richtlinien erfüllt sein. Natürlich sollen die Haare nicht in der Küche geschnitten werden", erklärte der Wirt.

"Es ist ein schönes Arbeiten"

Für die 31-jährige Ute Hochmuth, selbstständige Friseurin seit 2009, war das Konzept "Wirtshaus und Friseur" vollkommen neu. "Es ist ein schönes Arbeiten in einer lockeren Atmosphäre. Beim ersten Mal, vor gut einem halben Jahr, waren zirka zehn Gäste da. Es sind hauptsächlich Männer. Beim letzten Mal war aber auch schon eine Frau dabei", sagte sie stolz. Das Angebot hat sich schnell rumgesprochen - die Kundenzahl wachse schneller als Kopfhaar. "Es kommen auch junge Leute zu mir. Der Jüngste ist 22, der Älteste 82", erklärte Hochmuth. Ein Stammkunde ist Sepp Maschauer, Bruder des Wirts. "Bis auf einmal war ich immer dabei. Das Schöne ist, dass man in der Wartezeit eins zwitschern kann. Wenn man länger warten muss, dann trinkt man auch mal zwei", witzelte Sepp Maschauer mit einem Augenzwinkern. "Normalerweise braucht man einen Termin, dann kommt vielleicht etwas mit der Arbeit dazwischen und man muss absagen. Hier gehe ich hin, trink was und habe danach auch noch schöne Haare", erklärte er. Hochmuth nimmt ihm den schwarzen Friseur-Umhang ab - ein kühles Bier steht schon bereit.

Vor allem Ältere dankbar für das Wirtshaus-Konzept

Für die Pullenreuther, besonders für die Älteren, kommt das Konzept gelegen, da es im Ort keinen Friseursalon gibt. Und sie finden noch einen Vorteil: Es sei eine gute Möglichkeit, ins Wirtshaus zu gehen, ohne, dass die Frau böse ist - schließlich geht es ja um die Körperpflege. Die Zeit überbrücken die Männer mit Schafkopf und Männergesprächen. Undercut, lange oder kurze Koteletten - Frisuren und die neuesten Mode-Trends spielen dabei keine Rolle. Ute Hochmuth saugt die schwarzen Locken vom Boden und ruft den Nächsten zu sich, der auf dem höhenverstellbaren Stuhl Platz nimmt. Der Wirt steht am Zapfhahn und befüllt ein Glas nach dem anderen, der Abend ist noch jung.
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