"Ein Teil unserer Identität"

Adalbert Busl erklärt die Arbeiten am Handschleiftisch, die sehr kraftaufwändig sind. Beeindruckt zeigte sich auch Norbert Reger (rechts). Bild: gis
Lokales
Pullenreuth
29.07.2015
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Zu den Sternstunden der Gesellschaft Steinwaldia gesellte sich am Sonntag - vor allem dank ihres Vorsitzenden Norbert Reger, Mitgliedern und Unterstützern - eine weitere hinzu: Die Einweihung der neuen "erlebbaren Glasschleif" - eine Einrichtung mit überregionaler Bedeutung.

Bevor Reger die Prominenz begrüßte, dankte er den vielen freiwilligen Helfern, die in unzähligen Arbeitsstunden Großartiges möglich machten. "Die Einweihung ist die konsequente Folge unseres Projekts Glasschleif von 2010 bis 2012", erklärte der Vorsitzende.

"Die Grundidee war, den Besuchern den Vorgang des Glasschleifens und -polierens zu zeigen." Immer wieder sei nach der Vorgehensweise des alten Handwerks gefragt worden. Die Antwort gibt nun die "Erlebbare Glasschleif", zu der es dank der Forschungen von Heimatforscher Adalbert Busl eine Dokumentation der "Glasschleifgeschichte der Oberpfalz" gibt. Zudem hat sich Konrad Zrenner aus Mitterteich an der Regensburger Uni diesem Thema in seiner Masterarbeit gewidmet.

"Wir bauen immer mit eigenen Ideen, mit eigenem Geld, mit eigener Arbeitsleistung und vergleichsweise niedrigen Zuschüssen", informierte Reger. Und auch künftig liege die Unterhaltung bei der "Steinwaldia", die damit Aufgaben der Kommunen, des Naturparks und des Landkreises übernehme.

Tourismus voranbringen

"Ihr erledigt die Heimat- und Kulturpflege und strotzt, allen voran euer Vorsitzender, immer vor neuen Ideen", würdigte Bürgermeister Hubert Kraus. Für Landrat Wolfgang Lippert ist es wichtig, Denkmäler zu erhalten. "Das hier ist euch in wunderbarer Weise gelungen" lobte er die Gesellschaft. Er sei überzeugt, dass die "Erlebbare Glasschleif" den Tourismus im Landkreis voranbringen werde. Huberta Bock vom Amt für Ländliche Entwicklung versprach, bei weiteren Projekten zu helfen. Busl blickte auf die Historie der Schleif- und Polierwerke in der Oberpfalz, bevor er die Gäste einlud, im neuen Museum die Vergangenheit praktisch und theoretisch zu erkunden: 19 Tafeln in Glasdruck-Ausführung erzählen ein Stück beeindruckender Heimatgeschichte. Auf dem Handschleiftisch konnten die Besucher das Schleifen probieren.

Frauen schleiften nach

Dabei erlebten sie, wie kraftaufwändig diese Arbeit ist. Auch das Polieren ist keine leichte Angelegenheit: Verschmierte Gesichter und verschmutzte Kleidung sind bei dieser Arbeit keine Seltenheit. "Doucieren" (nachschleifen) erledigten die Frauen früher in Heimarbeit. Vermutlich wurde die ganze Familie mit eingespannt, informierte Busl.

Der Einweihung beim vierten Glasschleiffest war ein feierlicher Gottesdienst im voll besetzten Festzelt vorausgegangen, zelebriert von Ortspfarrer Dr. Josef Waleszczuk und Diakon Franz Lautenbacher. Der Gesangverein Pullenreuth und "Bergstolz Lochau" unter der Leitung von Alexander Hecht gestalteten die Messe musikalisch. Die Sänger hatten stimmungsvoll die "Stawoldmeß" aufgeführt.

Sie erinnerte an ihren vor zehn Jahren gestorbenen Komponisten, Heimatdichter und Ehrenbürger Wolfgang Kraus. Pfarrer Josef nannte diese Heimatgeschichte einen "Teil unserer Identität", glücklich darüber, dass das Projekt realisiert wurde. Er gedachte all der Menschen, die hier mit harter Arbeit ihr Brot verdienten. Arbeit heiße aber auch, Brot zu haben, sagte er und bat um ein Gedenken an alle, die hungern nach Brot, aber auch nach Gerechtigkeit, Heimat, nach einer besseren Zukunft.

Den Frühschoppen begleiteten die Steinwaldmusikanten. Am Nachmittag spielten die "Tirschenreither samma" auf. Und der Tisch war wie immer reich gedeckt.
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