"Es ist gut, jemanden zu haben"

Lokales
Pullenreuth
21.05.2015
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Viele Eltern kennen diese Probleme: Zweifel an der eigenen Erziehung, schlaflose Nächte bei "Schreikindern" und Schwierigkeiten bei Behördengängen. Johanna Reger ist neue Familienbeauftragte der Gemeinde Pullenreuth. Die 34-Jährige steht Familien bei Fragen und Sorgen zur Seite.

(lpp/juh) "Kinder sind wunderbar und hin und wieder auch ganz schön anstrengend. Dass man sich manchmal unsicher fühlt und viele Fragen hat, ist ganz normal", betont Johanna Reger, Familienbeauftragte der Gemeinde Pullenreuth. Vor einem Monat nahm die 34-Jährige die ehrenamtliche Stelle an.

Die Grundschullehrerin, die selbst zwei Kinder im Alter von fünf und sechs Jahren hat, wurde von Bürgermeister Hubert Kraus angesprochen, ob sie als Familienbeauftragte arbeiten wolle. "Für mich gab es da nichts zu überlegen. Da ich selbst zwei Kinder habe, weiß ich, welche Gedanken man sich manchmal als Eltern macht. Ich kann mich in die Sorgen hineinversetzen und so helfen", erklärt Reger. Ihre Motivation, sich für andere Familien zu engagieren, zieht die 34-Jährige auch aus einer eigenen Erfahrung, die sie im Jahr 2008 gemacht hat.

Drei Wochen vor der Geburt ihres Sohnes zog Reger aus dem 320 Kilometer entfernten Rosenheim nach Pullenreuth. "In dieser Situation war es nicht leicht, schnell Informationen darüber zu bekommen, wo ein guter Kinderarzt ist oder wo es Kinderkrippen gibt. Ich kannte einfach niemanden", resümiert sie. Ein Familienberater als Ansprechpartner wäre für sie hilfreich gewesen. Es sei gut, jemanden zu haben, an den man sich bei Fragen wenden könne.

Auch ihre Arbeit als Grundschullehrerin bestärkte sie in dem Beschluss, ehrenamtlich für die Gemeinde tätig zu sein. Als Lehrerin sehe man oft Familien, bei denen es gut gewesen wäre, wenn sie früher Hilfe in Anspruch genommen hätten. "Viele haben Angst, dass ihnen die Kinder weggenommen werden, wenn sie sich an uns wenden. Das ist nicht der Fall. Wir wollen helfen, damit aus Problemchen keine Probleme werden."

Der Tätigkeitsbereich der Familienbeauftragten ist breit gefächert: "Meine Hauptaufgabe ist die Vermittlung von betroffenen Eltern zur unabhängigen Beratungsstelle ,Koki'", erklärt Reger. Zudem ist sie Ansprechpartnerin vor Ort bei Fragen rund um die Kindererziehung, bei der Suche nach Entlastungsmöglichkeiten wie der Organisation eines Babysitters, bei der Suche nach Ärzten, Hebammen und Beratungsstellen und sie hilft bei Fragen zum Thema Eltern- und Erziehungsgeld. Auch bei finanziellen Problemen, Schrei-Babys, Nachfragen bezüglich der Pflege und Ernährung des Kindes und der Haushaltsführung, helfen Johanna Reger und "Koki" weiter. "Ich selbst bin aber keine Beraterin, ich bin dafür da, möglichst schnell zu vermitteln", betont sie.

Bislang habe sie noch keinen Anruf von betroffenen Eltern erhalten. Allerdings war ihr Antrittsbesuch bei Familien mit Kindern, die letztes Jahr geboren wurden, ein voller Erfolg. "Bürgermeister Kraus und ich haben uns einen Nachmittag Zeit genommen, um den Familien Päckchen mit selbst gestrickten Söckchen und Bauchwehkissen zu geben." Der Besuch diente auch dafür, sich als Familienberaterin vorzustellen und Hemmungen abzubauen. "Die Reaktionen waren durchgehend positiv", freute sich Reger.
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