Gesellschaft Steinwaldia veranstaltet heimatkundliche Familienwanderung mit umfangreichem ...
"Die Kraft kommt aus dem Fluss"

Die Gesellschaft Steinwaldia veranstaltete ihre jährlich stattfindende, heimatkundliche Familienwanderung. Rund 60 Personen nahmen trotz anhaltenden Niesel-Regens an der etwa acht Kilometer langen Wanderung teil. Bild: lpp
Lokales
Pullenreuth
08.05.2015
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Die Gesellschaft Steinwaldia erkundet jährlich im Rahmen ihrer heimatkundlichen Familienwanderung einen besonders reizvollen Streckenabschnitt rund um den Steinwald. Bei Nieselregen startete die fast 60 Personen starke Truppe in diesem Jahr unter der Führung von Vorsitzenden Norbert Reger in Trautenberg beim ehemaligen Tanzcafé.

Bei der nahe liegenden, aufgelassenen Glasschleife und -polier erläuterte Besitzer Karl Pöllmann, wie dort bis ins Jahr 1964 Spiegelglas geschliffen und poliert wurde. Die dafür benötigte Wasserkraft stammte aus dem Grenzbach und der Fichtelnaab, die hier zusammengeführt sind. Der rote, von der zum Schleifen benötigten Potte stammende Staub ist überall gut zu sehen.

9300 Meter tiefe Bohrung

Mit der einsetzenden Industrialisierung wurde die Arbeit eingestellt. Die Wasserkraft wird nur noch zur Stromerzeugung genutzt. Adalbert Busl ging auf den geschichtsträchtigen Ort Trautenberg und das Geschlecht der Trautenberger ein. Sie befanden sich in Grenzgebiet zweier oberpfälzischer Landesteile, nämlich zwischen dem pfalzsulzbachischen und dem kurbayerischen Teil. Die Glasschleife wurde erstmals 1755 erwähnt.

Vorbei am Bohrturm der Kontinentalen Tiefenbohrung Windischeschenbach (KTB) ging es zur Schweinmühle. Geoparkrangerin Ursula Schimmel aus Waldershof ging auf die rund 9300 Meter tiefe Bohrung und das sehenswerte Informationszentrum ein. In der Schweinmühle, die einst im Besitz des Pfarrers von Windischeschenbach war, machte die Gesellschaft Mittagspause. Weiter ging es nach Wiesenthal.

Dort wurde bis etwa 1983 Pappe produziert. Unter einer rund 150 Jahre alten Bahnbrücke hindurch ging es zum Steinbruch, in dem Amphibolit abgebaut wird. Dieses Gestein ist wesentlich älter als Basalt und war in Urzeiten ein unterseeischer Vulkan. Das Gestein ist "erhitzter und gequetschter Basalt", veranschaulichte Ursula Schimmel die Entstehung dieses, oftmals mit Quarz oder Feldspat durchsetzten Gesteins.

Ein weiterer Anlaufpunkt der etwa acht Kilometer langen Wanderung war die Oberbaumühle von Johannes Rupprecht. Dort wird ein Sägewerk betrieben. Die Kraft kommt, wie es Johann Spörrer in einem Gedicht über die Fichtelnaab beschreibt, aus dem Fluss. Dieses Gedicht wurde bei der Oberbaumühle für den erkrankten Autor vorgetragen.

Brücke bombardiert

Letzte Anlaufstelle inmitten der grünenden Natur, des plätschernden Wassers und des anhaltenden Nieselregens war neben dem Zusammenfluss von Fichtelnaab und Waldnaab die Rundschleif, die einst vom Kloster Waldsassen genehmigt wurde. Die Firma Winkler baute in die Glasschleife moderne Apparate ein, die dem Werk den Namen "Rundschleif" gaben.

Mit der Bombardierung der nahe gelegenen Eisenbahnbrücke gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde auch die Schleife beschädigt. Mit einer gemütlichen Einkehr in Windischeschenbach stärkten sich die Wanderer, bevor sie vom Begleitbus abgeholt wurden.
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