Gestrandet in der Grünen Mitte

Lokales
Pullenreuth
23.12.2014
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Grüne Mitte und Circus Rumbali - Diese Namen verheißen vergnügliche Stunden. Doch in der Ortsmitte von Pullenreuth herrscht Tristesse - und etwas Verzweiflung.

Seit ein paar Wochen stehen dort die Fahrzeuge des Circus Rumbali. Nur eine kurze kleine Aufführung gab es seitdem. Sonst tut sich nichts. Der aus Homburg an der Saar stammende Familienzirkus hat notgedrungenerweise sein Winterlager aufgeschlagen.

Weiterziehen kann die Familie nicht. Der Transporter, der die vier Wohnwagen und drei Anhänger von Ort zu Ort zieht, müsste repariert werden, allerdings fehlt das Geld. Überhaupt sei es nicht leicht, ein Winterquartier zu bekommen. "Der Platz hier ist nicht ideal", sagt Carmen Bürgler. Er ist matschig, nicht ausreichend befestigt für Zirkuswagen und die Tiere. "Die würden die Fläche kaputtmachen."

Die Lamas, Ponys und Ziegen hat die Chefin inzwischen nach Abensberg zu einem befreundeten Zirkus gebracht. Aber auch dort müssen die Tiere gefüttert und versorgt werden, was bei nur einem fahrtüchtigen Fahrzeug schwierig ist. So sitzt die Familie, deren Vorfahren aus Holenbrunn bei Wunsiedel stammen und die seit 1780 in diesem Gewerbe unterwegs ist, in Pullenreuth fest. Carmen Bürglers Mann Xaver Brumbach erzählt, dass gleich sechs Brüder seiner Familie damals als fahrendes Volk in Wunsiedel Station gemacht haben und seither der Familienzirkus besteht.

Mit dabei in Pullenreuth sind die Enkelkinder: die beiden zweijährigen Amelie und Sidney, die siebenjährige Kitana und Jeremy, der zwölf Jahre alt ist. Zur Schule holt ihn und die älteste Schwester immer wieder die Großtante ab. Die beiden gehen dann bei ihr im Nachbarort, in dem sie lebt, zur Schule.

Warten auf die Eltern

Die Kleinen spielen mit Kindern aus dem Dorf oder sind bei den milden Temperaturen viel mit dem Fahrrad unterwegs. Bürglers Söhne Roberto und Thomai sowie Schwiegertochter Sibylle Gall sind gerade unterwegs auf der Suche nach einem besser geeigneten Stellplatz und hoffen, zum Heiligen Abend wieder in Pullenreuth zu sein. Aber ein besinnliches Weihnachten auf dem matschigen Festplatz in der Grünen Mitte, in den spärlich beheizten und beengten Wohnwagen kann man sich nicht recht vorstellen.

Im Winter laufe das Geschäft schlecht, erklären Carmen Bürgler und ihr kranker Ehemann Xaver. Ihm fällt das Sehen schwer, die Verständigung ist schwierig, er hört kaum etwas. Viele Schulen und Kindergärten habe man angeschrieben, Plakate aufgestellt, Vorführungen angeboten. Die Resonanz sei gleich null, zeigt sich die Zirkuschefin enttäuscht. "Die Großen fressen die Kleinen", klagt Xaver Brumbach. Dabei könnte man in einer Schau mit einem Zauberer, dem Feuerspucker und Jongleuren auftreten. Mit den Tieren, Bodenakrobatik und Balancevorführungen gebe die Familie auch bei Vereinen eine Vorstellung. Aber das Interesse sei eher gering.

Die Leute im Dorf, die auf ihrem Spazierweg am Zirkus vorbeikommen, seien nett und freundlich, berichtet Carmen Bürgler. Nichtsdestotrotz habe die Bevölkerung, vor allem im Winter, stets Angst, wenn irgendwo ein Zirkus lagere. Spendenangebote seitens der Einwohner seien bislang nicht gemacht worden.

Auf Hilfe angewiesen

Dabei benötige die Familie einiges dringend. Gerade eben ist die Heizung in einem der zum Karree arrangierten Wohnwagen ausgefallen. Carmen Bürgler heizt nun über die Kochstelle. "Rund drei Gasflaschen benötigen wir pro Woche", berichtet sie - solange es nicht kälter wird. Und da ist auch noch die notwendige Reparatur des defekten Fahrzeugs, das die Familie belastet. Futter für die Tiere, die in Abensberg untergebracht sind, wäre sehr hilfreich.

Nur Ziegenbock Peter und der schwarze, gelockte Mischlingshund Valentino leben derzeit bei der Familie in Pullenreuth. Kleidung für die Kinder und natürlich etwas Geld würden den Zirkusleuten über die Runden helfen. Denn die Winterpause wird voraussichtlich bis Ende März dauern. Und solange wird die Familie wohl auch in Pullenreuth bleiben müssen.
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