Glasschleifwerke im Spiegel

In rund 1800 Arbeitsstunden haben die Steinwaldia-Mitglieder ein Dokumentationsgebäude errichtet. Am Sonntag, 26. Juli, erhält es beim Glasschleiffest den Segen. Bild: lpp
Lokales
Pullenreuth
16.07.2015
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Mehr als schleifen und polieren mussten die Steinwaldia-Mitglieder schon. In Eigenarbeit errichteten sie ein Dokumentationsgebäude zur Geschichte der Schleif- und Polierwerke der Oberpfalz. Die Eröffnung feiern sie mit einem Fest.

"Oberpfalz - Land der Glasschleifen" - unter diesem Titel gibt es ab Sonntag, 26. Juli, im Naturpark Steinwald eine erlebbare Glasschleif zu entdecken. Eingepasst in die Landschaft, mauerte die Gesellschaft das Gebäude mit Findlingen von der Burgruine Weißenstein auf. Mächtige Hölzer unterfangen die Wände über den Fenstern mit Antikglas der Firma Lamberts aus Waldsassen. Der Fußboden im Innern stammt aus dem nahe gelegenen Wetzsteinbruch. Dem vorangegangen waren Holzarbeiten und der Innenausbau.

20 Schautafeln zeigen im neuen Gebäude und in einem weiteren Glashaus bei der Ruine der Oberen Schleif, wie zu Beginn des 18. Jahrhunderts französische Emigranten die Glasschleiferei in das südliche Fichtelnaabtal gebracht haben und sich die Oberpfalz zum Land der Glasschleifen entwickelte. Erklärt werden die Herstellung des mundgeblasenen Tafelglases und seine Veredelung durch Schleifen sowie Polieren bis hin zur Spiegelbelegung. Informationen finden sich zudem zur technischen Entwicklung der Schleif- und Poliermaschinen, zum Aufbau der Werke und zu den daraus resultierenden Umweltschäden. Ein wichtiger Aspekt ist die Arbeiterschaft. Exponate aus der Glasschleife in Trautenberg verdeutlichen die schwere Arbeit, die mit roter Staubentwicklung einherging. Eine große Übersichtskarte gibt die Standorte der Schleifwerke - konzentriert an den Bachläufen der Oberpfälzer Gebirgslandschaften - und die Glashütten aus der böhmischen Grenzregion, woher lange Zeit das Rohglas bezogen wurde, an.

Über 1800 Stunden Eigenleistung hat Steinwaldia in das Dokumentationsgebäude investiert. Die fachliche Ausarbeitung und Beschriftung der Infotafeln lag bei Konrad Zrenner und Adalbert Busl, die die Glasschleifen in der Oberpfalz erforscht haben.

Im Dokumentationszentrum gibt es Kurzfilme zu folgenden Themen: Herstellung von Rohglas, Entwicklung der Schleif- und Poliertechnik in den vergangenen zweieinhalb Jahrhunderten (1720 bis 1950). Themenfilme zum Bayerisch-Böhmischen Geopark, die Herstellung Wetsteinen. Die östlich gelegene ehemalige Glasschleife, jetzt Ruine mit Wasserrad, wurde 1786 in einem "oedliegenden Wetzsteinbruch" erbaut.
Weitere Beiträge zu den Themen: Kurzfilm (568)Juli 2015 (8666)
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