Raue Gesellen

Die Rauhnächte haben eine lange Tradition. Die Steinwaldia ließ sie wieder aufleben und damit eine ganze Reihe Furcht erregender Gestalten. Auf dem Bild Claudia Schneider (links) und ein "Percht". Bild: lpp
Lokales
Pullenreuth
30.12.2014
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Hexen, Ritter ohne Kopf, die Drud und die weiße Frau. Sie alle gaben sich ein schauriges Stelldichein auf der Glasschleif. Die Figuren der Rauhnächte erlebten die Besucher des Winterabends auf Einladung der Steinwaldia hautnah.

Dutzende von Kerzen, Fackeln und offenen Feuern erhellten zur dritten Rauhnacht das Außengelände der Glasschleif. Die Mitglieder der Gesellschaft Steinwaldia hatten das verschneite, bergige Areal um die ehemalige Polier für einen gemütlichen Winterabend mit viel Liebe zum Detail geschmückt und zahllose Laternen aufgestellt.

Unter dem Christbaum stimmte eine kleine Flöten- und Klarinettengruppe weihnachtliche Weisen an. Ann Kathrin Primitz, Blockflöte, und Birgitta Rickauer, Klarinette, spielen erst seit kurzem ihre Instrumente und wurden bei ihren Vorträgen von Bernadette und Claudia Lippert unterstützt. Leider ließen die frostigen Temperaturen die Instrumente schnell einfrieren.

Nachdem die Fackelwandergruppe aus Pullenreuth eingetroffen war, eröffnete Sandra Pinzer die Rauhnacht mit einem Gedichtvortrag vom Fenster des Kulturbuan herunter. Sie beschwor den Geist der Schleif, der hier an dunklen, stillen Abenden umgehe. Das Gedicht findet sich im neuesten Band von "Wir am Steinwald", geschrieben hat es Harald Primitz.

Danach schickte sie die Gäste zusammen mit wilden Gestalten, sogenannten "Perchten", die mit Glocken und Trommeln lärmten, und Gästeführerin Claudia Schneider auf einen Rundweg um die Schleif. Die Figuren der Perchten gelten als Geister- oder Winteraustreiber in den Rauhnächten, also in etwa zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag. Um die Glasschleif trieben allerhand mystische Gestalten ihr Unwesen.

Eine "Hexentruppe" um Hanna Rauh hatte verschiedene Figuren, wie etwa den Ritter ohne Kopf, die weiße Frau und eine Hexenbeschwörung imitiert. Zurück an der Glasschleif gab es für die Kinder mit einer weiteren mystischen Gestalt, der Drud, eine Lesung im neuen Anbau. Hier wird in Zukunft ein Dokumentationsraum für die Glasschleiferei und Poliererei entstehen. Die Kinder und viele Erwachsene lauschten Bernadette Lippert, die unheimliche Geschichten aus den Rauhnächten, wie die von der "Hulla", dem treuen Eckhard, vom armen Tischler und dem geizigen Bauern, aber auch vom Mondbären vorlas.

Wärmende Feuertonnen und offene Feuer luden vor und nach den Rundgängen zum Verweilen bei deftigen, heißen Speisen, "Hexentaschen", gehaltvollem Glühwein und Punsch und heißen Maroni ein. Die Feuerwehr Pilgramsreuth brachte zu späterer Stunde die Wanderer zu ihren Fahrzeugen nach Pullenreuth zurück. (Hintergrund)
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