Britin zum Brexit
„EU hat mehr zu verlieren“

Sue Clark-Schmidt. Bild: lpp
Politik
Pullenreuth
22.06.2016
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Wie entscheiden sich die Briten? Am Donnerstag gibt es auf der Insel die Abstimmung über den Verbleib in der EU und ganz Europa ist gespannt. Besonders gilt das für Sue Clark-Schmidt. Sie lebt schon lange in Pullenreuth, ihre Heimat ist jedoch in Großbritannien.

Sue Clark-Schmidt unterrichtet als Musiklehrerin unter anderem in Marktredwitz. Im Gespräch erklärt sie, wieso sich so viele Briten mit der EU schwer tun.

Frau Clark-Schmidt, Sie kennen beide Seiten. Wie sehen Sie die Situation in Großbritannien?

Sue Clark-Schmidt: Ich glaube, im Moment führen in Großbritannien die Befürworter des Austritts. Besonders die ältere Generation möchte aus der EU austreten, weil zu viel Bürokratie herrscht, zu viele osteuropäische Einwanderer kommen, so viele Vorschriften zu beachten sind. Die ältere Generation hat noch die Zeit vor der EU in Erinnerung. Da war Großbritannien noch "great", der Commonwealth. Großbritannien hatte mehr Einfluss, es gab weniger Vorschriften. Cameron hatte vor der Wahl die Abstimmung versprochen. Dieses Versprechen hat nun ihren eigenen Schwung bekommen, eventuell hat Cameron das alles nicht bis zum Ende durchgedacht. Es sieht im Moment aus, als würde die Mehrheit für den Austritt stimmen.

Die Wirtschaft, vor allem die großen Firmen, wollen dagegen in der EU bleiben. Es gibt vielfältige Verflechtungen. Die kleineren Firmen wollen eher raus, denn dann können sie nach eigenen Bedingungen leben, längere oder kürzere Arbeitszeiten, eigene Lohngestaltung.

Wie stehen Sie persönlich zum Brexit? Wie würden Sie abstimmen?

Das ist schwierig, weil ich mitten in Europa lebe und nicht in Großbritannien mitbekomme, was Brüssel dort so vorschreibt. Von hier aus würde ich meinen, Großbritannien soll in der EU bleiben.

Welche Auswirkungen würde ein Brexit nach sich ziehen?

Es wird vorm großen Chaos gewarnt. Ich glaube, zwei, drei Jahre wird alles normal weiterlaufen, bis alle Verträge gelöst sind. Die EU hat mehr zu verlieren als Großbritannien. Viele Staaten, etwa Kanada oder Indien, würden gerne mit den Briten Geschäfte machen, was nicht immer mit den EU-Gesetzen vereinbar ist. Diese Staaten warten nur darauf, mit Großbritannien ins Geschäft zu kommen.

Der Austritt wird aber nur gut für Großbritannien sein, wenn es ein eindeutiges Ergebnis gibt. Wenn diese Mehrheit nur sehr knapp ausfällt, dann wird das Land tief gespalten.
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