25 Jahre Damenfußball im Lochau
Torjägerinnen aus Leidenschaft

Es war einmal - im Jahre 1991. Da bestritten die sportlichen Damen das erste Gaudi-Fußballturnier in Riglasreuth. Bilder: lpp (5)
Sport
Pullenreuth
11.06.2016
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Sie machen nicht viele, aber deutliche Worte - die Schlachtenbummler des TuS Lochau.
 
Ohne Trainingsfleiß kein Siegespreis. Und eine gute Schusstechnik kommt schließlich auch nicht von ungefähr.

Seit 25 Jahren spielen sie Fußball. Sportbegeisterte junge Frauen. Die Damen-Mannschaft des Turn- und Sportvereins Lochau sticht heraus. Nicht viele Vereine der Region können Vergleichbares vorzeigen.

Von Claudia Lippert

Lochau. Der TuS hat schon eine Ausnahmestellung. Der Vorstand ist rein weiblich. Und das seit vielen Jahren. Vorsitzende Sonja Saar und ihr Team bieten unter anderem mit Frauenturnen, Kinderturnen, Kegeln und Kick-Bo ein abwechslungsreiches Programm an. Auch Wanderungen und Theaterbesuche werden organisiert. Fröhlich geht es zu, wenn sich die Mitglieder treffen. Sie beteiligen sich alljährlich in Lochau beim Pfingstfest und den Dorfolympiaden.

Ein Mann jedoch ist unverzichtbar. Das ist der Trainer der Frauen-Fußballmannschaft, Achim Scherm. Seit 2001 ist er der Übungsleiter. Aber blicken wir zurück auf die Anfänge: Ein Gauditurnier, dass der SV Riglasreuth 1991 anlässlich der Sportwoche plante, war der Anlass für die Gründung der Truppe. Nach drei Wochen Training und einem Intensivlehrgang in Sachen Fußball stellten sich am 7. Juli 1991 acht Damen mit ihrem Trainer Stefan Scherm den Gegnern.

Petra Hackers Premiere


Bei brütender Hitze und unterstützt von zahlreichen Schlachtenbummlern, spielten die Frauen gegen Riglasreuth, gegen die Mannschaft des Turn- und Sportvereins Pullenreuth und gegen die Fußballerinnen des SV Neusorg. Auch wenn man das Endspiel an diesem Tag gegen Pullenreuth mit 0:1 verlor, konnte man mit Petra Hacker die erste Torschützin feiern.

Angetreten waren damals Margit Malzer, Birgit Melzner, Heike Scherm, Alexandra Scherm, Petra Hacker, Uschi Scherm, Torfrau Manuela Hörl sowie Silke Straub. Dieses Gauditurnier wurde dann jährlich wiederholt, mal auf dem Bolzplatz in Riglasreuth oder auf dem dortigen Sportplatz. Schon damals war es eine Besonderheit des TuS Lochau, keinen eigenen Trainingsplatz, geschweige denn ein Fußballfeld zu besitzen. Und so ist es bis heute geblieben. Man trifft sich nach wie vor in Riglasreuth und kann seit 2015 dankenswerterweise das Sportgelände des SSV Brand für Heimspiele nutzen.

In einheitlichem Outfit konnten die Mädchen und Frauen ab 1996 auflaufen. Die Tankstelle Daubner aus Neusorg sponserte einen ersten vereinseigenen Trikotsatz. Eingeweiht wurden die "Leiberln" beim Freundschaftsspiel gegen den SV Riglasreuth am 27. Oktober 1996. Erst nach dem Siebenmeterschießen mussten sich die Lochauerinnen 1:2 geschlagen geben. Weitere Trikot- und T-Shirt-Spenden folgten in den kommenden Jahren. 2003 unterstützten die Firma Schwinger & König, Pullenreuth, später die Firma König, Neuweiher, Familie Saar, Lochau, und die Firma Meyer die Anschaffung von Trainingskleidung. Danach wagte man sich über die Regionalgrenzen hinaus und beteiligte sich erstmals 1997 an einem Turnier in Schreez in der Nähe von Bayreuth.

Von Stefan zu Achim


Das Gauditurnier in Riglasreuth fand weiterhin regelmäßig statt, inzwischen nahm auch der SV Immenreuth teil. Der Sieg gehörte diesmal den Lochauerinnen. Im Jahr 2000 standen Freundschaftsspiele in Immenreuth und ein Pokalturnier in Waldeck an. Bislang hatte Stefan Scherm die Mannschaft gecoacht. Im Jahr 2001 übergab er das Zepter an seinen Bruder Achim. Bei Gewitter und Regen fand im Rahmen des Dorffestes Riglasreuth ein Freundschaftsspiel statt, dass Lochau souverän gewann.

Die Lochauerinnen fahren jedoch nicht nur auswärts zu Turnieren, sie veranstalten auch, wie 2005, Kleinfeldturniere vor Ort. Zu Hause und unterwegs wurden und werden die Fußballerinnen tatkräftig von ihren Vereinsmitgliedern und treuen Fans begleitet und angefeuert.

Über 100 eingesetzte Spielerinnen aus der näheren und weiteren Umgebung unterstützten bislang das sportliche Engagement. Aus Lochau, Trevesen, Trevesenhammer, Neusorg, Pullenreuth, Plößberg, Punreuth, Immenreuth und Witzlasreuth kamen die Spielerinnen. Man verstärkte den Kader, bis die Mannschaft bis zu 21 Personen stark war. Im Jahr 2013 wurde eine Hobbyliga gegründet. Hier wurden gleich 12 Spiele ausgetragen, im folgenden Jahr waren es bereits 18, so dass sich das Einsatzgebiet erheblich erweiterte. Stolz sind die Fußballerfrauen auf ihre langjährigen Mitglieder. Daniela Wopperer tritt seit 1995 gegen den Ball, Juliane Hecht, geborene Wopperer, begann 1996. Mit 103 Treffern liegt Julia Schultes aus Trevesen an der Spitze der Torjägerinnenliste.

Im Winter wird in der Halle trainiert, unter anderem in Pullenreuth und Neusorg. Nur rund um Weihnachten gönnen sich die Frauen ein wenig Ruhe. Aktiv im Freien trainieren sie von April bis Oktober. Da spielt das Wetter keine Rolle. Regen oder Kälte machen ihnen wenig aus. Und wenn der Erfolg da ist, machen die Kickerinnen auch beim Feiern eine gute Figur.

Keine "Stutenbissigkeit"Gewitter, Regen, Sonne. Ungeachtet aller äußeren Einflüsse trainieren die Fußballdamen des TuS Lochau auf dem Bolzplatz an der Fichtelnaab in Riglasreuth. Konzentriert und diszipliniert folgen sie den leisen Anweisungen ihres Trainers Achim Scherm. Die Fachsprache der Sportwelt funktioniert auch in der Hobbyliga. Und nach einem kurzen Aufwärmtraining und Dehnübungen geht's auf Torejagd. Kräftige Abschläge, Zuspiel auf Zuruf, Eckstöße und Einwürfe. "Weil's Spaß macht", sagt Julia Schultes, und die Mädels pflichten ihr lachend bei. Fröhlich geht es zu, auch nach der ersten Hälfte der anstrengenden Trainingseinheit. Langweilig wird es nie. Denn Trainer Scherm sorgt schon für Abwechslung. Da geht's auch mal zum Laufen in die Umgebung oder in die Soccerhalle.

Die Spielerinnen sind zwischen 15 und 35 Jahre alt. "Stutenbissigkeit" ist ein absolutes Fremdwort. Dem Sport in der Halle ziehen die Damen das Fußballtraining im Freien vor. "Da hat man viel mehr Möglichkeiten, sich zu bewegen." Schon als Kind hat Christina Heinl mit den Nachbarskindern Fußball gespielt. Da lag der Schritt zum Sportverein nahe. Lisa Würstl und Simone Lauterbach wechseln sich mit der Kapitänsbinde ab.

Für ihren Trainer haben sie nur lobende Worte. "Unendliche Geduld und große Motivationsgabe" seien seine Vorzüge. Er gebe sich sehr viel Mühe. Keine Übungseinheit gleicht der anderen. Neuzugänge sind übrigens jederzeit willkommen. (lpp)


HintergrundTitelsammlung wächst und wächst

Lochau. (lpp) Die Liste der Erfolge bei den Lochauer Fußballdamen ist lang. Begonnen hat alles 1991 bei einem Gauditurnier des SV Riglasreuth. 1997 folgte der Turniersieg in Immenreuth, 2005 der erste Platz beim Fußballturnier im Sportpark von Schwarzenfeld. Erste wurden die Damen 2005 beim Turnier im Riglasreuth und 2006 in Mitterteich.

Sechs Mannschaften beteiligten sich 2007 an einem Wettbewerb in Kulmain, den die Lochauerinnen wiederum für sich entscheiden konnten. Auch in Neualbenreuth im Jahr 2008 stand der Siegertitel zu Buche. Mit dem grandiosen Ergebnis von 16:1 ging das Freundschaftsspiel in Schwarzenfeld im Jahr 2009 klar an die Mannschaft aus dem Steinwald.

Hallenturniersieger wurden die Frauen 2010 in Windischeschenbach und Meister der Hobbyliga bei der Teilnahme von sieben Mannschaften im Jahr 2013. Das Hallenturnier in Pechbrunn, nun schon gegen sieben Mannschaften, bewältigten die Lochauerinnen erfolgreich im Jahr 2014. So kann es natürlich auch in Zukunft weitergehen.
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