Bis zu vier Stunden ohne Strom

"Das Kabel hat das nicht mehr geschafft." Zitat: Bayernwerk-Sprecher Manuel Köppel
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Pullenreuth
17.10.2016
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Die Pullenreuther Pfarrkirche ist am Samstagabend gut gefüllt, die Steinwaldmusikanten um Johannes Hecht sind bereit für ihren Auftritt. Doch bevor sie zum ersten Stück ansetzen, ist das Gotteshaus dunkel - Stromausfall. Über die Ursache sind sich das Bayernwerk und die Energieversorgung Selb-Marktredwitz GmbH (ESM) uneinig.

(luk/lpp) Fest steht, dass im ESM-Netz in Marktredwitz-West gegen 18.15 Uhr ein Fehler auftrat. Andi Sprenger von der Technischen Leitung des Unternehmens sieht am Montag aber "keinen Zusammenhang" zu den zeitgleichen Stromausfällen in den Gemeinden Pullenreuth und Waldershof sowie in Haushalten in Neusorg und Fuchsmühl. Das Bayernwerk habe zwar einen sogenannten Erdschluss in ESM-Netz vermutet, der Fehler müsse aber in deren eigenen Netz aufgetreten sein, meint der Ingenieur.

Manuel Köppl von der Regionalleitung Ostbayern des Bayernwerks verweist dagegen auf Daten der Netzleitstelle in Neunburg vorm Wald. Dort sei der Fehler auf Marktredwitzer Gebiet erfasst worden. Durch Überspannung sei es dann im Bayernwerk-Netz zum Kurzschluss gekommen. "Das Kabel hat das nicht mehr geschafft." So kam es um 18.23 Uhr zum Defekt in der Trafostation in Schurbach.

Um den Fehler zu lokalisieren, mussten in diesem Bereich die Ortstrafos kurzfristig lahmgelegt werden. Die Vorgehensweise sei vergleichbar mit einem Kurzschluss im eigenen Haus. "Auch dort schaltet man die einzelnen Sicherungen der Reihe nach wieder ein, um die Ursache herauszufinden." Zwischen sechs Sekunden und vier Minuten dauerte jeweils das Prozedere, berichtet der Pressesprecher aus Regensburg.

An jedem Trafo seien im ländlichen Raum etwa 25 Haushalte angeschlossen. Aufgrund der Ausfallmeldung waren daher schätzungsweise rund 1900 Anwesen betroffen. Ab 22.26 Uhr waren alle wieder "vollversorgt". Wie lange es im Einzelfall gedauert hat, bis das Licht wieder anging, kann laut Köppl nicht mehr festgestellt werden. Bei den Daten sei das "Ende bei den Ortstrafos". Aufgrund der Netzstruktur könne die Störung aber länger als die vier Minuten gedauert haben, sofern die Schaltungen an den Stationen der Reihe nach erfolgt sind.

In der Zwischenzeit machen die Musiker und Mesnerin Lisa Michl am Vorabend zur Landkirchweih in der St.-Martin-Kirche aus der Not eine Tugend. Sie lässt Kerzen an die Gottesdienstbesucher verteilen, und die Steinwaldmusikanten packen auf die Schnelle ihre Pultlampen aus, damit die von Pfarrer Josef Waleszczuk zelebrierte Messe beginnen kann.

Der Seelsorger vergleicht diesen Gottesdienst mit dem am Karsamstag oder mit einer Rorate in einer nur von Kerzen erhellten Kirche. Auch die frühen Christen hätten ihre Messen oft bei Sonnenaufgang gefeiert, da brauchte man kein künstliches Licht. Von den Musikern erklingen neue geistliche Lieder wie "Herr deine Liebe" und traditionelle Choräle wie "Ein Haus voll Glorie", was die Besucher mit Applaus bedenken.

Klatschen können sie auch kurz nach dem Gottesdienst, denn zumindest in Pullenreuth flammen die Straßenlaternen wieder auf.

Das Kabel hat das nicht mehr geschafft.Bayernwerk-Sprecher Manuel Köppel
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