Fahren wie vor Hundert Jahren
Kutscher treffen sich zum Wettbewerb

Rudi Mordavsky aus Franzensbad lenkte seine Kutsche geschickt zwischen den Hindernissen aus Strohballen hindurch. Die Hütchen durften dabei nicht umfallen, sonst gab's Fehlerpunkte.
Vermischtes
Pullenreuth
17.08.2016
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Im Schatten der Sonnenschirme ließ es sich auf dem Sommerfest aushalten. Die Mitglieder des Reitvereins übernahmen die Bewirtung.

Es klappert, es rattert, doch angefahren kommen keine Autos, sondern Pferdekutschen. Das Ziel ist Karl Kastners Reitstall in Trevesenhammer. Am Sonntag versammelten sich dort Kutschenfahrer aus nah und fern zur achten Kutschenstreckenfahrt mit Parcourfahren.

Trevesenhammer. Die Teilnehmerzahl hat sich seit dem letzten Jahr mehr als halbiert, von 18 auf 7. Für Kastner, den Vorsitzenden des Reit- und Fahrvereins Trevesenhammer, war die Veranstaltung trotzdem ein voller Erfolg: "Alles ist ohne Pannen und unfallfrei über die Bühne gegangen, das ist das Wichtigste. Und ein super Wetter hatten wir auch noch." Optimale Voraussetzungen also auch für das Sommerfest rund um den Wettbewerb, das viele Pferdefreunde auf den Reiterhof lockte. Die Kutscher hatten teilweise eine weite Anreise, einer der Teilnehmer kam sogar aus dem tschechischen Franzensbad.

Bereits um 10.30 Uhr brachen die Gespanne bei strahlendem Sonnenschein in Richtung Waldhaus auf, wo Fahrer und Pferde eine Mittagsrast einlegten. Gestärkt traten sie den Rückweg nach Trevesenhammer an. Nach der insgesamt 15 Kilometer langen Streckenfahrt nahmen die Zuschauer sie gegen 14.30 Uhr auf dem Reiterhof wieder in Empfang.

Immer weniger Kutschen


"Im Gelände zu fahren ist gar nicht so einfach, weder für die Tiere noch für den Kutscher", erzählt Timo, der selbst mitgefahren ist. "Die Pferde müssen speziell an der Kutsche ausgebildet werden." Wer andere Leute kutschieren will, braucht außerdem einen Kutschenführerschein. Wettbewerbe im Kutschieren sind mit Kosten und viel Arbeit verbunden. Pferde und Wagen müssen separat transportiert werden und auch zum Anspannen sind Helfer notwendig. Diesen Aufwand nehmen nicht mehr viele Pferdebesitzer auf sich, die Kutschenpferde werden immer weniger. Karl Kastners Sohn Martin hat ebenfalls an der Fahrt teilgenommen. Er findet die Entwicklung sehr schade, hat aber auch Verständnis. "Profis müssen täglich trainieren, aber wir sind alle Amateure. Bei uns steht der Spaß im Vordergrund", sagt er. Trotzdem nehmen die Kutschenfahrer den Wettbewerb durchaus ernst.

Waschen, flechten, bürsten


Beim Wettbewerb am Nachmittag bewerteten die Preisrichter nicht nur Technik. "Auch das richtige Anspannen,der Schmuck der Kutschen und Pferde sowie die Sauberkeit der Tiere sind wichtig", erklärt Zweiter Vorsitzender Alfons Prucker. Die Vorbereitungen beginnen deshalb oft schon am Vorabend. Die Besitzer waschen und flechten die Mähnen, und bürsten die Pferde, bis das Fell genauso glänzt wie die blank polierten Kutschen.

Auch Geschick ist gefragt. Der Parcour auf der Wiese war nicht leicht zu bewältigen, denn die Hindernisse dürfen nur wenige Zentimeter breiter sein als die Gespanne selbst. Fehlerfrei manövrierte daher keiner der Teilnehmer seinen Wagen durch Hütchen, Stangen und Strohballen. Entscheidend war aber auch die gestoppte Zeit. Sieger wurde Michael Willer aus Klingenthal im Vogtland, alle Teilnehmer erhielten aber Reiterzubehör oder Futtermittel als kleine Geschenke.

Beim Familienfest am Nachmittag war die Konkurrenz unter den Reitern längst vergessen, gefeiert wurde gemeinsam. Unter anderem Pizza, hausgemachten Leberkäse und Crêpes gab es für die hungrigen Gäste. Die Kutscher stellten ihr traditionelles Handwerk bei Rundfahrten unter Beweis, und die Kinder durften sich auch mal auf die Pferde des Reitstalles setzen und sich von den Reitschülern führen lassen.
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