Familie Reichl sammelt Spenden für Therapie
Delfin-Kuss für Bastian

Seit Nico (Bild) mit Delfinen schwimmen durfte, geht es ihm besser. Mutter Bianca Reichl musste dafür sehr lange sparen. Jetzt will sie mit Hilfe von Spenden auch Bastian, dem Sohn ihrer Schwägerin, so ein tolles Erlebnis ermöglichen. Der Bub musste mit 15 Operationen schon viel durchmachen. Bild: hfz
Vermischtes
Pullenreuth
18.11.2016
979
0
 
Bastian nuckelt an seinem Strohhalm. Es fällt ihm schwer, allein zu trinken. Deswegen hilft ihm Bianca Reichl dabei. Die 36-Jährige unterstützt ihre Schwägerin Sandra Reichl (links), wo sie kann. Zusammen wollen die Frauen Spenden für eine Delfin-Therapie für Bastian sammeln. Bild: spi

Über Bianca Reichls Wangen kullern Tränen. Das Schicksal des kleinen Bastians berührt sie. Der Bub sitzt im Rollstuhl, kann nur wenig sehen, leidet unter starken Muskelkrämpfen und epileptischen Anfällen. Mit neun Jahren musste er schon viel durchmachen. "Tante Bibi" hat für das Kind ihrer Schwägerin einen großen Wunsch. Sie will ihm eine Delfin-Therapie ermöglichen. Weil die Familie kaum Geld hat, bittet sie um Hilfe.

Mit schmalen zitternden Fingern und ganz langsam bugsiert Bastian Reichl das Mandarinen-Stück zum Mund. Der erste Versuch misslingt. Als er sich die orange Fruchtscheibe zwischen die Zähne schieben will, rutscht sie ihm durch die Finger. Doch er gibt nicht auf, probiert es noch einmal. Diesmal trifft er und freut sich. Mama Sandra Reichl und "Tante Bibi" klatschen vor Stolz. Bastian versinkt wieder in den Filmen auf seinem Tablet. Er beobachtet Feuerwehrmänner oder den Löwen aus der Augsburger Puppenkiste ganz genau. Die Nasenspitze schwebt nur ein paar Zentimeter entfernt über dem Bildschirm. So schlecht sieht der Bub trotz Brille. Manchmal macht sich der Neunjährige in seinem Rollstuhl steif, wippt nach vorne und hinten und zetert. Aus Versehen hat er sein Lieblingsvideo weggedrückt. Mama Sandra soll es finden.

Krankenkasse zahlt nichts


Das Tablet ist eines der wenigen Spielzeuge, mit denen sich Bastian selbstständig beschäftigen kann. Bei Autos oder Figuren fehlen ihm die Kraft und Motorik, sie festzuhalten. Mit anderen Kindern zu spielen, ist fast unmöglich. "Er will ihnen im Rollstuhl hinterher, und sie rennen weg", erzählt die 30-jährige Sandra. Das trifft die Mutter bis ins Mark. Erwachsene seien ebenfalls oft abweisend. "Blöde Blicke kriegt man immer." Zwar schenkt ein Mann dem Bub auch schon einmal einfach so ein Stück Wurst, das ist aber die Ausnahme. Und das nagt gewaltig an der Familie aus Pullenreuth. Um Bastian mehr Selbstbewusstsein zu geben, wünscht sich Bianca Reichl für den Neunjährigen eine Delfin-Therapie auf der Karibikinsel Curaçao.

Die 36-Jährige hat selbst einen Sohn, der mit Behinderungen lebt. Nico hat das Plantschen mit Delfinen schon dreimal geholfen. "Es ist so schön, wenn man sieht, wie er sich entwickelt", schwärmt sie. Die Therapie wird allerdings von Krankenkassen nicht anerkannt. Die Familie muss selbst dafür aufkommen. Flug, Verpflegung, Therapie, Unterkunft kosten rund 12 000 Euro, allein die Therapie kostet ein Vermögen. Geld, das nicht da ist. Bianca Reichl hat einmal einen Bausparer für die Reise geplündert. "Ich brauche kein Haus, ich brauche einen glücklichen Sohn", sagt sie. Jeder Cent, der sonst übrig bleibt, kommt auf ein Konto für eine weitere Delfin-Therapie. Und der kleine Bastian soll der Nächste sein. "Ganz egal wie, aber das nächste Mal fährt der Bastian", beteuert sie, schluckt schwer und kämpft wieder mit den Tränen.

Seit Bianca Reichls eigener Sohn mit den Delfinen auf Tuchfühlung gegangen ist, hat sich sein Selbstwertgefühl gesteigert und die Mund-Motorik sehr verbessert. "Es ist so wertvoll, wenn man ihn versteht", erzählt die 36-Jährige. Das ist nicht selbstverständlich. Auch Bastian tut sich schwer mit dem deutlichen Sprechen. Das Schwimmen mit Delfinen und die zusätzlichen Angebote von Physiotherapeuten und Logopäden auf Curaçao könnten helfen.

Die beiden Mütter können nicht nachvollziehen, warum solche Therapien nicht bezuschusst werden. "Man kriegt in Deutschland vorgeschrieben, welche Therapien gehen und welche nicht", wettert Bianca Reichl. Sie kreidet dem System vor allem an, dass "Leute, die beschließen, welche Therapien helfen, die Kinder nie zu sehen kriegen." Die Entscheidung basiere rein auf Berichten von Ärzten, die auch wenig vom Alltag der Kinder wissen können. Die Mütter dagegen schon. Sandra Reichl ist genau wie Bianca Tag und Nacht für ihren hilfsbedürftigen Sohn da. Sie fährt mit ihm immer wieder ins Klinikum, hat Geduld beim Anziehen, Füttern, Sprechen. Sie gibt ihrem Kind Lebensmut.

Aber die Mutter weint auch viel, weil der Alltag so beschwerlich ist. In dem kleinen alten Haus gibt es nur ein enges Bad, dort ist nicht einmal Platz für Bastians Rollstuhl. Sandra muss ihren Sohn eine schmale Wendeltreppe hoch in sein sechs Quadratmeter großes Zimmer schleppen. "Ich habe Angst, dass Bastians Beine sich in Sandras verhaken und beide stürzen", fürchtet Bianca. Ein barrierefreier Umbau und eine Heizung - die Familie heizt mit einem Holzofen - wären dringend notwendig. Aber auch dieses Geld haben Mama Sandra und Papa Wolfgang momentan nicht.

Rund 15 Operationen


Außerdem: Die Delfin-Therapie hat erst einmal oberste Priorität, das Haus muss warten. Allein auf Operationen und Medikamente will die Familie nicht länger setzen. Bestimmt 15 Mal hat Bastian Reichl schon Operationen über sich ergehen lassen müssen. Das Kind ist ein extremes Frühchen und hatte kurz nach der Geburt eine Hirnblutung und später Überdruck im Kopf. Eine Narbe zwischen den blonden Haarstoppeln erzählt davon. Und nicht nur die. Unter der Haut von Bastians Hals wölbt sich ein Schlauch wie eine dünne Schlange. Er verläuft vom Kopf zum Magen und sorgt dafür, dass das Gehirnwasser ablaufen kann. Einmal musste das Kind notoperiert werden, weil der Schlauch verstopft war.

Um Bastian trotz der Strapazen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern, lässt seine Familie nichts unversucht. Ein paar vergnügliche Stunden mit einem Delfin sollen den Bub aufmuntern. Dafür brauchen die Reichls aber Hilfe. "Wir hoffen, dass wir das Geld durch Spenden zusammenbekommen", erklärt Bianca Reichl.

200 Euro hat die Familie schon vom Obst- und Gartenbauverein aus Pullenreuth bekommen. Und zehn Euro zieht Bianca aus der Jackentasche. Sie hat einer Freundin eine selbst gemachte Mütze verkauft. Die 36-Jährige bastelt Weihnachtsdekoration und will so Stück für Stück das Geld für Bastian zusammensparen. In Ebnath verkauft die Familie am 11. Dezember zwischen 13 und 18 Uhr beim Weihnachtsmarkt am Marktplatz ebenfalls Geschenkartikel.

Wir hoffen, dass wir das Geld durch Spenden zusammenbekommen.Bianca Reichl


SpendenkontoWer für die Delfin-Therapie des kleinen Bastians spenden will, kann den Betrag an folgendes Konto überweisen:

Empfänger: Dolphin Aid e.V., Stadtsparkasse Düsseldorf

IBAN: DE 52 30 05 01 10 00 20 00 24 24

BIC: DUSSDEDDXXX

Verwendung: Bastian Reichl

Eine Spendenquittung wird ausgestellt, wenn Name und Adresse des Spenders auf der Überweisung vermerkt sind. (spi)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.