Gesellschaft Steinwaldia bietet Schauspiel an der Glasschleif
Sagenhafte Rauhnacht

Auf einen Plausch mit den Sagengestalten: An der Feuertonne war dies in der kalten Rauhnacht möglich. Alle Bilder: lpp
Vermischtes
Pullenreuth
04.01.2016
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Zur Rauhnacht zeigten sich den vielen Hundert Besuchern Gestalten, die sonst nur vom Hörensagen bekannt sind. Bilder: lpp (6)

Furchtbare Gestalten trieben da an der Glasschleif in Pullenreuth ihr Unwesen. Aber niemand nahm reißaus, alle wollten hin zur Rauhnacht der Gesellschaft Steinwaldia.

/Glasschleif. Wenn die Gesellschaft Steinwaldia zur Rauhnacht lädt, strömen die Menschen von überall dort hin. Sie wissen, was sie erwartet: ein stimmungsvoller Abend im Licht Hunderter Kerzen, Feuerdosen und Fackeln am Fuße des Steinwalds. Die Temperaturen waren gerade rechtzeitig unter den Gefrierpunkt gefallen.

Die Gesellschaft Steinwaldia hatte zur vierten Rauhnacht einen Sagenweg rund um die Glasschleif eingerichtet. Nicht nur die Geister der Rauhnächte, auch andere Sagenfiguren des Steinwalds und des Fichtelgebirges stellten sich den Besuchern vor. Ein Team der Gesellschaft Steinwaldia hatte die Organisation übernommen.

Wer sich auf den Rundweg machte, begegnete einem Handwerksburschen, der furchtlos an einer Wegkreuzung in den Rauhnächten in die Zukunft sehen wollte. Beatrice Busch zog ihren Bannkreis mit Dreikönigskreide und "erforschte" die Zukunft, auch wenn ihr die stürmischen Gestalten der Rauhnächte, dargestellt von Benedikt Lippert und Florian Rickauer, zusetzten.

Gruselige Masken verbargen die Gesichter der "Wilden". Danach ging es weiter zum Grenzsteinverrücker. Harald Primitz mimte die arme Seele, die nach ihrem Tod umgehen muss, bis sie ihr Unrecht gut gemacht hat. Nur ein Sonntagskind kann die Seele erlösen. Das Moosweiblein wartete an den Ruinen der oberen Schleif. Als gefiederter Waldgeist fungierte Kathrin Meyer und erläuterte ihre Heil- und Hilfskräfte. Mit kundigem Blick versorgte das Moosweiblein kranke Kinder mit Heilkräutern und Tränken, half in Haus und Hof. Wurden jedoch Flüche laut oder schenkte man dem Moosweiblein Kleidung, verlies es das Haus. Michael Schneider als grausiger Gesell trachtete dem armen Weiblein nach dem Leben, um es tot an die Haustüre zu hängen. Dank frommer Christen, die dem Moosweiblein ein Häuflein Heu, über welches das Kreuz geschlagen worden war oder einen mit Kreuzen versehenen Baumstumpf bereit gestellt hatten, gelang ihm das nicht.

An der Glasschleif ging es am "Pullenreuther Mond" vorbei. Simon Rickauer und Paul Schneider stellten die Ministranten dar, die in unbeaufsichtigen Momenten den Erzählungen nach an der Kirchturmuhr schaukelten und das Uhrwerk aus dem Gleichgewicht brachten. Deshalb ging die Uhr falsch, also nach dem "Boinaraitha Mou". Als "Mesner" wies sie Ernst Grünbauer immer wieder auf ihre Pflichten hin.

Ebenfalls eine Sagengestalt, die Drud, eigentlich ein schreckender und "drückender" Nachtmar, gesellte sich zu den Darstellern. Bernadette Lippert las für die Kinder im neuen Ausstellungsgebäude unter wärmenden Heizpilzen Märchen. Antonia Lippert und Ann-Kathrin Primitz waren ebenfalls mit Vogelgesichtern und gefiedert unterwegs. Markus Pinzer, Dietmar Gärtner, Jochen Hübsch, Claudia Schneider und Thomas Lippert übernahmen es, mit Masken und Fellen bekleidet, rasselndem Geläut und Donnergeschepper die Besucher in die Bahnen zu lenken.

Bürgermeister Hubert Kraus hatte die Rauhnacht vom Kulturbuan herab eröffnet, nachdem die Teilnehmer der Fackelwanderung eingetroffen waren. Er wünschte vergnügliche Stunden und alles Gute im neuen Jahr. Den Geist der Schleif beschwor Claudia Schneider, bevor sie mit den Besuchern den Sagenweg beschritt.

Das Interesse an der vierten Rauhnacht war groß. Unzählige Autos säumten die Straße in Arnoldsreuth. Die Feuerwehr Pilgramsreuth-Langentheilen sorgte für Ordnung, dazu die Bergwacht Marktredwitz. Helfer versorgten die Gäste mit heißen Maroni, Glühwein und Würstchen. Ein Shuttle-Service brachte die Fackelwanderer zu ihren Autos nach Pullenreuth.

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