Heiliges Grab von Pullenreuth
Restaurierung wagen

Pfarrer Dr. Dr. Josef Waleszczuk, Dr. Verena Friedrich, Kunsthistorikerin, und Norbert Reger, Vorsitzender der Gesellschaft Steinwaldia (von links), bewundern das Modell des heiligen Grabes. Unten zu sehen ist ein Teil des Triumphbogens mit Blumenbordüren aus dem großen heiligen Grab. Bild: lpp
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Pullenreuth
12.04.2016
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"Sein Grab wird glorreich sein", lautet ein Schriftzug über dem heiligen Grab von Pullenreuth, das seit den 1960er Jahren eingelagert ist. Ein Plädoyer für dessen Restaurierung hielt Dr. Verena Friedrich von der Uni Würzburg in der Pfarrkirche St. Martin.

Norbert Reger, der Vorsitzende der Gesellschaft Steinwaldia, auf deren Initiative Dr. Friedrich die Teile des Grabes begutachtet hatte, hieß zu diesem beeindruckenden Vortrag Pfarrer Dr. Dr. Josef Waleszczuk, Bürgermeister Hubert Kraus, zweite Bürgermeisterin Gabriele Hawranek und zahlreiche weitere interessierte Gäste willkommen. Harald Fähnrich hatte die Geschichte des heiligen Grabes im Pfarrarchiv erforscht.

Die Steinwaldia sei im Glauben verwurzelt, verdeutlichte Reger. Sie habe sich in der Vergangenheit auch mit dem Schwedenkreuz auf der Klausenkirche, der Beschaffung der Glocken für dieses Gotteshaus und den Wiederaufbau der Marienkapelle in Trevesenhammer beschäftigt. Ergreifende und geheimnisvolle Erinnerungen würden wach, komme die Sprache auf das heilige Grab von Pullenreuth. Bis ins Jahr 1991 lagerten die Einzelteile bei Familie Schultes in Pilgramsreuth. Nach einem Brand auf dem Bauernhof wurden die Leinwände und Holzteile im alten Forsthaus in Arnoldsreuth eingelagert. Hier liegt es nun, zwar trocken, jedoch nicht sachgemäß oder entsprechend temperiert und harrt der Dinge, die da kommen. Die Gesellschaft Steinwaldia wolle den Versuch der Restaurierung wagen.

Blick ins Geschichtsbuch


Dr. Friedrich kennt die Pullenreuther Pfarrkirche sehr gut, wie sie eingangs erklärte. Vor rund 20 Jahren hat sie den Kirchenführer für das Gotteshaus verfasst. Sie nahm die Gäste mit auf eine kulturhistorische Einführung in die Geschichte der heiligen Gräber. "Sepulcrum Dominum", der Nachbau des heiligen Grabes und "theatrum sacrum", die bildliche Darstellung riefen einst starke Emotionen bei den Gottesdienstbesuchern hervor.

Bereits im hohen Mittelalter wurde das Aufstellen heiliger Gräber gepflegt. Der Gang der Frauen zum Grab, die Grabbewachung, Marias Treffen mit dem Gärtner und der Lauf der Jünger zum Grab wurden unter anderem bildlich dargestellt. Im Mittelalter verstand man das heilige Grab als Andachtsbild, es wurde auch auf festen Altären gezeigt oder in Wandnischen verbaut. Es gab unter anderem "handelnde Bildwerke", wie beispielsweise ein gekreuzigter Jesus mit beweglichen Armen, der dann abgenommen und "bestattet" werden konnte.

Dr. Friedrich zeigte Bilder von Heilig-Grab-Truhen (um 1290 und 1430), die bemalt waren. Dargestellt wurden die "Depositio", die Grablegung, die "Evelatio", die dramatische Auferstehung und die "Visitatio", der Grabbesuch. Mitte des 18. Jahrhunderts kannte man beispielsweise die Aufstellung einer Christusfigur als Sieger. Im 16. Jahrhundert waren Heilig-Grab-Gerüste im Einsatz, so wie auch das heilige Grab in Pullenreuth konzipiert ist.

Mit der Aufstellung eines Kulissengrabes lenkte man den Fokus auf ein bestimmtes Geschehen. Die bekannte Sicht auf den Altar wurde verdeckt und eine veränderte Ansicht hergestellt. Zur Ehrbezeigung des Allerheiligsten Sakramentes wurde das heilige Grab aufgestellt, zur Verehrung des eucharistischen Brotes, zur Glorifizierung. Oft mit einem Triumphbogen für den "König der Könige". Wurden "Inszenierungen" verboten, wie beispielsweise die Darstellung der Himmelfahrt und des Pfingstgeschehens, die sich auch in den Kirchenrechnungen (1690) wiederfinden, so richtete man sich auch in Pullenreuth danach. Aber in der Bevölkerung liebgewordene Bräuche wurden später wieder aufgenommen.

Erster Beleg von 1704


Der erste Beleg für die Aufstellung eines heiligen Grabes in Pullenreuth stammt aus dem Jahr 1704. Spätere Eintragungen berichten von der Anschaffung von Kugelgläsern, mit denen mystisches Licht geschaffen wurde. Auch Kosten für den Abbau sowie für die Zeche der Arbeiter finden sich in der Kirchenrechnung.

Das heilige Grab in Pullenreuth war zweigeschossig konzipiert. Engel zierten die Vorderansicht, Palmen führten in die Tiefe - so war es üblich im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. Ein Modell aus den 1950er Jahren, das in der Pfarrkirche gezeigt wurde, gibt einen guten Überblick über die Ausmaße des reellen heiligen Grabes.

Hintergrund"Wir können das schaffen"

Pullenreuth. (lpp) Das heilige Grab von Pullenreuth, ein seltenes Zeugnis des Glaubens in der Region, lagert seit nunmehr rund 50 Jahren auf Dachböden und Speichern in der Gemeinde. Die Gesellschaft Steinwaldia mit ihrem Vorsitzenden Norbert Reger will in enger Zusammenarbeit mit Pfarrei und politischer Gemeinde sowie dem Amt für Denkmalpflege den Versuch einer Restaurierung wagen. Zu diesem Zweck begutachtete Dr. Verena Friedrich die Teile des Kulissengrabes, das teilweise auf Holz, teilweise auf Leinwand gemalt wurde. Norbert Reger nannte als Ziel, Hintergründe und Wissenswertes zum Grab und dessen Geschichte zu sammeln. Man wolle dann mit dem Amt für Denkmalpflege in Kontakt treten. Dies alles werde jedoch in enger Abstimmung mit dem Ordinariat und der Pfarrei mit Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung geschehen. Dem könnte sich eine Kostenermittlung anschließen. Erst danach könne man Zuschüsse beantragen und die Restaurierung, in Angriff nehmen.

"Das Projekt wird viel Geld, vielleicht zu viel Geld kosten", sagte Reger. Aber wolle man, dass das Grab kaputt gehe? Es sei eines der größten in Nordbayern. Er bot die Gesellschaft Steinwaldia für die Finanzierung und Restaurierung als Organisator an. "Pullenreuth kann stolz sein, so ein heiliges Grab zu haben, wir sollten uns unserer Vorfahren würdig erweisen", schloss Reger. Bürgermeister Hubert Kraus nannte den Vorschlag zur Restaurierung eine Chance. "Das ist ein einmaliger Schatz, darauf sollten wir stolz sein." Jetzt sei es eine gute Gelegenheit, das Grab zu restaurieren. Die Gemeinde werde das Projekt unterstützen, auch finanziell. Er sei begeistert von der Sache und kenne aus Erzählungen seitens seines Vaters das heilige Grab. "Zusammen können wir das schaffen", zeigte er sich überzeugt.

Das Grab in Pullenreuth wurde übrigens nicht in einem Stück angeschafft. Es war über 250 Jahre lang wichtiger Bestandteil des österlichen Geschehens in Nordbayern. Das heilige Grab wurde erweitert und erneuert und war im weiten Umkreis das einzige. Von weit her kamen Gläubige, um es anzuschauen. (lpp)
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