Pfarrer Dr. Dr. Zbigniew Josef Waleszczuk im Interview
"Die Oberpfalz ist eine Oase"

Pfarrer Dr. Dr. Zbigniew Josef Waleszczuk (rechts) feierte 50. Geburtstag. Der Geistliche freute sich sichtlich über die vielen Glückwünsche und Geschenke - auch von Bürgermeister Hubert Kraus. Bild: lpp
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Pullenreuth
08.02.2016
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Dr. Dr. Zbigniew Josef Waleszczuk ist katholischer Pfarrer von Pullenreuth und seit dem Wochenende ein echter Fünfziger. Der gebürtige Pole fühlt sich in der Region pudelwohl.

Viele Gratulanten machten am Freitag, Samstag und Sonntag dem beliebten Geistlichen ihre Aufwartung (wir berichteten). Unsere Mitarbeiterin Claudia Lippert führte ein Gespräch mit ihm:

Warum sind Sie aus Polen weggezogen?

Waleszczuk: Aus beruflichen und wissenschaftlichen Gründen. Ich wollte in Mainz Theologie und Philosophie studieren und eine Dissertation über Bischof Ketteler von Mainz schreiben. Die meisten Unterlagen gab es nur in deutscher Sprache. Ich hatte bereits viele Freunde und Studienkollegen in Deutschland und gute Kontakte nach Fulda. Ich absolvierte in Mainz auch mein Pfarrer-Examen.

Wann und warum sind Sie in Ihrem derzeitigen Wohnort gelandet?

Waleszczuk: Ich wurde als Pfarrer von Domdekan Franz Xaver Hirsch nach Pullenreuth versetzt, nachdem ich mich nach Bayern und hier in die Diözese Regensburg beworben habe. Die Bewerbung war 1999, die Pfarrei bekam ich 2000. Es hatte also berufliche Gründe.

Was ist typisch für die Region?

Waleszczuk: Die Menschen sind ganz freundlich, hilfsbereit, christlich, es herrscht eine gute Atmosphäre für einen Priester. Ich fühle mich hier sehr geborgen, geborgener als beispielsweise in Frankfurt. In Großstädten ist alles anonymer, gleichgültiger der Religion gegenüber. Hier herrscht keine Hektik, es ist hier Ruhe und Freiheit, ein Erholungsort, eine friedliche Atmosphäre. Die Steinwaldmenschen sind religiös, sehr naturverbunden. Die Leute in dieser rauen Natur sind bescheiden und haben viel menschliche Weisheit.

Weil sie alltäglich mit der Natur umgehen, haben sie eine gute Verbindung mit Gott. Ich merke, beispielsweise bei Krankenbesuchen, dass die Menschen hier noch viel beten und fromm sind, das beeindruckt mich sehr. Ich fühle mich hier wie zu Hause. Die Kultur und die Landschaft sind wie in meiner Heimat, nur die Sprache ist etwas anders.

Was vermissen Sie am meisten?

Waleszczuk: Nichts! Hier zu leben ist wie in meinen Kindheitserinnerungen in Polen. Besonders gefällt mir der Winter mit Schnee und Frost.

Auf was aus Ihrem Heimatland können Sie nicht verzichten?

Waleszczuk: Ich habe hier alles, ich vermisse nichts . Es gibt in Polen gute Wurst, aber die gibt es in Bayern auch. Meine Mutter gibt mir manchmal Brot mit. Ich sage, das braucht es nicht, denn wir in Bayern haben auch sehr gutes Brot.

Welche Tipps haben Sie für Menschen, die sich hier integrieren wollen?

Waleszczuk: Sie sollten offen sein für die Kultur und die Menschen hier, ohne Vorurteile. Den Menschen hier freundlich und lächelnd und mit Liebe begegnen, dann wird man gerne empfangen. Kontakte sind wichtig, den anderen als Partner achten. Die Sprache und die Kultur hier lernen. Eine Integration von Menschen aus anderen Kontinenten ist schwieriger, da sie beispielsweise mit den Temperaturen hier Probleme haben oder auch aus einer ganz anderen Religion kommen. Sie verschließen sich manchmal, bleiben unter sich, isolieren sich. Ein großes Glück ist es für Menschen, die sich integrieren wollen, wenn sie nach Bayern, und hier besonders in die Oberpfalz kommen. Die Oberpfalz ist eine Oase.
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