Rauhnächte im Fichtelgebirge
Kein Platz für Angsthasen

Auf dem Sagenweg können sich die Besucher den Sagengestalten nähern, schaurige Gesellen sind dann unterwegs.
Vermischtes
Pullenreuth
28.12.2015
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Marianna Weyh (im Bild) hat zusammen mit Angelika David, Christa Bidmon und Carola Stöckl Kostüme für die Rauhnacht genäht. Bilder: lpp (4)

Wenn die Nächte am längsten sind und die Tage kaum hell werden, öffnen sich Tore zu anderen Welten. Das war schon immer so. Ganz besonders in grauer Vorzeit. Angst und Mystik formten sich zu schaurigen Geschichten. Nun leben an der Glasschleif die Rauhnächte wieder auf.

/Glasschleif. Brausende Winde und Stürme, unerklärliche Geräusche im dunklen Wald und die Gefahren bei schweren Arbeiten dürften die Grundlagen für die Geschehnisse der Rauhnächte sein. Oder gab und gibt es hier etwas, dass die heute lebenden Menschen in ihrer schnelllebigen Zeit nicht mehr spüren? Ist alles nur altes Gerede? Vielleicht spürt manch einer doch, dass es hier "umgeht".

Lärm und Angst


In den Rauhnächten, den zwölf Nächten zwischen Weihnachten und Dreikönig, sind die Auslegungen regional verschieden, stehen die Tore zu anderen Welten offen. Die wilde Jagd, auch der wilde Jäger oder der Teufel, wie man es eben auslegen mag, fährt mit seinem Gefolge lärmend und Angst verbreitend durch die Wälder, meuchelt und schlägt nieder, gewährt aber auch Blicke in die Zukunft. Die Hulla, der Hoimann, die Drut und viele sagenhafte Gestalten, vogelartige Waldgeister, grau behaarte Moosweiblein, umgehende Seelen, die keine Ruhe finden, von ihren Schandtaten erlöst werden wollen. Damit diese Sagen nicht in Vergessenheit geraten, hat die Gesellschaft Steinwaldia das Thema in mehreren literarischen Werken seit vielen Jahren immer wieder aufgegriffen. Seit einigen Jahren lädt sie an den Tagen zwischen Weihnachten und Silvester auf das Areal der Glasschleif am Fuße des Steinwalds unweit von Arnoldsreuth zur Rauhnacht ein.

Am 30. Dezember


Bei der Rauhnacht am 30. Dezember (siehe Kasten auf dieser Seite) wollen die Akteure den Besuchern einige der Sagengestalten näher bringen. Ein kleiner Stab Mitglieder hat aus einer großen Zahl von Geschichten, die es in den Regionen des Steinwalds, des Fichtelgebirges und am Waldstein in allerlei Formen gibt, vier ausgewählt und aufgearbeitet. Die Familien Primitz, Gärtner und Lippert haben mit der Unterstützung zahlreicher Helfer Spielsequenzen vorbereitet.

Die Besucher sind eingeladen, sich der Sagenfigur zu nähern, sich ihr Wesen erklären zu lassen. Bei der Rauhnacht wird zum Beispiel das Moosweiblein, ein hilfsbereiter, heilkundiger Waldgeist, seine Tatkraft unter Beweis stehen. Verloren und schwer beladen muss der Grenzsteinverrücker nach seinem Tode am Feldrain umherirren, bis ihn ein goldiges Sonntagskind erlöst.

Aber auch die Geschichte um die Uhr, die nach dem "Boinaraitha Mou" geht, ist jüngeren Generationen vermutlich nicht mehr bekannt. Und mit dem Handwerksburschen, welcher unerschrocken die Rauhnacht nutzt, können die Besucher einen Blick in die Zukunft werfen.

Die Vorbereitungen waren arbeitsintensiv. Masken wurden gebastelt, damit die wilde Jagd losgehen kann. Dazu fertigten Helfer passgenaue Gesichtsabdrucke an und gestalteten diese mit Farben, Federn, Moos, Stoffen und Gehörn. In der heimischen Kellerwerkstatt von Thomas Lippert wurde gefräst, geklebt und geschraubt. So ein wilder Jäger, ein Percht oder ein weiblicher Waldgeist braucht natürlich auch ein Gewand. Spontan erklärten sich Marianne Weyh und ihr Schneiderinnen-Team zur Mitarbeit bereit.

Mit Nadel und Faden


Mit kreativen Nähideen, vorhandenen Kleidungsstücken und guten Ideen kleideten die Damen den wilden Jäger, die wilden Treiber und Holzfräulein ein. Pelze und Mützen, Überwürfe und Stiefelgamaschen - es gibt nichts, was die versierten Näherinnen nicht zustande brachten - bei einem Bierchen und viel wärmendem Tee.

Die Holzbearbeiter der Gesellschaft Steinwaldia bastelten Hinweisschilder, Klaus Filbinger entwarf die Bilder auf den Infotafeln. Claudia Lippert und Andrea Primitz mit ihren Töchtern beschrifteten und gestalteten die Tafeln, die bei den Stationen kurze Auskünfte geben sollen. Im Vorfeld hatte die Steinwaldia zu Wachs- und Kerzenspenden aufgerufen. Viele folgten dem Aufruf und lieferten ihre Stumpen ab. Daraus wurden von Harald und Andrea Primitz und Dietmar Gärtner mehrere Dutzend Feuerdosen gegossen, damit dann bei der Rauhnacht das Gelände mit offenen Feuern passend illuminiert werden kann.
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