Wie die Seelen im Wind

Norbert Hübsch aus Bayreuth entführte in die gruselige Sagenwelt der Rauhnächte. Kräuterfrau Gabriele Greger aus Nagel berichtete allerhand Wissenswertes über das Räuchern. Bild: lpp
Vermischtes
Pullenreuth
13.01.2016
52
0

Die Welten sind offen in den Rauhnächten. Genau dahin nahm Norbert Hübsch die Besucher einer Lesung der Gesellschaft Steinwaldia auf der Glasschleif mit. Gar gruselig war's.

In der gut geheizten und nur vom Licht einiger Kerzen erhellten Gaststube lauschten die Gäste den Kämpfen zwischen guten und bösen Geistern und vertrieben die Bösen durch laute Geräusche mit Glocken, Schellen und Donnergetöse. Für die Guten waren die Kerzen entzündet.

Norbert Hübsch, beruflich bei der Stadt Bayreuth tätig und Geschäftsführer des historischen Vereins Oberfranken, erläuterte, wie man früher versuchte, den Geistern zu entkommen. "Im Wind sind die Seelen der Toten unterwegs".

Sprache der Tiere


Norbert Hübsch ging auf die Zukunfts-Orakel ein, erzählte vom "Horchen gehen" in der heiligen Nacht und berichtete von der Fähigkeit der Tiere, ob in Stall oder Wald, in den Rauhnächten sprechen zu können. Hübsch berichtete vom Spinn-Verbot und der Bestrafung durch Frau Holle oder Hulla, erläuterte die Figur des Moosweibleins und dessen ärgsten Widersachers, des wilden Jägers. Die Wilde Jagd brauste auch durch Witzlasreuth. In einer Sage, die Hübsch vortrug, tummelten sich unweit von Nagel zahllose Hasen auf dem Feld, beobachtet von einem Wanderer, der die Christmette nicht besucht hatte. Eine gruselige Geschichte des Nachtwächters von Weißenstadt gab es zudem. Die Deutungen der Sagen im Hinblick auf die heidnischen Feste und Bräuche und später die christlichen Feste sprach Norbert Hübsch an: Die Sagen berichten von mythologischen Gestalten oder sind Erinnerungen, Wahnsinnstrugbilder. Nach dem Ausflug in die Sagenwelt übernahm Kräuterfrau Gabriele Greger aus Nagel. Sie gab Informationen zum Räuchern im Jahreskreis. Zu den Tugenden des Räucherns gehöre die Reinigung von Körper, Geist und Seele, Negatives könne "weggedampft", die Achtsamkeit gestärkt und Frieden in den Alltag gebracht werden.

Gabriele Greger stellte geeignete Räuchergefäße vor. Man benutze zum Räuchern Kräuter und Harze. Personen könnten beräuchert werden und Häuser. Sie ging auf das Räuchern im Jahreskreis ein und nannte die Wirkstoffe der verschiedenen Kräuter, wie Salbei, Engelwurz, Beifus, Dost, Eisenkraut, Fichten- und Lärchenharz, Weihrauch, Heublumen und Holunder, um nur wenige zu nennen. Sie gab allen Anwesenden eine Räuchermischung zum Hausräuchern mit nach Hause. Sie lud zu den Veranstaltungen im Kräuterdorf Nagel ein.

Anmeldung für Stoffdruck


Thomas Lippert, der zweite Vorsitzende der Gesellschaft Steinwaldia, dankte beiden Referenten für ihre Vorträge und überreichte zusammen mit Vorsitzendem Norbert Reger ein Buchpräsent. Die Gesellschaft Steinwaldia lädt am Samstag, 27. Februar, zum Stoffdrucken mit alten Holzmodeln ein. Beginn ist um 14 Uhr. Anmeldung unter Telefon 09234/6110.
Weitere Beiträge zu den Themen: Rauhnacht (10)Steinwaldia (8)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.