Horavths Tragödie "Der jüngste Tag" mit skurril-komödiantischen Zügen am Theater Regensburg
Schicksalshafte Begegnung am Bahnsteig

Anna (Janina Schauer) und Stationsvorstand Hudetz (Frerk Brockmeyer) bei ihrem verabredeten Treffen unter der Eisenbahnbrücke. Bild: Schlechter
Kultur
Regensburg in der Oberpfalz
20.11.2013
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Ödön von Horvaths 1937 in Mährisch-Ostrau uraufgeführtes Schauspiel "Der jüngste Tag" ist eigentlich eine Tragödie, trägt in Teilen aber auch skurril-komödiantische Züge. Das macht jede Neuinzenierung nicht gerade leicht, gilt es doch diese kontrastierenden Charakterelemente auf eine sinnvolle Art zu verbinden.

Skurril und satirisch

Aber Regisseur Dominik von Gunten schafft das in seiner jetzigen Inszenierung am Theater Regensburg auf eine fesselnde Weise. So kann man im Theater am Bismarckplatz eine ebenso berührende wie unterhaltsame Produktion erleben. Die skurrilen und satirischen Passagen, die sich vor allem am Beginn des Stücks befinden, aber auch später immer wieder zwischendurch auftauchen, bekommen durch raffinierte Details der Regie ein gutes Gegengewicht zum tragischen Geschehen des Stoffes und fügen sich dennoch auf originelle Art in diesen ein.

Das beginnt schon mit der Art wie Frau Leimgruber Dehnübungen macht, während auf dem Bahnsteig längere Zeit bei den handelnden Figuren rein gar nichts passiert, oder wie der Vertreter über seinen Aktenkoffer steigt. Ebenso originelle Details liegen im Umfunktionieren der Drogerie-Ladentheke zu einem Esstisch, an welchem Alfons und seine Schwester das Abendessen einnehmen sowie in den Tuschs der Blaskappelle und anderen kabarettartigen Unterbrechungen, welche die Lobrede des Wirts vom "Wilden Mann" auf den Stationsvorstand immer wieder unterbrechen.
Dann aber sind da auch die tragischen Momente, die in dieser Regie fesselnd aufwühlen können. Als Mittel dienen hier unter anderem harte industrielle Metall-Perkussionsgeräusche, wie beim Zusammenstoß der beiden Züge, bei welchem man dank der originell offen gestalteten Umbauten der Bühnenbilder die Perkussionisten sieht, wie sie auf den Metallschrott des Zugunglücks hämmern.

Man könnte hier noch viele kreative Details nennen, die für die hohe Qualität dieser Inszenierung sorgen. Dazu gehört auch die Gestaltung der Bühnenbilder von Ansgar Silies, welche die offenen und schnellen Umbauvorgänge ermöglichen.

Großes Lob

Den zahlreichen Bühnenakteuren muss man geschlossen großes Lob aussprechen für ihre ausdrucksstarke Umsetzung der Figuren und ihre bis in die emotionalen Ausbrüche noch verständliche Artikulation. In erster Linie gilt das für Frerk Brockmeyer als Stationsvorstand Hudetz, Franziska Sörensen als Frau Hudetz, Michael Heuberger als ihr Bruder Alfons, Janina Schauer als Anna und Stefan Mascheck als Ferdinand. Lob gebührt aber auch den Musikern der Blaskapelle.

Der Applaus bei der Premiere im gut gefüllten Theater fiel zurecht intensiv und anhaltend aus.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.theater-regensburg.de
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