Klanginstallationen des Profi-Sängers und ehemaligen Domspatzen Alois Späth - Obertöne im ...
So klingt Regensburg

Klanginstallateur Alois Späth: An den Schmied in der Kallmünzer Vilsgasse, in dessen Haus im Felsen 1964 bei einem Felssturz ein Kunde ums Leben kam, erinnern die beiden großen Eisen-ringe mit Schraubstöcken - das hierauf übertragene Verkehrsrauschen klingt täuschend echt wie die Geräuschkulisse in einer Schmiede. Bilder: Herda:
Lokales
Regensburg in der Oberpfalz
15.11.2012
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Klanginstallateur Alois Späth: An den Schmied in der Kallmünzer Vilsgasse, in dessen Haus im Felsen 1964 bei einem Felssturz ein Kunde ums Leben kam, erinnern die beiden großen Eisen-ringe mit Schraubstöcken - das hierauf übertragene Verkehrsrauschen klingt täuschend echt wie die Geräuschkulisse in einer Schmiede. Bilder: Herda:
"Man hört seine Schritte hallen, dann geht man ums Eck, kurz vor der Einmündung macht die rechte Hauswand so einen Bauch", beschreibt er einen Halbkreis mit der Hand, "und wenn man durch diesen Raum geht, bekommen die Schritte eine bestimmte Tonhöhe - akustisch nennt man das Raummode, die Eigenschaften stehender Wellen mit einer Eigenfrequenz wie beim Obertonsingen."

Zu viel Heiliger Gral

So also klingt das Einhorngässchen nachts um halb eins für einen Musiker mit feinem Gehör: passend zum klingenden Namen singend. Aber Späth hört nicht nur das verspielt Romantische, ganz im Gegenteil: "Mir ist das fast schon zu viel Heiliger Gral, die Stadt versucht sich mittelalterlich zu verklären wie Rothenburg ob der Tauber - wir leben aber in der Postmoderne und da gibt es eben Verkehr, Industrie und Maschinen."

Die Maschinenwelt hat Späth mit einer Klanginstallation in der Minoritenkirche eingefangen und transformiert: "Wenn man in der Altstadt durch die Gassen geht und die Ohren spitzt, hört man an allen Ecken das Rauschen der Abluft aus dem Abzug der unzähligen Kneipen."
Je nach Beschaffenheit der Wände und Breite der Straßen höre sich das unterschiedlich an. "Auch das ist typisch für Regensburg mit seiner hohen Gastrodichte." Das Rauschen der Kneipenluft übertrug er im hohen Raum der gotischen Kirche auf die Glocken als Resonanzkörper - und schon bekamen die technischen Dronegeräusche ein Gewand aus zarten Akkorden.

Einen "Akustischen Führer durch Regensburg" würde er gerne auf seiner künftigen Homepage anbieten: "Mit Podcasts, Bildern, Texten, technischen Zeichnungen, so ungefähr wie in Leonardos Skizzenbüchern."

Unbedingt mit da rein müsste eine Stelle an der Eisernen Brücke: "Wenn Sie am Ende der Brücke, gegenüber dem modernen Schiffshaus, vor einem Betonklotz mit Schiebetor seltsame Gestalten sehen", warnt Späth Passanten, "machen Sie sich keine Sorgen, es sind bestimmt Bekannte, die dem von mir entdeckten Phänomen nachspüren." Es ist, natürlich, zappenduster und am besten regnet es auch noch. Ein Auto fährt vom Donaumarkt kommend über die Brücke, um die Kurve und verschwindet im akustisch toten Winkel: "Plötzlich hört man ganz hinten aus der Steinwand ein Meeresrauschen als Reflexion - faszinierend!"
Wie John Cage, der Ahnherr der Klangkünstler, macht auch der Zeitlarner keinen Unterschied zwischen "guten und schlechten Geräuschen", vor seinem Ohr sind alle Töne gleich: "Für mich als Musiker hat sich mit dem Studium ein neuer Horizont aufgetan - im Gegensatz zum abgeschlossenen Konzertraum ist da draußen ein Universum an Geräuschen, elektrisches Brummen von Maschinen, Wind, Vogelgezwitscher, die uns umgeben und beeinflussen."

Rheingold im Bayerwald

Aktuell unterstützt der Lehrbeauftragte der Hochschule Deggendorf den international gefragten Bariton Thomas Bauer, der 2014 Wagners Rheingold mit Video- und Klanginstallationen im Bayerischen Wald aufführen möchte. "Ich bin Bindeglied zwischen Festivalleitung und Hochschule, mit deren Medientechnik-Studenten ich Klangkollagen erarbeite." Langfristig möchte Späth, der auch auf der Ars Electronica in Linz ausstellte, seine Installationen fit für den Galerienmarkt machen: "Bisher waren meine Werke ortsspezifisch, künftig möchte ich sie mobiler gestalten."
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