Peter Trepnau zur Entwicklung des Regensburger Immobilienmarktes - Toplagen und Trends
Altstadt ist, wenn man den Dom noch sieht

Wir sind eine Stadt der kurzen Wege, man kommt schnell ins Zentrum. Wenn man den Dom noch sieht, gehört"s zur Altstadt. (Peter Trepnau)
Lokales
Regensburg in der Oberpfalz
17.11.2011
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Der Euro kriselt, die verunsicherten Anleger investieren in Gold und Immobilien. Dieser Trend lässt sich an der Immobilien-Preisentwicklung der Boomtown Regensburg deutlich ablesen. Ist es da nicht schon zu spät, um auf den fahrenden Zug aufzuspringen? "Eindeutig nein", meint dazu Peter Trepnau, Geschäftsführer der gleichnamigen Unternehmensgruppe: "Immobilien haben nie die Renditen, aber auch nicht die Risiken wie Aktien - eine grundsolide Form der Anlage mit nachhaltigem Ertrag um die vier Prozent."

In den letzten fünf Jahren seien die Preise auf dem Regensburger Immobilienmarkt durchschnittlich um fünf Prozent gestiegen: "Der Grund dafür ist nicht nur die Euro-Krise, der Standort ist für sich interessant." Laut jüngster Focus-Analyse gehöre Regensburg zu den "wirtschaftlich starken Städten mit moderaten Preisen". "Entgegen der demografischen Entwicklung wächst Regensburg um 1000 bis 1500 Einwohner im Jahr", sagt der 49-Jährige, "Wohnraum wird also nachgefragt." Die Welterbe-Stadt mit dem breitgefächerten Spektrum an Industrie und Dienstleistung ziehe auch Unternehmen und Führungspersonal magnetisch an.

Mitten rein oder Stadtrand?

Wer selbst einen Wohnsitzwechsel an die Donau in Betracht zieht, hat die Qual der Wahl: mitten rein ins Vergnügen oder lieber an den vornehmen Stadtrand? Klar, in der guten Stube kommen Mittelalter-Liebhaber auf ihre Kosten. Aber etwas Leidensfähigkeit müssen Romantiker mit einkalkulieren: Parkplätze sind Mangelware, auf den Piazzas herrschen italienische Verhältnisse bis in die Morgenstunden und wenn die Donau schwillt, bekommen die Anrainer nicht nur nasse Füße. Dennoch, für Trepnau ist die Altstadt das "Spektakulärste, was Regensburg zu bieten hat. Wer in der Altstadt wohnt, muss die Fußgängerzone zu seinem Balkon erklären." Dazu kämen die Donauauen sowie die vielen Parks vom Villapark im Osten bis zum Herzogspark im Westen. "Da hat unser Fürstenhaus viel dazu beigetragen", lobt er die Vorfahren der Schlossherren. Die City wird flankiert von zwei Edelwohnlagen, die Westner- und die Ostnerwacht, benannt nach den ehemaligen Verwaltungsbezirken.

"Der Innere Westen rund um die Prebrunnallee ist für mich nach wie vor die Toplage", meint Trepnau. "Was sich weiterentwickelt hat und wird, ist der Osten, das kann man nicht außer Acht lassen." Auch jenseits des Ostentors seien attraktive Wohnlagen entstanden: "Das hat absolut gewonnen durch die Schließung der Zuckerfabrik und des Schlachthofs, so schade das um die Arbeitsplätze war." Auch andere Viertel hätten eine Aufwertung erlebt: "Ich bin in der Konradsiedlung aufgewachsen", bekennt der Regensburger. Auch wenn es, wie andernorts auch, immer noch einzelne Brennpunkte gebe, sei es zu Unrecht im Ruch eines Glasscherbenviertels.

Hafen oder Hochhaus?

Hamburg und London haben ihre Docks im Hafen, welche "Locations" würde der Immobilien-Experte in Regensburg als besonders hip bezeichnen? "Das Marina-Quartier klingt ein wenig danach, aber ich glaube nicht, dass es diesem Anspruch genügt. In Hamburg lebt man wirklich am Hafenbecken, da fährt die Queen Mary am Schlafzimmerfenster vorbei, und man denkt sich: ,Haben's da über Nacht ein neues Haus gebaut mit acht Geschossen'?"

Trepnau verweist dagegen auf die atemberaubenden Ausblicke vom Galgenberg, ja selbst vom Diedrichshochhaus beim Jahn-Stadion oder von den Wolkenkratzern in Königswiesen: "Das muss man sich vorstellen, so etwas kommt nie wieder." Überall in der Stadt entstünden neue, interessante Projekte wie in der Nibelungenkaserne - "ein irres Baugebiet". Stadtamhof, Steinweg, Reinhausen, der gesamte Speckgürtel sei wohn- und lebenswert: "Wir sind eine Stadt der kurzen Wege, man kommt schnell ins Zentrum. Wenn man den Dom noch sieht, gehört's zur Altstadt."

Studenten und Senioren

Wer den Kauf einer Studentenbude für seinen akademischen Nachwuchs in Betracht zieht, sollte laut Trepnau darüber nachdenken, ob das Appartement noch Zukunft habe. "Ich weiß, die Eltern meinen es gut und suchen etwas in Uninähe, die Studenten wollen es aber Altstadt-nah. Ich persönlich sehe die Zukunft eher in der WG-fähigen Wohnung, die anschließend besser zu vermitteln ist."

Keine Scheu sollten potenzielle Senior-Käufer haben, ihre Bedürfnisse für den Alterswohnsitz zu formulieren: "Barrierefreiheit ist Standard, ein Drittel der Wohnungen müssen das nach bayerischer Bauordnung ohnehin sein, wenn auch nicht nach DIN." Weiterhin seien Parkmöglichkeiten direkt am Objekt entscheidend. "Spannend sind meines Erachtens nicht die sogenannten Service-Wohnungen, sondern Objekte mit guter Anbindung, sozialer Infrastruktur und Nähe zum Zentrum."
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