Gesellschafter sollen Kapitalerhöhung von vier Millionen Euro möglich machen
Jahns plötzlicher Millionensegen

Sportchef Christian Keller (links) mit einem der vier Neuzugänge, Gregory Lorenzi. Erkauft sich der Verein jetzt mit Gesellschafterkapital den Klassenerhalt?
Sport
Regensburg in der Oberpfalz
28.10.2014
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Bei der außerordentlichen Gesellschafterversammlung der SSV Jahn 2000 Regensburg GmbH & Co. KGaA am Mittwoch, 29. Oktober, geht es um viel Geld. Für die Verhältnisse des Tabellenletzten der Dritten Fußballbundesliga sogar um sehr viel Geld.

Die Gesellschafter sollen laut Einladung folgendem Beschluss zustimmen: „Das Grundkapital der Gesellschaft wird im Wege der Barkapitalerhöhung von 5 Millionen 240 000 Euro um bis zu 4 Millionen auf bis zu 9 Millionen 240 000 Euro erhöht.“ Die neu ausgegeben Aktien seien ab 1.1.2014 gewinnberechigt.

Der Verein wollte sich zu Fragen unserer Zeitung, wer das Geld aufbringe und wozu es verwendet würde, nicht äußern, weil es sich nicht „um eine Kapitalerhöhung sondern nur um die Schaffung der Möglichkeiten zukünftig eine durchführen zu können“ handle – eine sehr feine Unterscheidung.

Kapital zieht Kapital an

Wozu man dann freilich einen Beschluss in dieser Größenordnung braucht, wird sehr vage beantwortet: „Durch diesen Vorratsbeschluss soll die SSV Jahn 2000 Regensburg GmbH & Co. KGaA in die Lage versetzt werden, die mit Bau und Bezug der Continental Arena einhergehenden neuen wirtschaftlichen Handlungsoptionen auch investorenseitig nutzen zu können und potenzielle Investoren für den Club zu akquirieren.“ Eine Kapitalerhöhung um Investoren anzulocken?
Eine Sicherheitsklausel hat der potenzielle Geldgeber in die Beschlussvorlage eingeflochten: „Der Beschluss wird ungültig, wenn nicht bis zum Ablauf des 31.12.2014 neue Aktien mit einem Grundkapital von mindestens einer Million Euro gezeichnet sind.“

Tatsache ist, dass nach der Krisensitzung des Aufsichtsrats am 7. Oktober, nach der mit Günther Roggenhofer ein Mitglied des Gremiums zurückgetreten war, bereits Gelder für die Verstärkung der Mannschaft bereitgestellt wurden: „Auf Beschluss der Gremien können hierfür aufgrund seriösen Wirtschaftens und durch kurzfristig bereitgestellte Sponsorengelder vorhandene Mittel verwendet werden.“ Seitdem wurden innerhalb von zwei Wochen vier erfahrene und wohl auch nicht ganz billige Spieler – Hesse, Palionis, Lorenzi und Sinkiewicz – verpflichtet.

„Mit so viel Geld wären wir aufgestiegen“

Ex-Trainer Thomas Stratos, nach der vergangenen Saison trotz Erreichens der sportlichen Ziele geschasst, staunt ob dieser wunderbaren Geldvermehrung nicht schlecht: „Wenn ich daran denke, wie wir vor wichtigen Spielen vergeblich um Hunderter-Beträge bettelten, um zumindest bei weiten Anreisen ein Hotel zu beziehen, damit die Mannschaft optimal vorbereitet ins Spiel gehen kann“, pfeift der Deutschgrieche durch die Zähne.

Sportchef Christian Keller habe vor der Saison ihn und vier wichtige Spieler bewusst aus dem Verein gedrängt, um eine Mannschaft nach seinen Vorstellungen zu formen. „Wenn jetzt noch vor der Winterpause so eine Kapitalerhöhung nötig ist, dann ist das ein Eingeständnis des völligen Scheiterns.“ Hätte er diese Mittel zur Verfügung gehabt, „hätten wir um den Aufstieg mitgespielt“.