Klaus Augenthaler neuer Trainer in Donaustauf
Weltmeister an der Angel

Gut drauf: Klaus Augenthaler spielt nach seiner Vorstellung als neuer Trainer des Bezirksligist SV Donaustauf mit einem Fußball. Bild: dpa
Sport
Regensburg in der Oberpfalz
18.02.2016
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Klaus Augenthaler fängt noch mal unten an. Der Weltmeister von 1990 wird künftig einen Oberpfälzer Siebtligisten coachen. Nach langer Abstinenz ist der ehemalige Bayern-Star wieder im Trainergeschäft. Und "Auge" kommt endlich wieder zum Fischen.

Was treibt einen ehemaligen Fußball-Weltmeister und Bundesligatrainer an, bei einem Bezirksligisten anzuheuern? Klaus Augenthaler, ab der Saison 2016/17 neuer Chefcoach des SV Donaustauf, gibt teils überraschende Antworten.

Für einen gemächlichen Bummel ist das Donau-Einkaufszentrum im Regensburger Norden am Donnerstagnachmittag der falsche Ort. Zwischen einem Geschenkeladen und einem Modegeschäft ist eine Pressetribüne aufgebaut, drumherum lauern Dutzende Journalisten, Vereinsvertreter und Schaulustige auf den "erfahrenen Bundesligatrainer", der hier laut Presseeinladung vorgestellt werden soll. Längst ist durchgesickert, dass es sich um Klaus Augenthaler handelt, Fußball-Weltmeister von 1990 und langjähriger Bundesligatrainer.

Gar nicht dünnhäutig


Augenthaler hatte nicht immer ein gutes Verhältnis zu den Medien. Legendär ist eine Pressekonferenz von 2007, als er noch Trainer beim VfL Wolfsburg war. Er stellte sich selbst vier Fragen, die er kurz beantwortete - und verließ zur Verblüffung der Reporter nach 42 Sekunden die Bühne. Alles andere als dünnhäutig, sondern bodenständig und aufgeschlossen präsentiert sich der 58-Jährige am Donnerstag in Regensburg. Den "Hype" um sein Engagement in der Oberpfalz habe er überhaupt nicht erwartet, sagt der langjährige Profi des FC Bayern. Bedenken, dass er heute wieder selbst Fragen stellt und Antworten gibt, müssten die Journalisten nicht haben, schmunzelt er.

Warum der SV Donaustauf? Das ist die Frage, die im Raum steht. Umso mehr, als Augenthaler selbst angibt, noch in dieser Woche ein Angebot von einem Erstligisten aus dem Ausland bekommen zu haben. Drei Gründe hat der gebürtige Niederbayer parat: der ambitionierte Club, ein geplantes soziales Projekt - und das Angeln. Letzteres Hobby habe ihn seit 1989 immer wieder in den Raum Regensburg geführt, im vergangenen Jahr habe er es aber zu seinem Leidwesen kein einziges Mal hierher geschafft.

Im vergangenen Jahr war ich kein Mal zum Fischen in der Gegend. Das wollte ich ändern.Klaus Augenthaler

Um was es bei dem geplanten sozialen Projekt geht, will Augenthaler noch nicht verraten. Zusammen mit den Sponsoren des SV Donaustauf plane man jedenfalls, eine soziale Einrichtung zu unterstützen. Für den Ex-Weltmeister ein "entscheidender" Grund, in die Oberpfalz zu kommen. Ein Besuch in einem Waisenhaus in der Weihnachtszeit habe in ihm den Wunsch ausgelöst, zu helfen.

Liebe zum Fußball


Nicht zuletzt sei es einfach die Liebe zum Fußball, die ihn nicht loslässt, sagt Augenthaler. Da sei es egal, ob es sich um Profi- oder Amateurkicker handle. Sein letztes Trainerengagement beim damaligen Drittligisten SpVgg Unterhaching liegt viereinhalb Jahre zurück. Den Kontakt zum Verein habe im Übrigen nicht der bekannte Donaustaufer Physiotherapeut Klaus Eder hergestellt, wie viele vermuteten, stellt Augenthaler klar, sondern "ein ehemaliger Jugendspieler, der in der Nähe wohnt".

Was sagen die aktuellen Trainer Thomas Semmelmann und Andreas Vilsmaier dazu, dass ihnen mit Augenthaler ein neuer Chefcoach vor die Nase gesetzt wird? "Das ist eine Riesenehre für uns", betont Semmelmann. Ziel der nächsten zwölf Spiele sei es, die Tabellenführung zu behalten, um Augenthaler den Einstieg möglichst in der Landesliga zu ermöglichen.

Leicht ergraute Männer


Als die meisten Journalisten und Kamerateams schon wieder abgezogen sind, schreibt Augenthaler immer noch Autogrammkarten - die bereits mit dem Donaustaufer Vereinsemblem versehen sind. Meist sind es schon leicht ergraute Männer, die um eine Unterschrift bitten und ihr Glück gar nicht fassen können: Ihr Weltmeister von 1990 arbeitet jetzt in der Ortschaft nebenan.
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