Nach Berlin-Frust: Jahn-Coach Stratos denkt nur noch an Duisburg
Mit Siegeswillen zum starken MSV

Trainer Thomas Stratos kann nicht mehr hinsehen: nicht etwa, weil das Spiel seiner Jungs so schlecht gewesen wäre, aber der Innenpfosten war an diesem Abend kein Regensburger.
Sport
Regensburg in der Oberpfalz
07.08.2013
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Trainer Thomas Stratos kann nicht mehr hinsehen: nicht etwa, weil das Spiel seiner Jungs so schlecht gewesen wäre, aber der Innenpfosten war an diesem Abend kein Regensburger.

Das hätte der Kasse gut getan: 20 Prozent des Etats auf einen Streich. Und mit einem Bein standen die Regensburger ja auch schon in der Verlängerung. Doch dann hatte der verflixte Innenpfosten Einwände und Aus der Traum von der zweiten Hauptrunde. Ganz genauso erging es dem MSV gegen Paderborn – 2:3 nach verschossenem Elfer. Die beiden starken Verlierer möchten am Samstag, 14 Uhr, auf dem Platz einiges zurechtrücken.

Herr Stratos, alle waren voll des Lobs, nur die Hände blieben leer – wie stark schmerzt die unnötige 1:2-Niederlage auch wegen der entgangenen schönen 250.000 Euro?

Stratos: Bis gestern tat’s richtig weh – wenn Sie’s nicht erwähnt hätten, hätte ich es jetzt fast mal fünf Minuten vergessen … Nein, im Ernst. Klar denkt man erst die ganze Zeit, „hätte man“, „könnte man“ – aber das bringt halt auch nichts. Seit heute bereite ich mich auf Duisburg vor und auf nichts anderes.

Apropos 250.000 Euro: Das Geld wäre gerade recht gekommen für die geplante Neuverpflichtung eines Stürmers. War das Ihre Idee und wird jetzt das Gegenstück zu Romas Dressler, also klein und flink gesucht?

Stratos: Ok, das ist jetzt aber nicht neu, dass wir uns da am Markt orientieren, und das ist keine Reaktion auf das Spiel gegen Berlin. Wir hatten jede Woche Spieler da, die wir uns angesehen, die wir wieder nach Hause geschickt und gesagt haben: Wenn sich im Kader was ergibt, kommen wir vielleicht nochmal auf euch zu.

Es gibt also noch keine engere Auswahl?

Stratos: Wir hatten schon einige im Training vor zwei oder drei Wochen, die auf der Liste stehen. Aber wir haben noch Zeit bis zum 31. August. Jetzt suchen wir konkret jemanden für die Offensive, weil Weidlich weg ist und wir den Kader auf etwa 22 Mann auffüllen wollen. Aber auf welchen Spielertypen genau, da haben wir uns noch nicht festgelegt.

Wie werten Sie die Gegentreffer der Berliner: Die Handball-Runde um den Strafraum nach der Ecke, hätte man da früher stören können? Und beim Tempogegenstoß fehlte wohl nicht nur einer?

Stratos: Als der Ball quer gespielt wurde, hätten wir rauskommen müssen, da waren wir etwas überrascht. Solche Tore dürfen nicht fallen, aber sie fallen halt, nicht, weil die das so gut gemacht hätten: Der eine hat den Ball in den 16er gestolpert, der andere stand richtig. Beim zweiten Tor haben wir den Fehler gemacht, dass wir das Aufbauspiel nicht richtig unterbunden haben. Der Gegner hat uns rausgelockt, das haben die ganz geschickt gemacht. Das war mehr aus dem Frust heraus, dass wir das 1:1 kassiert haben. Statt uns fallen zu lassen, waren wir etwas naiv, und dann war es einfach für den Gegner – das muss man von so einer Mannschaft aber auch erwarten können.

Mich wundert etwas, dass Sie die Premiere von Dimitrios Anastasopoulos eher negativ bewertet haben – fürs erste Mal waren doch einige feine Vorarbeiten dabei?

Stratos: Wenn Sie sagen, es war fürs erste Spiel o.k., kann ich das unterschreiben. Aber ich bin jemand, der, je nach persönlicher Situation, andere Erwartungen hat. Dimitrios war ja jetzt nicht ewig verletzt. Von einem Spieler wie ihm erwarte ich mehr Dominanz, mehr Spielführung. Ich sage den Spielern auch immer: Egal, was ihr von außen hört, der einzig relevante Kritiker bin ich.

Apropos Kritik: Sie haben sich bisher immer vor Romas Dressler gestellt – diesmal haben Sie ihn schon zur Halbzeit vom Platz genommen.

Stratos: Romas hat seit Wochen Leistenbeschwerden. Ich wollte nicht, dass er sich weiterquält. Er hat sich bisher immer in den Dienst der Mannschaft gestellt, am Wochenende wird er jetzt nicht dabei sein. Wir gönnen ihm die nächsten Tage ein langsames Aufbautraining.

Wie fit ist der Rest der Mannschaft?

Stratos: Aias Aosman hat einen Schlag auf den Knöchel bekommen, der war schön blau. Er hat sich bis heute ausgeruht, das reicht dann auch wieder. Morgen wird er ins Training einsteigen.

Die Gelbrote Karte für Bastian Nachreiner zählt ja zum Glück nicht fürs Ligaspiel – ansonsten gibt’s nach der Leistung vom Montag keinen Grund umzustellen?

Stratos: Ja, Bastian darf spielen, Karten aus dem Pokal zählen nicht. Die einzige Position, die wir ändern müssen, ist wie gesagt vorne – da mache ich mir die nächsten Tage noch Gedanken. Was das Spiel betrifft, hatten wir uns fest vorgenommen, von Anfang an voll da zu sein. Wenn man das dann so umsetzt und mit dem Druck so gut umgeht, ist das schon positiv.

Und eine Garantie für verwandelte Elfer gibt’s halt leider nicht – wir hoffen mal, es geht Mario Neunaber nicht wie Abdenour Amachaibou, der nach seinem verschossenen Elfer im ersten Zweitligaspiel bei 1860 erst mal ein langes Tief durchlitt?

Stratos: Ach was, der war ja gut geschossen. Der Mario wird den nächsten Elfer wieder genauso schießen, und der geht dann rein, da mache ich mir keine Sorgen.

Der MSV hat parallel gegen Paderborn fast die gleiche Performance abgeliefert – 2:3 nach verschossenem Elfer. Was blieb vom Zweitligisten Duisburg und ist die Elf Karsten Baumanns stärker als geglaubt?

Stratos: Ich habe ihr erstes Drittliga-Spiel gegen Heidenheim gesehen, da waren sie schon sehr gut. Und Paderborn an den Rand einer Niederlage zu bringen, ist ja auch nicht ohne. Sie haben gegen Burghausen locker 2:0 gewonnen. Die sollte man keinesfalls danach bewerten, wie das vor der Saison geschah – nach dem Motto, die haben kein Geld, das kann nichts werden. Sie haben sich gut verstärkt, erst diese Woche wieder mit de Wit – und deren Etat sagt auch einiges über deren Leistungsfähigkeit aus. Ich sehe den MSV auf jeden Fall im vorderen Drittel. Aber dennoch fahren wir dorthin, um das Spiel zu gewinnen.