Auch in der Oberpfalz tappen immer mehr Menschen in die Schuldenfalle
Städter machen öfter Schulden

Symbolbild: dpa
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Regensburg
11.11.2014
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Handys, Autos, Möbel: Vieles ist mittlerweile per Ratenzahlung schnell und vermeintlich günstig zu haben. Ein Grund dafür, dass immer mehr Menschen in die Schuldenfalle tappen. In den Städten gibt es deutlich mehr Schuldner als auf dem Land. Das gilt auch für die Oberpfalz.

Bundesweit ist die Überschuldung von Privatpersonen 2014 nach einem leichten Rückgang im Vorjahr wieder angestiegen. Die Schuldnerquote lag zum 1. Oktober bei 9,90 Prozent (2013: 9,81 Prozent). Das geht aus dem neuen "Schuldneratlas" hervor, für den der Inkasso-Dienstleister Creditreform die Lage in 402 Landkreisen und kreisfreien Städten ausgewertet hat. Eine Überschuldung liegt demnach vor, wenn jemand seine Zahlungsverpflichtungen in absehbarer Zeit nicht begleichen kann und ihm zur Deckung seines Lebensunterhaltes weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Am höchsten ist der Anteil der Schuldner in der Oberpfalz in den kreisfreien Städten Weiden (10,95 Prozent), Regensburg (9,75) und Amberg (9,14). Besser stehen die Landkreise da: Der Kreis Neumarkt hat mit 5,20 Prozent die niedrigste Schuldnerquote, gefolgt von Tirschenreuth und Regensburg (beide 5,66 Prozent), Amberg-Sulzbach (5,71), Neustadt/WN (5,79), Cham (5,97) und Schwandorf (6,83).



"Es zeigt sich, dass meist miteinander verknüpfte soziale Problemlagen wie Arbeitslosigkeit, Einkommensarmut und Bezug von sozialen Transferleistungen in Ballungsräumen stärker mit Überschuldung korrelieren als in ländlichen Regionen", führen die Creditreform-Experten als Erklärungsansatz für die Stadt-Land-Kluft an. Zudem würden Städte häufigere und intensivere Konsumanreize bieten.

Zu 61,7 Prozent sind die Schuldner männlich. Männer gelten laut Studie in der persönlichen Finanzplanung als risikobereiter und zeigen eine höhere Neigung zur Selbstüberschätzung bei der Übernahme von finanziellen Verpflichtungen. Doch der Anteil der Frauen unter den Schuldnern hat in den vergangenen Jahren zugenommen.



Den Hauptgrund für den Langzeittrend sehen die Forscher im Wandel der Geschlechterrollen: Frauen übernehmen als gleichberechtigte Einkommensbezieherinnen oder als Alleinerziehende zunehmend die Verantwortung für auflaufende Schulden.

Unter den rund 1500 Menschen, die 2013 bei der Schuldnerberatung der Caritas in der Diözese Regensburg Hilfe suchten, waren sogar mehr Frauen als Männer.

"Sie führen den Haushalt und bemerken die Probleme häufig als erstes", erklärt Alfred Damberger, Referent für Schuldnerberatung beim Caritas-Diözesanverband, im Gespräch mit unserer Zeitung. Schulden seien immer noch ein Thema, das gerne verheimlicht wird. Zunächst würden sich Betroffene vielleicht noch Geld von den Eltern leihen. "Doch irgendwann reicht das nicht mehr."

Scheidung als Auslöser

Oft führen laut Damberger Arbeitslosigkeit oder ein Einschnitt im Familienleben wie eine Scheidung dazu, dass Schulden angehäuft werden. Doch auch die Verlockungen in der Konsumwelt würden eine Rolle spielen. "Es ist schon verführerisch, wenn ich das neueste Handy für 10 Euro oder ein neues Auto für 200 Euro im Monat haben kann", warnt Damberger vor der immer beliebter werdenden Ratenzahlung. Die Käufer würden dabei schnell den Gesamtbetrag aus den Augen verlieren.
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