Auf einem Gedenkweg erinnern rund 500 Bürger an den 23. April 1945
"Starkes Signal" für Regensburg

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Regensburg
25.04.2015
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Zum ersten Mal gemeinsam haben am Donnerstagabend Vertreter von Stadt, Religionsgemeinschaften und Verbänden der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Auf einem Gedenkweg durch die Stadt erinnerten rund 500 Bürger an die Geschehnisse des 23. April 1945 und die Opfer des Naziregimes. Als ein "starkes Signal, dass die Stadt wehrhaft ist und bleibt" bezeichnete Oberbürgermeister Joachim Wolbergs den Weg, den er vor dem "Colosseum" in Stadtamhof eröffnete, dem ehemaligen Außenlager des Konzentrationslagers Flossenbürg.

Vor genau 70 Jahren wurde das damalige Lager von den Nazis geräumt, rund 300 Häftlinge machten sich in einem "Todesmarsch" auf den Weg nach Laufen an der Salzach in Oberbayern. Nur 50 von ihnen kamen lebend dort an, wie Dr. Hans Simon-Pelanda, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft "Ehemaliges KZ Flossenbürg", in seiner Rede betonte. Einer dieser Überlebenden ist der heute 90-jährige Zbigniew Kolakowski, der den Anwesenden in seiner Muttersprache Polnisch seine Eindrücke schilderte.

Ebenfalls an den 23. April vor 70 Jahren erinnerten Bischof Rudolf Voderholzer und Regionalbischof Hans-Martin Weiß am Westportal des Doms. Beide erinnerten an Menschen, "die mit viel Tapferkeit ihr Leben hingaben", wie Voderholzer betonte. Bei einer Frauen-Kundgebung am Dachauplatz forderten damals Domprediger Dr. Johann Meier, Michael Lottner und Josef Zirkl die gewaltfreie Übergabe der Stadt an die US-Armee - und wurden dafür hingerichtet. "Wir sind besorgt, dass sich die Vergangenheit wiederholen könnte und blicken sorgenvoll ins Ausland", sagte Weiß.

"Unter den Opfern sind auch Menschen, die nicht schweigend im großen, trägen Strom mitgeschwommen sind - diese Menschen haben aufbegehrt und Widerstand geleistet gegen den unmenschlichen Wahnsinn und haben teuer dafür bezahlt", würdigte Wolbergs das Engagement all jener, die sich dem Nationalsozialismus nicht beugen wollten. Dazu zählten auch die Neupfarrplatzgruppe sowie der Bibelforscher und Zeuge Jehovas Wolfgang Waller, an den eine Tafel im Minoritenweg 9 erinnert. Mitglieder der Neupfarrplatzgruppe wurden ermordet, weil sie sich gegen den Krieg und das Regime äußerten. Waller organisierte drei Widerstandsgruppen, die alle den Kriegsdienst verweigerten. Er kam dafür ins KZ Mauthausen, wo er starb.

"Es ist wichtig, dass wir nicht vergessen und die Vergangenheit betrachten. Das ist die Gewähr, dass wir in einer besseren Welt leben können. Ohne das Betrachten der Vergangenheit könnte es gefährlich werden", ermahnte Rabbiner Josef Chaim Bloch an der Jüdischen Synagoge. Schlusspunkt des gemeinsamen Gedenkweges war der frühere Moltke- und heutige Dachauplatz.
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