Autohändler vor Gericht

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Regensburg
11.05.2015
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Der heute 46-jährige war früher Firmenchef mehrerer Autohäuser. Nun steht er wegen Millionenbetrugs vor dem Landgericht Regensburg. Sein Anwalt sieht ihn jedoch nicht als Täter, sondern vielmehr als Opfer.

Seit Freitag muss sich der frühere Geschäftsführer mehrerer Autohäuser, einer Leasinggesellschaft und eines Autoverleihs nebst Handel und Tankstelle vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Richterin Elke Escher wegen Betrugs in 16 Fällen und Untreue mit vorsätzlichem Bankrott sowie vorsätzlicher Insolvenzverschleppung verantworten.

Vom Vater übernommen

Bereits sein Vater hatte in der Oberpfalz ein regelrechtes Firmennetz rund um das Auto aufgebaut. Als dieser vor rund 20 Jahren schwer erkrankte, musste der Angeklagte als gelernter Kfz-Mechaniker die Geschicke der Unternehmensgruppe übernehmen und wurde - so die Darstellung von dessen Verteidiger Uwe Willmann aus Nürnberg - zum Opfer der Banken: Er habe den Wunsch seines Vaters, "das Unternehmen zu erhalten" erfüllen und den Familiennamen nicht beschädigen wollte. Zudem sei er von Gebrauchtwagenhändlern bei der Verwertung von Leasingfahrzeugen betrogen worden.

Nach den Feststellungen der Staatsanwaltschaft war der zur Anklage gebrachte Autoverleih bereits 2010 zahlungsunfähig, erst zwei Jahre später ging der Angeklagte zum Insolvenzgericht. Obwohl ihm die Schieflage des Betriebes bekannt sein musste, orderte er bis 2012 insgesamt 211 Neufahrzeuge eines Herstellers im oberen Preissegment. In nur drei Wochen bestellte und erhielt er 26 Fahrzeuge im Gesamtwert von netto über 900 000 Euro.

Dabei wusste er, dass der Autoverleih nicht mehr in der Lage war, diese zu bezahlen. Ihm soll es nur darauf angekommen sein, diese weiterveräußern zu können. Bei weiteren 15 Fahrzeugen im Wert von rund 600 000 Euro kam es nicht mehr zur Auslieferung. Auch Autohäuser in ganz Bayern soll der Angeklagte betrogen haben. Mit ihnen schloss er Kaufverträge ab und ließ sich den Kaufpreis im Voraus bezahlen. Zur Auslieferung kam es nicht.

Über 2,5 Millionen Schaden

Die Staatsanwaltschaft geht von einem Gesamtschaden von 2,15 Millionen Euro aus. Hinzu kommen weitere 450 000 Euro für die vom Angeklagten bestellten, aber nicht erhaltenen Fahrzeuge als sogenannter Gefährdungsschaden. Zudem hatte der Angeklagte zwei Monate vor der Insolvenzanmeldung im März 2012 mit 50 000 Euro vom Konto des Autoverleihs ein persönliches Darlehen teilweise getilgt.

In seiner mehr als einstündigen Erklärung sparte der Verteidiger nicht mit Schuldzuweisungen gegen die Banken. Denen sei nur daran gelegen gewesen, ihr Kreditrisiko in Millionenhöhe so gering wie möglich zu halten. Sie hätten seinem Mandanten auch externe Berater auferlegt, deren Gutachten er als teils fragwürdig qualifizierte. Der Angeklagte - der nur über geringe betriebswirtschaftliche Kenntnisse verfüge - sei über Jahre fast ausschließlich mit Liquiditätsproblemen und Bankengesprächen belastet gewesen. Eine dauerhafte Schlaflosigkeit mit einhergehender Depression und Suizidgedanken hätten seine Steuerungsfähigkeit erheblich vermindert.

Nach einem mehrstündigen Rechtsgespräch stellte die Strafkammer dem Angeklagten für den Fall eines Geständnisses eine Freiheitsstrafe zwischen dreieinhalb Jahren und vier Jahren in Aussicht. Daraufhin räumte der Angeklagte die Tatvorwürfe ein. Für den Prozess sind bislang neun Verhandlungstage angesetzt.
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