Bei der Mutter versteckt

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Regensburg
15.05.2015
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Einer der beiden flüchtigen Sexualstraftäter aus Regensburg ist gefasst. Der 40-Jährige versteckte sich bei seiner Mutter in Roding. Sein Komplize ist weiterhin auf der Flucht.

(nt/az) Nach der Festnahme des entflohenen Sexualstraftäters Christoph Janßen aus Regensburg fehlt von einem zweiten Mann nach wie vor jede Spur. Wie die Polizei am Donnerstag bestätigte, ist der 68-Jährige weiterhin verschwunden. Er war zusammen mit einem 40-Jährigen vor rund einem Monat während eines Freigangs aus der Psychiatrie geflüchtet.

Bei beiden Männern handelt es sich um verurteilte Sexualstraftäter, der jüngere war am Dienstagabend in Roding (Kreis Cham) festgenommen worden. Die beiden Forensik-Patienten waren bei einem Freigang in Regensburg geflüchtet. Begleitet von einer Pflegekraft, waren sie in einem Einkaufszentrum unterwegs und konnten in einem unbeachteten Moment entwischen. Den Männern war seit Monaten eine sogenannte Lockerungsstufe zuerkannt worden.

In Hand- und Fußfesseln

Wie Kliniksprecherin Lissy Höller im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigte, ist Janßen wieder in der Forensik angekommen. Bis auf Weiteres sei seine Lockerungsstufe aufgehoben. Das heißt, er werde betreute Ausflüge wie den, bei dem er zuletzt entkommen war, nicht mehr unternehmen dürfen. "Zu Arztbesuchen wird er in Hand- und Fußfesseln gebracht", sagte Höller, "so schreibt es das Gesetz vor."

Im Unterschied zu Häftlingen haben die Patienten der Forensik keine bestimmte Zeit "abzusitzen" - über ihre Entlassung entscheidet ein Gremium, das ihre Therapiefortschritte zu beurteilen hat. Für Janßen dürfte der Zeitpunkt seiner Entlassung durch die neuerliche Flucht (Lockerungsmissbrach) in noch weitere Ferne gerückt sein.

Der 40-Jährige konnte am Dienstag gegen 21.15 Uhr festgenommen werden. Dabei soll er keinen Widerstand geleistet haben. Allerdings ging dem Vernehmen nach bei dem Polizeieinsatz offenbar die Wohnungstür zu Bruch. In den 90er Jahren soll er sich an minderjährigen Mädchen vergangen haben, seitdem lebte er in psychiatrischen Kliniken. 1997 und 2002 war ihm jeweils schon einmal die Flucht gelungen.

Jedes Jahr werden den Patienten der Regensburger Klinik für forensische Psychiatrie und Psychotherapie rund 100 000 Lockerungen gewährt. Nur in 16 Fällen haben die Patienten im vergangenen Jahr gegen die Lockerungsvorschriften verstoßen. Im Bezirksklinikum wird der 40-Jährige nach Auskunft der stellvertretenden Leiterin des Maßregelvollzugs, Dr. Kirsten Lange, nun medizinisch gründlich untersucht. Sie stellte auch klar, dass alle Lockerungen, die ihm zugestanden worden waren, bis auf Weiteres zurückgenommen werden. Das heißt, er bekommt keine Ausgänge mehr - und wenn er zu einem externen Arzt muss, erfolgt der Transport in Fesseln. Auf die Frage, ob der nun gefasste Mann Hinweise auf den Verbleib des zweiten Flüchtigen gegeben habe, wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nichts sagen.

2000 Euro Belohnung

Ende vergangener Woche hatte die Staatsanwaltschaft Regensburg für Hinweise, die zur Festnahme der Gesuchten führen, eine Belohnung von jeweils 2000 Euro ausgesetzt. Der noch flüchtige Karl-Heinz Lippert ist 68 Jahre alt, 1,70 Meter groß, 76 Kilogramm schwer, schlank, angeblich zur Zeit mit Oberlippenbart, graue Haare, graue Augen. Bekleidet war er mit grauer Jacke und grau/blauer Mütze (Marinelook).
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