Das Schweigen der Rocker

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Regensburg
14.08.2015
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Keine schöne Bescherung: Weihnachten 2010 riskierte eine Gruppe um den Rocker und NPD-Politiker Sascha Roßmüller eine dicke Lippe. Vor Gericht gab sie sich bezüglich des Ärgers mit einem Konkurrenzclub nun aber schmallippig.

Seit Donnerstag stehen der NPD-Politiker und Secretary/Treasury des Chapters Regensburg des Motorradclubs (MC) Bandidos, Sascha Roßmüller, sowie vier weitere Mitglieder der Rocker-Bande im Alter von 37 bis 48 Jahren vor der 7. Strafkammer des Landgerichts Regensburg. Ihnen wird schwerer Landfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung vorgeworden, begangen am 2. Weihnachtsfeiertag 2010.

Gegen das "Gremium"

Roßmüller soll weitere Mitglieder des MC Bandidos nach Straubing bestellt haben, um Mitgliedern der konkurrierenden Bande Gremium eine Abreibung zu verpassen. Zu diesem Zweck hielt sich das Quintett - ausgerüstet mit Schlagwerkzeugen, Messern und großen Reizgasbehältern - zunächst im Lokal gegenüber der Stammkneipe des MC Gremium auf. Als gegen 1 Uhr Bandenmitglieder vor dem Lokal rauchten, soll ein anderer Angeklagter das Kommando zum Angriff gegeben haben. Die Angeklagten und weitere Mitglieder der Bandidos sollen bewaffnet auf die Straße gestürmt sein und die späteren Geschädigten massiv angegriffen haben.

Als der Wirt des "Blackout" zur Hilfe eilte, soll er von Roßmüller und einem Bandenmitglied mit Messern angegriffen worden sein. Der Wirt trug schwere Wunden im Gesicht und am rechten Zeigefinger davon. Ein weiteres Mitglied des MC Gremium erlitt Stich- und Schnittverletzungen sowie Abschürfungen am Kopf. Andere wiederum wurden mit Reizgas attackiert und getreten. Der 48-jährige Mitangeklagte erlitt so schwere Schnittverletzungen, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste. Vor der Strafkammer unter Vorsitz von Richter Georg Kimmerl erklärten die Angeklagten über ihre Verteidiger unisono, dass sie keine Angaben machen werden. Verteidiger Helmut Mörtl beantragte das Verfahren auszusetzen und zunächst Ermittlungsakten gegen einen der Kronzeugen - dem früheren Präsidenten des MC Bandidos - beizuziehen. Er mutmaßt, dass dieser ein V-Mann, zumindest ein Polizei-Spitzel ist. Dieser Frage will die Strafkammer bis zum nächsten Verhandlungstag am Montag nachgehen.

Nach Aussage des Sachbearbeiters der Straubinger Kripo waren beim Eintreffen der Streifen die Angreifer bereits verschwunden. Roßmüller und eine weitere Person konnten jedoch unweit des Tatortes in einem Gässchen angetroffen werden. Den Beamten gegenüber bestritt Roßmüller jedoch jegliche Tatbeteiligung. Mitglieder des MC Gremium verweigerten die Aussage. Lediglich der Wirt des "Blackout" gab an, dass es sich den Kutten nach um Mitglieder des MC Bandidos gehandelt haben müsse. Erst die Befragungen anderer Lokalbesucher und des Bedienungspersonals brachten einen Teilerfolg. Drei der vermeintlichen Angreifer konnten so identifiziert werden.

Streit um Einflussbereich?

Der Personenkreis erweiterte sich erst durch die Angaben des früheren Rockerpräsidenten. Als Motiv für die Auseinandersetzung vermutete die Kripo einen Krieg um die Gebietsansprüche des MC Bandidos und persönliche Differenzen zwischen Roßmüller und dem geschädigten Kneipenwirt. Auch könne es sich um einen Racheakt handeln, da einer der Angeklagten etwa 14 Tage vorher von einer Gruppe aus der Reihe des MC Gremium bedroht wurde.

Im Zeugenstand machte der betroffene Kneipenwirt - der mit einem Zeugenbeistand erschienen war - von seinem "umfänglichen Schweigerecht" Gebrauch. Hintergrund sei, dass gegen ihn ebenfalls ein Ermittlungsverfahren anhängig war. Dieses wurde zwar eingestellt, es besteht aber die Möglichkeit, dass es wieder aufgenommen wird. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.
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