"Der verhüllte Gott": Regensburger Neupfarrkirche startet bayernweite Pilotaktion
Kirche ganz ohne Bilder

Sie ließen Altar und Bilder in der Regensburger Neupfarrkirche verhüllen (von links): Sabine Freudenberg, Barbara Eberhardt und Pfarrer Thomas Koschnitzke. Bild: Gibbs
Archiv
Regensburg
23.02.2015
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Die evangelische Neupfarrkirche in Regensburg hat ein neues Gesicht: Im Innenraum wurden sämtliche Bilder, Altar und Kanzel mit Stoffen verhüllt. Die Aktion, die bis Karsamstag läuft, soll zum Nachdenken über die Bedeutung von Bildern in der Kirche anregen. Die Organisatoren sind gespannt auf die Reaktionen.

Die Idee entstand im Herbst vergangenen Jahres: Im Themenjahr "Bild und Bibel" der Luther-Dekade 2015 hat Regensburg mit der Verhüllungsaktion ein bayernweites Pilotprojekt übernommen. Zum Reformationsjubiläum 2017 könnte die Aktion Nachahmer im gesamten Freistaat finden. "Wir werden heute von einer Bilderflut ertränkt, jeder hat Hunderte Bilder allein auf seinem Handy", sagte Pfarrer Thomas Koschnitzke bei der Vorstellung des neuen Projekts. Auch wenn es paradox klingt: "Durch das Verhüllen sehen wir die Bilder in unserer Kirche wieder."

Die meisten Gemälde in der Neupfarrkirche stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert und zeigen die damalige Lebenswirklichkeit. Für Koschnitzke stellt sich deshalb die Frage, ob nicht auch moderne Bilder in dem Gotteshaus Einzug halten müssten. Sabine Freudenberg vom Kirchenvorstand betonte, dass sich das Thema "verhüllter Gott" durch viele Religionen ziehe: "Gott sieht man nicht, er spricht aus einem Dornbusch oder einer Wolke." Das sei ein Symbol dafür, dass man das Zentrale im Glauben nicht sieht, sondern anders wahrnimmt. "Wir wollen dazu ermutigen, über die eigene Gottesvorstellung nachzudenken", sagte Barbara Eberhardt vom Evangelischen Bildungswerk. Sie selbst empfinde die Leere als wohltuend. Einen Denkanstoß könnten dabei die Alltagsgeräte geben, die teilweise unter den verhüllten Bildern aufgestellt sind, etwa eine Krankentrage der Johanniter unter dem Bild "Heilung eines Kranken".

Ein einziges unverhülltes, sogar bewegtes Bild ist im Taufraum zu entdecken: Künstlerin Margarethe Kollmer hat dort eine Videoinstallation angebracht.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.neupfarrkirche.de
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