Die katholische Kirche hat ihr Arbeitsrecht zugunsten Geschiedener gelockert - Drei Bistümer ...
Regensburg, Passau und Eichstätt zögern

Eine Scheidung und eine erneute standesamtliche Heirat soll ab 1. August für Mitarbeiter etwa in katholischen Kindergärten nur noch in Ausnahmefällen ein Kündigungsgrund sein. Allerdings: Nicht alle Bistümer ziehen mit. Archvbild: dpa
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Regensburg
16.07.2015
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In der katholischen Kirche in Deutschland wird das Arbeitsrecht zum 1. August liberaler - doch drei bayerische Bistümer scheren aus. In Eichstätt, Regensburg und Passau werden die von den deutschen Bischöfen mehrheitlich beschlossenen Änderungen vorerst nicht umgesetzt - die drei Diözesen melden zusätzlichen Beratungs- und Klärungsbedarf an, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

In allen anderen bayerischen Bistümern dagegen treten die neuen Regelungen zum 1. August in Kraft: Demnach sollen eine Scheidung und eine erneute standesamtliche Heirat für Mitarbeiter in katholischen Krankenhäusern, Kindergärten oder Schulen nur noch in Ausnahmefällen ein Kündigungsgrund sein. Auch eine eingetragene Lebensgemeinschaft gleichgeschlechtlicher Paare ist nicht mehr automatisch ein Hindernis für einen Job in einer Einrichtung unter kirchlicher Trägerschaft. Es ist allerdings jedem Bischof überlassen, ob er die Neuerung in seiner Diözese auch anwendet.

"Das Bistum Regensburg prüft derzeit die vorgeschlagene Novelle in Hinblick auf Praktikabilität und Vereinbarkeit mit dem universalen Kirchenrecht. Weitere Einzelheiten stehen nicht fest", sagte ein Sprecher der Diözese. Ähnlich äußerte sich eine Sprecherin des Bistums Passau: Es laufe derzeit eine Prüfung, ob die neue Grundordnung mit dem Kirchenrecht zu vereinbaren sei. "Dieses Ergebnis warten wir ab. Bis dahin gilt die bestehende Grundordnung, die nach Ansicht unserer Fachleute sehr bewährt ist und jederzeit Rechtssicherheit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewährt."

Die Zweifel, die die Bischöfe und Fachleute in Eichstätt, Regensburg und Passau hegen, haben die Kollegen in den anderen Diözesen im Freistaat offenkundig nicht: "Wir folgen damit dem Mehrheitsbeschluss der Bischöfe", sagte der Augsburger Generalvikar Harald Heinrich bereits Ende Mai. Die genaue Ausgestaltung der neuen Regeln ist jedoch in vielen Bistümern noch im Klärungsprozess - etwa in München-Freising oder auch in Bamberg. Dort beispielsweise wird derzeit beraten, für welchen Mitarbeiterkreis besondere Loyalitätsverpflichtungen im Hinblick auf ihren Arbeitgeber Kirche gelten - und die somit von den liberaleren Regeln ausgenommen sind. (Angemerkt)
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