Die Soziale Futterstelle Regensburg kümmert sich nicht nur um Hunde und Katzen, sondern auch um ...
Das Haustier als Seelentröster

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Regensburg
27.12.2014
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Wenn der Partner stirbt, die Familie zerbricht oder der Arbeitsplatz wegfällt, bleibt vielen Menschen das Haustier als einziger Freund. Oft kommen in einer solchen Situation finanzielle Nöte hinzu - und den Besitzern droht, dass sie ihren einzigen Liebling abgeben müssen. In Regensburg hilft dann die Soziale Futterstelle weiter.

400 Hunde, Katzen, Kleintiere und Vögel aus Stadt und Landkreis Regensburg werden von der Futterstelle mit Nahrung versorgt. Leiterin Gudrun Wilke kennt die Tiere fast alle mit Namen. Auch zu vielen Besitzern haben sie und ihr 21-köpfiges ehrenamtliches Team eine Beziehung aufgebaut. Entsprechend familiär geht es am Samstag bei der Weihnachtsfeier der Futterstelle zu. Die "Kunden" kommen auf einen Plausch mit Plätzchen und Kinderpunsch vorbei, die Tiere werden getätschelt, am Ende bekommt jeder eine Weihnachts-Tüte mit Futter und Spielzeug. Die gemütliche Atmosphäre täuscht nicht darüber hinweg, dass hier Menschen aus schwierigsten Lebensverhältnissen eine Anlaufstelle finden. Obdachlose, Sozialhilfeempfänger und Geringverdiener sind darunter. Hauptsächlich sind es aber ältere und kranke Menschen, bei denen die Rente kaum zum Leben reicht, erzählt Wilke. Sie leben oft in bitterer Armut und tun trotzdem alles, um ihr Tier satt zu bekommen. "Auch wenn sie selbst dafür hungern", sagt Wilke. "Besonders für Menschen in sozialer Not ist ein Tier Seelentröster und letzte Brücke zur Gesellschaft."

"Mein Partner, alles"

Hündin Memory ist so ein Seelentröster. Für ihre Besitzerin, eine Regensburgerin im mittleren Alter, ist sie "mein Lebensinhalt, mein Partner, alles". Als ihr Ehemann starb und das Geld knapp wurde, bestand die Gefahr, dass sie Memory verliert. "Das hätte mir das Herz gebrochen", sagt sie. Die Hundehalterin hat den größten Teil ihres Lebens gearbeitet und muss heute von der staatlichen Grundsicherung leben.

"Ich habe nie erlebt, dass sich jemand so freut, wenn ich nach Hause komme." Die Soziale Futterstelle ermöglicht es, dass Memory bei ihr bleiben kann. Alle drei Wochen können die Kunden Tierfutter in der Ausgabestelle im Stadtnorden abholen. Ihre Bedürftigkeit müssen sie über amtliche Bescheide nachweisen. Der mobile Hausdienst versorgt alle vier Wochen bedürftige Tierbesitzer, die ihre Wohnung nicht verlassen können. Einmal im Jahr bietet die Futterstelle, die sich über Spenden finanziert, eine Chip- und Impfaktion mit Gesundheitscheck an.

Einmal im Monat gibt es eine Sprechstunde mit einer Tierheilpraktikerin. Für Tierarztkosten zahlt die Futterstelle eine Beihilfe. Wichtig ist Wilke: "Wir unterstützen nur Menschen, die bereits ein Tier haben." Seit November weitet die Futterstelle ihr Engagement von den Haustieren auf die Besitzer aus. "Da wir ganzheitlich arbeiten, können wir den Menschen nicht ausblenden und nur das Tier sehen", erklärt Wilke, die selbst beruflich im sozialen Bereich tätig ist. In Gesprächen mit den Tierhaltern bekommen die Futterstellen-Mitarbeiter zu viel Not mit, um die Augen zu verschließen.

Einfach nur Engel

Eine pensionierte Sozialarbeiterin kümmert sich daher nun um die Belange der bedürftigen Menschen, erklärt ihnen, wo sie Zuschüsse beantragen können, vermittelt sie an die richtigen Stellen bei der Arbeitsagentur, der Stadt oder sozialen Einrichtungen. Die Dankbarkeit der bedürftigen Menschen ist groß, das wird bei der Weihnachtsfeier deutlich. Ein Mann hat sogar ein Gedicht mitgebracht: Für ihn sind die ehrenamtlichen Helfer der Futterstelle einfach nur "Engel".

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.futterstelle-regensburg.de
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