Drogendeal auf Mafia-Art

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Regensburg
13.03.2015
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Es sind die mutmaßlichen Hauptakteure eines Drogenrings, der mit "mafiaähnlichen Strukturen" seinen Geschäften nachging. Über zwei Jahre sollen sieben Männer im Alter zwischen 23 und 29 Jahren mit rund 140 Kilogramm Marihuana gedealt haben. Jetzt sitzen sie auf der Anklagebank.

Für das Verfahren hat die Große Jugendstrafkammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Richter Carl Pfeiffer zehn Verhandlungstage angesetzt. Die Angeklagten, die dicht gedrängt mit ihren neun Verteidigern im Sitzungssaal 104 sitzen, kommen allesamt "aus gutem Hause" und passen so gar nicht in das Klischee des Betäubungsmittelmilieus. Köpfe der Bande sollen ein 23 Jahre alter Elektroniker und ein 24-jähriger Jurastudent sein. Auch ein angehender Industriemeister sitzt mit auf der Anklagebank, die übrigen Komplizen kommen ebenfalls aus der IT-Branche. Fünf von ihnen sitzen seit elf Monaten in Untersuchungshaft, zwei wurden gegen Auflagen aus der Haft entlassen.

Marihuana aus Prag

Auf 23 Seiten listet die Staatsanwaltschaft die in den Jahren 2012 und 2014 begangenen Straftaten auf. Danach haben die Angeklagten in rund 20 Fällen annähernd 140 Kilogramm Marihuana bei einem Hintermann in Prag zu einem Grammpreis zwischen 3,50 und 4 Euro erworben und für mehr als das Doppelte weiterverkauft. Zu ihren Kunden zählte auch eine Münchner Rockervereinigung. Der Gewinn daraus soll bei einer halben Million Euro liegen. Meist wurde das "Gras" in Reservereifen von angemieteten Pkws versteckt, aber auch in Sporttaschen auf Motorrädern transportiert. Während anfangs Kuriere eingesetzt wurden, bekamen sie später den Stoff "frei Haus".

Zur Eintreibung offener Forderungen hatten sie zudem einen Boxer angeheuert, aber auch sich selbst mit Schusswaffen ausgerüstet. Vermeintlichen Verrätern gegenüber zeigten sie sich wenig zimperlich. Sie wurden in die Falle gelockt, stundenlang traktiert, massiv bedroht und bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen. Deshalb lautet die Anklage auch auf unerlaubtes Führen einer Schusswaffe, Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung in Tateinheit mit erpresserischem Menschenraub, schwere räuberische Erpressung mit Geiselnahme. Die Bandenmitglieder kannten sich seit Jahren aus ihrer Schulzeit oder durch gemeinsame Freizeitbeschäftigungen.

Einer Presseerklärung der Polizei und der Staatsanwaltschaft zufolge wurden bereits im April 2014 Fahrzeuge, eine fünfstellige Summe Bargeld und Schmuck beschlagnahmt. Auch Bankguthaben wurden eingefroren. Nach Verlesen der Anklageschrift zogen sich die Prozessbeteiligten zu einem mehrstündigen Rechtsgespräch zurück.

Noch keine Aussagen

Wenige Tage vorher erreichte die Verteidiger ein 92-seitiger Eröffnungsbeschluss des Landgerichts München, der teilweise auch die Regensburger Angeklagten betrifft. Daher gab es am ersten Verhandlungstag auch keine Erklärungen durch die Angeklagten und deren Verteidiger. Der Prozess wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt.
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