Eine Breze mit Geschichte

Verkohlte Überreste von drei Semmeln, zwei Brezen und einem Kipferl wurden bei Ausgrabungen am Donaumarkt gefunden. Bilder: Hinterberger (2)
Archiv
Regensburg
12.03.2015
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Brezen, Kipferl und Semmeln gehören schon seit vielen hundert Jahren zu einer richtigen Brotzeit in Bayern. Das belegt der Fund von verkohlten Backwaren aus dem 18. Jahrhundert in Regensburg. Ein Missgeschick des damaligen Bäckers ist ein Glück für die Archäologen.

Rund 250 Jahre alt und verkohlt sind die drei kleinen Semmeln und Fragmente eines Kipferls sowie zweier Brezen, die im vergangenen Jahr bei Ausgrabungsarbeiten auf dem Donaumarkt, dem zukünftigen Areal des Museums der Bayerischen Geschichte, gefunden wurden. "Wir finden meistens Keramik, Knochen und manchmal ein Glasobjekt oder verrostetes Eisen. Ehemals organische Objekte entdecken wir nur sehr selten", unterstreicht Dr. Silvia Codreanu-Windauer, Gebietsreferentin des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, am Mittwoch die Außergewöhnlichkeit dieser Stücke. Der Fund solcher Backwaren sei in Bayern bisher einzigartig. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs zeigte sich ebenfalls erfreut über die historischen Backwaren: "Mit solchen Funden wird ein Stück weit Geschichte dokumentiert. Ohne Archäologen gäbe es die ganze Geschichtsschreibung nicht."

Verkohlte Backwaren

Gefunden wurden die Stücke im Hinterhof des ehemaligen Gebäudes am Hunnenplatz 3. In diesem befand sich über mehrere Generationen hinweg eine Bäckerei, wie historische Aufzeichnungen belegen. 1753 wurde diese von Bäckermeister Johann Georg Held übernommen, der die gefundene Backwaren hergestellt und anschließend entsorgt haben könnte. Womöglich waren die Backwaren verkohlt und Held schleuderte die Semmeln, Brezen und Kipferl in eine Grube in der Ecke seiner Backstube.

Kurz darauf muss, wie Ausgrabungsarbeiten ergeben haben, im besagten Hinterhof eine Mauer abgesackt sein. Die dadurch entstandene Kuhle wurde mit Dreck, der auch das verkohlte Backwerk enthielt, aufgefüllt und mit Ziegeln bedeckt. So wurden Brezen, Semmeln und Kipferl für die Nachwelt konserviert.

Trotz der Euphorie über diesen besonderen Fund betonte Codreanu-Windauer aber, dass es sich bei den gefundenen Brezenteilen auf keinen Fall um die älteste Breze überhaupt handle. So hätten Recherchen ergeben, dass die Breze als Backwerk bereits im Mittelalter bekannt gewesen sei - als eine christliche Fastenspeise. "Angeblich wurde die typische Brezenform von der verschränkten Armhaltung der Mönche abgeleitet", erklärte Codreanu-Windauer weiter.

Spektakuläre Funde

Auf dem Gelände des Donaumarktes in Regensburg soll bis 2018 das neue Museum der Bayerischen Geschichte entstehen, wenn der Freistaat dann sein 100-jähriges Bestehen feiert. Bei Grabungen dort machten Archäologen von September 2012 bis Ende 2014 mehrere spektakuläre Funde, darunter römische Skelette, einen Galgen sowie Überreste eines Holzgebäudes aus dem frühen Mittelalter.
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